INSM Blog http://blog.insm.de Ökonomie verstehen Fri, 24 May 2013 07:55:15 +0000 de-DE hourly 1 5 vor 10: Wirtschaftsverfassung, Währungskrieg, Moral, Leistungsbilanzen, Freiheit http://blog.insm.de/7604-5-vor-10-wirtschaftsverfassung-wahrungskrieg-moral-leistungsbilanzen-freiheit/ http://blog.insm.de/7604-5-vor-10-wirtschaftsverfassung-wahrungskrieg-moral-leistungsbilanzen-freiheit/#comments Fri, 24 May 2013 07:55:09 +0000 INSM Redaktion http://blog.insm.de/?p=7604 weiterlesen]]> Warum die europäische Wirtschaftsregierung keine besonders gute Idee ist,  wann der Weltwirtschaft ein Währungskrieg droht und warum die Moral auf Märkten manchmal zu kurz kommt: Die Linktipps von heute geben darauf Antworten. Außerdem lesenswert: Die Geschichte eines liberalen Kabarettisten und einen Text mit guten Nachrichten aus Südeuropa.


1. Wirtschaftsverfassung statt Wirtschaftsregierung!
(blog.openeuropeberlin.de, Michael Wohlgemuth)
Der französische Staatspräsident François Hollande hat sie wieder ins Spiel gebracht: die Wirtschaftsregierung, die über die Euro-Staaten wachen soll und bei vielen als Allheilmittel gegen künftige Krisen gilt. Doch die Idee würde höchstwahrscheinlich nicht nur am Widerstand des Bundesverfassungsgerichts scheitern. Fragwürdig ist auch woher eine zentralistische Wirtschaftspolitik ihre Legitimation beziehen würde, schreibt Michael Wohlgemuth. Anstelle der Wirtschaftsregierung fordert er eine Wirtschaftsverfassung für Europa.

2. Die rote Linie der Geldpolitik
(wallstreetjournal.de, David Wessel)
Im Vergleich zum US-Dollar hat der japanische Yen in nur etwas mehr als einem halben Jahr ein Viertel seines Wertes verloren. Die Regierung des Landes will mit der Schwächung der eigenen Währung die Exporte beflügeln. Auch in Ländern wie der Schweiz greift die Notenbank massiv ein, um den Franken zu schwächen. Ist das schon der Beginn eines Währungskriegs?

3. Was ist Ihnen das Leben dieser Maus wert?
(zeit.de, Uwe Jean Heuser)
Das Experiment des Bonner Wirtschaftsprofessors Armin Falk ist verstörend – die Ergebnisse sind es erst recht: Falk wollte das Verhältnis zwischen Markt und Moral ergründen. Dafür testete er, unter welchen Umständen seine Probanden bereit sind, das Leben einer Maus für Geld zu opfern. Es zeigte sich: Sobald das Leben des Tiers wie auf einem Marktplatz gehandelt wurde, spielten moralische Bedenken kaum noch eine Rolle.

4. Ist das Ende wirklich nah?
(fazitblog.de, Gerald Braunberger)
Es gibt gute Nachrichten aus Südeuropa: Die Leistungsbilanzdefizite der Peripherie-Länder im Euroraum gehen zurück. Das bedeutet: Auch der Bedarf an Kapital aus dem Ausland schwindet. Grund dafür: Die südeuropäischen Staaten konnten ihre Exporte an Länder außerhalb der EU erhöhen. Doch das allein ist noch nicht genug: Wenn sich die konjunkturelle Lage wieder verbessert und damit auch die Importe anziehen, wird die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft erst richtig auf die Probe gestellt.

5. Freiheit? Ach, Hauptsache, der Müll ist getrennt!
(welt.de, Vince Ebert)
Vince Ebert ist ziemlich einzigartig: Er ist ein liberaler Kabarettist. Während die meisten seiner Kollegen die Marktwirtschaft humoristisch verteufeln, witzelt Ebert für die Freiheit. Für den Großteil der Kulturschaffenden findet er klare Worte: “Die linkesten unter ihnen verdienen sogar richtig viel Geld, indem sie ihrem Publikum jeden Abend erzählen, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht.”

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5 vor 10: Mindestlohn, Informationsaustausch, Zinspolitik, Cent-Münzen, Bier http://blog.insm.de/7583-5-vor-10-mindestlohn-informationsaustausch-zinspolitik-cent-munzen-bier/ http://blog.insm.de/7583-5-vor-10-mindestlohn-informationsaustausch-zinspolitik-cent-munzen-bier/#comments Thu, 23 May 2013 07:55:43 +0000 INSM Redaktion http://blog.insm.de/?p=7583 weiterlesen]]> Die schädliche Wirkung eines Mindestlohns, das nahende Ende des Bankgeheimnisses in Europa und die Niedrigzinspolitik der EZB sind heute Themen in den Linktipps. Zudem geht es um einen Bier-Ökonomen in Kanada und den Kampf der Bundesbank um die Ein-Cent-Münze.


1. Warum ein Mindestlohn keine gute Idee ist
(wirtschaftlichefreiheit.de, Thorsten Polleit)
Ein Mindestlohn verhilft Geringqualifizierten nicht zu mehr Einkommen, sondern bringt sie um ihren Job. Die Lohnuntergrenze sei deshalb sinnwidrig, meint der Ökonom Thorsten Polleit. Sie sei weder sozial gerecht, noch verbessere sie die Lage auf dem Arbeitsmarkt. “Gerade in Deutschland sollten die Arbeitsmarkterfolge der letzten zehn Jahre aufhorchen lassen”, schreibt Polleit: “Ein Mindestlohn birgt die Gefahr, dass diese Beschäftigungserfolge unnötig gefährdet werden.”

2. Weg mit den Steuerschlupflöchern in der EU
(handelsblatt.com, Katharina Schneider, Video)
Für Steuerhinterzieher könnte es innerhalb der Europäischen Union bald eng werden. Ein sogenannter automatischer Informationsaustausch zwischen den Ländern soll den Fiskus über die Vermögenslage und Zinserträge der Bürger, die Konten im Ausland haben, in Kenntnis setzen. Österreich und Luxemburg scheinen bereit, ihren Widerstand gegen ein solches System aufzugeben. Höchste Zeit, findet Katharina Schneider. Sie sagt: “Im Sinne einer internationalen Steuergerechtigkeit ist eine Einigung dringend nötig.”

3. Niedrigzinsen sind richtig, aber wenig wirkungsvoll
(oekonomenstimme.org, Bernd Hayo)
Seit Anfang des Monats stehen die Leitzinsen im Euroraum auf dem historischen Tiefstand von 0,5 Prozent. Der EZB-Kurs des billigen Geldes ist unter Experten umstritten. Einerseits könnten die niedrigen Zinsen zwar Investitionen erleichtern und damit die schwache Konjunktur beleben. Andererseits drohen weitere Kreditexzesse und Blasen etwa am Immobilienmarkt. Nach Abwägung aller Argumente kommt Bernd Hayo zum Schluss, dass die EZB-Politik in die richtige Richtung geht. Er schränkt jedoch ein: “Eine Analyse aktueller wirtschaftspolitischer Fragestellungen ist immer eine Mischung aus fachlicher Expertise und viel Bauchgefühl.”

4. Deutschlands Kampf um die Ein-Cent-Münze
(blogs.ft.com, Michael Steen, englisch)
Bei den Debatten rund um die europäische Gemeinschaftswährung sind üblicherweise Milliardenbeträge im Spiel. Da kann es durchaus überraschen, dass die Emotionen besonders hochkochen, wenn es lediglich um Cent-Münzen geht. Die Ein- und Zwei-Cent-Münzen kosten in der Herstellung mehr als sie wert sind und werden nur noch selten wirklich verwendet. Die EU-Kommission schlägt deshalb vor, die Münzen abzuschaffen. Die Bundesbank wehrt sich dagegen jedoch vehement.

5. Die Ökonomie des Biers
(thestarphoenix.com, Terrence McEachern, englisch)
Der kanadische Wirtschaftsprofessor Jason Childs ist bei seinen Studenten beliebt. Anstatt trockenes Fachwissen zu vermitteln, widmet sich der Dozent der Universität von Regina neuerdings einem feucht-fröhlichen Thema: In seiner Vorlesung dreht sich alles um das Bier. “Bier ist ein hervorragendes Beispiel, man kann daran so gut wie alle wichtigen ökonomischen Konzepte erklären”, sagt der Professor. Das kommt an seiner Hochschule gut an: In der Lehrveranstaltung gibt es keinen einzigen freien Platz.

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5 vor 10: Aufwertung, Ikea, Europa, Banken, Südamerika http://blog.insm.de/7547-5-vor-10-aufwertung-ikea-europa-banken-sudamerika/ http://blog.insm.de/7547-5-vor-10-aufwertung-ikea-europa-banken-sudamerika/#comments Wed, 22 May 2013 07:55:36 +0000 INSM Redaktion http://blog.insm.de/?p=7547 weiterlesen]]> Heute in den Linktipps: Eine kurze Online-Vorlesung über die Rückkehr zur D-Mark, ein gefälschtes Ikea-Haus in China und eine Debatte über die Zerschlagung von Großbanken. Außerdem: Wie Europa sich kaputt spart und warum das Wachstum in Lateinamerika bald abflauen könnte.


1. Arbeitslosigkeit durch Aufwertung?
(youtube.com, Ulrich van Suntum, Video)
Der VWL-Professor Ulrich van Suntum will dem Euro-Austritt seinen Schrecken nehmen. In einem 13-minütigen Video erklärt er, warum die Rückkehr zur D-Mark nicht zu einer höheren Arbeitslosigkeit führen muss. Die Industrie müsse nicht zwangsläufig unter der Aufwertung leiden, denn die Deutschen könnten günstiger Güter importieren – und so mehr Geld für selbst produzierte Waren ausgeben.

2. Pekings gefälschtes Ikea-Haus
(http://blog.handelsblatt.com, Finn Mayer-Kuckuk)
Der China-Korrespondent des Handelsblatts staunte nicht schlecht: Die Chinesen haben ein komplettes Ikea-Haus gefälscht. Nur ein paar Klassiker fehlen, beispielsweise ein Restaurant. Das Möbelhaus haben Schreinereien eröffnet, die einst die Schweden belieferten. Die Möbel können sie perfekt nachbauen – und im Internetshop verwenden sie echte Ikea-Fotos.

3. Warum geht es Europa so schlecht?
(newyorker.com, John Cassidy, englisch)
Während die Wirtschaft in den USA wieder Fahrt aufnimmt, steckt die EU immer noch in der Krise. Für  den Blogger John Cassidy ist der Fall klar: Europa hat sich in beeindruckender Weise kaputt gespart. Verantwortlich seien vor allem die Deutschen: Sie hätten es geschafft, den anderen Europäern einzureden, ihre Regierungen würden zu viel ausgeben – dabei sind die Schulden ursprünglich nicht im öffentlichen Sektor, sondern im Privatsektor entstanden.

4. Sollen große Banken zerschlagen werden?
(economist.com, Simon Johnson, Charles W. Calomiris, englisch)
“Too big too fail” war das Thema  der Finanzkrise. Doch die Großbanken existieren noch immer, an dem Problem hat sich kaum etwas verändert. Was soll man also mit den riesigen Finanzinstituten machen? Für den Economist diskutieren die Ökonomen Simon Johnson von der MIT’s Sloan School of Management und Charles W. Calomiris von der Columbia Business School.

5. Warum ist Lateinamerika so schnell gewachsen?
(http://blog.tagesanzeiger.ch, Tobias Straumann)
Brasilien hat sich längst als wirtschaftliche Großmacht etabliert und wird oft mit China in einem Atemzug genannt. Doch der Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann macht auf einen großen Unterschied zu Asien aufmerksam: Der Aufschwung entstand hauptsächlich durch eine größere Anzahl an Arbeitskräften. Die Produktivitätszuwächse in Brasilien sind eher gering – der Boom könnte deswegen schnell vorbei sein.

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Der Fall Reinhart-Rogoff – oder wie sehr wir Wirtschaftswissenschaftlern noch trauen können http://blog.insm.de/7540-der-fall-reinhart-rogoff-oder-wie-sehr-wir-wirtschaftswissenschaftlern-noch-trauen-konnen/ http://blog.insm.de/7540-der-fall-reinhart-rogoff-oder-wie-sehr-wir-wirtschaftswissenschaftlern-noch-trauen-konnen/#comments Tue, 21 May 2013 15:03:18 +0000 Jost Bergschneider http://blog.insm.de/?p=7540 weiterlesen]]> Im Jahr 2010 veröffentlichten die Wirtschaftswissenschaftler Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff eine Studie zur Rolle von Staatsschulden auf das Wirtschaftswachstum. Kernergebnis der Studie ist, dass besonders Länder mit einer Schuldenquote ab 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) dafür mit weniger Wirtschaftswachstum bezahlen. Andere Forscher haben nachgerechnet und stellen diese Ergebnisse nun in Frage. Dabei berufen Sie sich auf methodische Fehler, auf die Reinhart und Rogoff in einer Stellungnahme eingehen. Wie steht es tatsächlich um das Ergebnis der Studie und wie viel Vertrauen kann man wirtschaftswissenschaftlichen Studien noch entgegen bringen?


Die Hypothese ist bestechend einfach: Staatsschulden sind nicht nur als solche schädlich für das Wirtschaftswachstum, sondern insbesondere, wenn der Anteil von Staatsschulden am BIP die 90 Prozent Marke übersteigt. Die von Reinhart und Rogoff vorgelegte Studie schien das zu beweisen. So assoziierte das Papier Länder mit einer Staatsschuld in Höhe von über 90 Prozent des Bruttoinlandsproduktes mit einem durchschnittlich leicht negativen Wirtschaftswachstum von -0,1 Prozent.

Dabei sprechen Reinhart und Rogoff zu keinem Zeitpunkt davon, dass es sich bei ihren Ergebnissen um kausale Zusammenhänge handelt. Insbesondere nach Finanzkrisen klettern Schuldenquoten oft auf Rekordniveau, das bis heute keine gültigen Aussagen über die Kausalität von Schulden auf Wirtschaftswachstum zulässt.

Im Kontext der globalen Finanzkrise gewann der Gedanke, dass Staatsschulden besonders ab einer Grenze von 90 Prozent des BIP mit niedrigem Wirtschaftswachstum einhergehen, schnell an Fahrt. Eine von Starökonomen gelieferte empirische Darlegung des Phänomens schien keine Fragen offen zu lassen.

Zumindest bis Thomas Herndon, ein 28 Jahre alter Doktorand der University of Massachusetts, die Routineaufgabe erhielt, eine Studie seiner Wahl zu replizieren. Als Herndon die Daten von Reinhart und Rogoff erhielt, traute er zunächst seinen Augen nicht, denn die Studie schien in vielen Bereichen fehlerhaft.

  • Erstens, durch selektiven Ausschluss von Daten. Obwohl Reinhart und Rogoff Datenmaterial über 110 Jahre vorlagen, in denen Länder die 90 Prozent Marke knackten, flossen laut Herndon nur 96 Jahre in die Studie ein. Die verzerrten den Effekt der Staatsverschuldung auf das Wirtschaftswachstum und machten ihn stärker.
  • Zweitens, durch eine unkonventionelle Gewichtung des durchschnittlichen Wirtschaftswachstums. So wurde etwa die auf 19 Jahren mit einer Schuldenquote von über 90 Prozent basierende durchschnittliche Wachstumsrate Großbritanniens mit der Neuseelands gleichgesetzt, das sich bisher nur in einem Jahr eine Quote über 90 Prozent erlaubt hat.
  • Drittens: Ein Codierungsfehler in Excel schließt gleich fünf Länder komplett von der Analyse aus; dabei fällt besonders Belgien ins Gewicht, das in insgesamt 26 Jahren eine Schuldenquote von über 90 Prozent aufwies. Auch hier fand eine verzerrende Verstärkung des Effektes statt.

Herndon veröffentlichte diese Einwände und konstatiert, dass sich die 90-Prozent-Grenze, ab der eine Schuldenquote mit niedrigem Wirtschaftswachstum assoziiert ist, mit den nachgerechneten Daten nicht mehr nachweisen lässt. Das durchschnittliche Wirtschaftswachstum der Länder mit einer solchen Schuldenquote sei nicht um 0,1 Prozent rückläufig, sondern läge stabil auf einem Niveau von etwa 2,2 Prozent Wachstum.

Doch Reinhart und Rogoff setzen sich zur Wehr und antworten auf die Kritik wie folgt:

  • Der selektive Ausschluss sei auf ihre Bemühungen zurückzuführen, statistische Ausreißer mit besonders hohen Schuldenquoten in ihrem Ergebnis zu berücksichtigen. Gerade für eine Studie, die auf einen Datensatz voller Kriege und Wirtschaftskrisen zurückgreift sei es wichtig, sich gegen den Einfluss ungewöhnlich niedriger oder hoher Schuldenquoten zu wappnen.
  • Sie gestehen ernüchtert den Methodikfehler ein, lassen aber kein gutes Haar am Vorwurf der unkonventionellen Gewichtung. Fachliche Unterstützung holen Sie sich von einem renommierten Experten in der Statistik.

Wie steht es also um das Ergebnis der Studie? Glaubt man Reinhart und Rogoff, bleibt der besonders starke Effekt einer Schuldenquote ab 90 Prozent auch nach Korrektur aller Fehler bestehen. Ein Ergebnis, das seit Veröffentlichung der Studie bereits von mehreren unabhängigen Organisationen bestätigt wurde. So bleiben selbst Länder mit einer Schuldenquote über 90 Prozent und positivem Wirtschaftswachstums weit hinter den Wachstumsraten weniger verschuldeter Länder zurück.

Bleibt die Frage nach den Auswirkungen wirtschaftswissenschaftlicher Studien. Sollten wir ihnen bei so viel Konfliktpotenzial und Einfluss auf die Weltpolitik überhaupt noch Glauben schenken?

Ja, denn die Causa Reinhart-Rogoff beweist, dass der Wissenschaftsprozess funktioniert und Fehler nicht nur menschlich sind, sondern auch entdeckt werden. Mit anderen Worten: Wir sollten uns nicht vor dem Effekt fürchten, den eine leicht fehlerhafte Studie auf die Politik hat, sondern vor einer Welt in der die Zusammenhänge zwischen Schuldenquote und Wirtschaftswachstum unerforscht und undiskutiert bleiben. Nur so kann der Alternative von willkürlicher Wirtschaftspolitik ohne wissenschaftliche Basis Vorschub geleistet werden.

Gut möglich, dass in Zukunft auch die negative Beziehung von Staatsschulden und Wirtschaftswachstum in Frage gestellt wird. Nach derzeitigem wissenschaftlichem Stand gilt jedoch nach wie vor die Faustregel: Mehr Schulden bedeuten weniger Wachstum.

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5 vor 10: Globalisierung, Geldpolitik, Ungleichheit, Altruismus, Songcontest http://blog.insm.de/7530-5-vor-10-globalisierung-geldpolitik-ungleichheit-altruismus-songcontest/ http://blog.insm.de/7530-5-vor-10-globalisierung-geldpolitik-ungleichheit-altruismus-songcontest/#comments Tue, 21 May 2013 07:55:39 +0000 INSM Redaktion http://blog.insm.de/?p=7530 weiterlesen]]> Heute in den Linktipps: Die Globalisierung hilft den Armen – weltweit gelingt mehreren hundert Millionen Menschen der Aufstieg in die Mittelschicht. Weitere Themen: Wie Notenbanker die Märkte mit Worten beeinflussen, wie Spenden besonders effektiv sein können und was Ungleichheit und Wirtschaftswachstum miteinander zu tun haben. Außerdem: eine ökonomische Erklärung für das deutsche Debakel beim Songcontest.


1. Das Globalisierungswunder
(handelsblatt.com, Wolfram Weimer)
Mehr als 35 Millionen Brasilianer haben in den vergangenen zehn Jahren den Weg aus der Armut in die Mittelschicht geschafft. Nicht nur in dem rasant wachsenden Schwellenland zeigt sich: Die Globalisierung bringt den Ärmsten der Armen neue Chancen auf Wohlstand und gesellschaftlichen Aufstieg. “Je mehr sich einzelne Länder der Globalisierung und der Marktwirtschaft öffnen, desto schneller gelingt ihnen sogar der Aufstieg aus der Armut”, schreibt Wolfram Weimer. “Es wird also Zeit, dass das linke Europa umdenkt und den Wohlfahrtsgewinn von Handel, Wettbewerb und offenen Märkten erkennt.”

2. Geldpolitik mit dem Mundwerk
(blogs.faz.net, Patrick Welter)
Ihr wichtigstes Instrument nützt den Notenbankern derzeit kaum noch etwas: Weltweit befinden sich die Leitzinsen der großen Zentralbanken nahe der Nullgrenze – eine weitere Senkung ist daher kaum noch möglich, um der Wirtschaft zusätzliche Impulse zu geben. Die Chefs der Notenbanken entdecken daher ein anderes Mittel für sich: Mit ihren Worten versuchen sie, die Märkte zu beeinflussen. Vor allem EZB-Chef Mario Draghi ist sich der Macht der Sprache sehr bewusst.

3. Hilft Ungleichheit dem Wirtschaftswachstum – oder schadet sie eher?
(blog.reuters.com, Chrystia Freeland, englisch)
Die Schere zwischen Niedrig- und Topverdienern klafft in vielen Industriestaaten immer weiter auseinander. Welche Auswirkung hat die Ungleichheit auf das Wirtschaftswachstum? Eine lange Zeit kaum bestrittene Sichtweise lautet: Wenn besonders hohe Leistung auch besonders gut bezahlt wird, sind die Anreize, sich anzustrengen am höchsten. Ungleiche Einkommen helfen dadurch einer Wirtschaft, sich schnell weiterzuentwickeln. Mittlerweile vertreten immer mehr Ökonomen jedoch die Ansicht, dass zu große Ungleichheit auch schädlich sein kann: Vor allem, wenn dadurch der Konsum der Mittelschicht zurückgeht.

4. Das Prinzip des effektiven Altruismus
(ted.com, Peter Singer, Video, englisch)
Einen Blinden mit einem Blindenhund zu versorgen ist eine gute Sache. Aber ist die Hilfe auch effektiv? Rund 40.000 US-Dollar kostet die Ausbildung des Hundes. Mit diesem Geld könnte man zwischen 500 und 2.000 Menschen, die in Entwicklungsländern an grauem Star erblindet sind, mit Hilfe einer Operation das Augenlicht wieder zurückgeben. Die gleiche Spendensumme hätte also eine viel größere Wirkung, wie Peter Singer in seinem Vortrag über effektiven Altruismus darlegt.

5. Eine ökonomische Analyse des Songcontest-Debakels
(edgeworthblogs.wordpress.com, Justus Haucap)
Nicht nur die Boulevardpresse beschäftigt sich mit dem schlechten Abschneiden der deutschen Künstlerin Cascada beim Eurovision Songcontest. Auch Wirtschaftswissenschaftler beschäftigen sich mit der Frage, ob Platz 21 am Auftritt lag oder viel mehr daran, dass Deutschland mit seiner strikten Haltung in der Eurokrise Sympathien verspielt hat. Justus Haucap wertet dazu ökonomische Publikationen aus, die das Abstimmungsverhalten bei dem Gesangswettbewerb analysieren. Eine neue Studie zeigt, dass sich während der Krise einiges verändert hat: Zumindest was den Musikgeschmack angeht, ist die Spaltung Europas größer geworden.

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5 vor 10: Aufstocker, Schiffscontainer, Amazon, SPD, China http://blog.insm.de/7520-5-vor-10-aufstocker-schiffscontainer-amazon-spd-china/ http://blog.insm.de/7520-5-vor-10-aufstocker-schiffscontainer-amazon-spd-china/#comments Fri, 17 May 2013 07:55:12 +0000 INSM Redaktion http://blog.insm.de/?p=7520 weiterlesen]]> Ist Aufstocken wirklich eine Beihilfe zum Lohn-Dumping? Könnte die Macht von Amazon auf dem Büchermarkt problematisch werden? Was ist das Geheimnis von Chinas Wachstumsmodell? Antworten auf diese Fragen heute in den Linktipps und außerdem: Wie Schiffscontainer die Globalisierung erst richtig möglich gemacht haben und warum die SPD im Wahlkampf nicht so recht vom Fleck kommt.


1. Wer wird hier wirklich ausgebeutet?
(zeit.de, Kolja Rudzio)
Kaum eine staatliche Leistung wird so kritisch beäugt wie das sogenannte Aufstocken: Wenn der Lohn nicht zum Leben reicht, bekommen Arbeitnehmer zusätzlich Hartz IV, um so über die Runden zu kommen. In der öffentlichen Debatte gilt das als Einfallstor für Lohndumping, das nur möglich sei, weil der Staat niedrige Gehälter subventioniere. Kolja Rudzio hat sich den Alltag von Aufstockern genauer angesehen – und kommt zu dem Ergebnis, dass die Maßnahme deutlich besser ist als ihr Ruf.

2. Der hohe Wert der Container
(economist.com, englisch)
Die Globalisierung, wie wir sie heute kennen, wäre ohne diese Metallbox kaum denkbar: Schiffscontainer haben nicht nur eine praktische einheitliche Größe, sie lassen sich auch leicht vom Dock auf das Schiff verladen und sparen so nicht nur jede Menge Zeit, sondern auch viel Geld. Ihre Einführung hat den globalen Warenverkehr deshalb kräftig vorangebracht. Eine neue Studie zeigt: Die Container waren sogar deutlich wichtiger für den Welthandel als internationale Freihandelsabkommen.

3. Spielt Amazon Monopoly?
(sueddeutsche.de, Jannis Brühl)
Wer online Bücher kauft, macht das mit großer Wahrscheinlichkeit auf den Internetseiten von Amazon. 75 Prozent der Umsätze, die hierzulande im Netz mit Büchern gemacht werden, gehen auf das Konto des Versandriesen aus den USA. Hat Amazon durch diese Größe eine marktbeherrschende Stellung und ist nun Monopolist? Jannis Brühl geht der Frage auf den Grund, in welchen Fällen die Marktmacht des Konzerns problematisch sein könnte.

4. Flattern auf der Stelle
(blog.wiwo.de, Roland Tichy)
Die SPD feiert dieser Tage ihr 150-jähriges Bestehen und blickt gleichzeitig auf einen bislang erfolglosen Wahlkampf, in dem Spitzenkandidat Peer Steinbrück nicht so recht Tritt fassen kann. Für Roland Tichy ist die SPD selbst Schuld an ihrer Misere. Statt sich an ihre Vergangenheit als Partei der Modernisierung und Industrialisierung zu erinnern, traue sich die SPD heute nicht einmal mehr gegen die vermurkste Energiewende der Kanzlerin zu opponieren. “Weil sie ihre Herkunft aus der Industriegesellschaft leugnet, kann die SPD Themen der sozialen Gerechtigkeit nicht mehr glaubwürdig setzen”, schreibt Tichy.

5. Warum Chinas Wachstumsmodell so erfolgreich ist
(project-syndicate.org, Heleen Mees, englisch)
Fast 200 Millionen Chinesen sind in den vergangenen zehn Jahren vom Land in die Städte gezogen. Die Metropolen Chinas vergrößern sich rasend schnell: Bis 2023 sollen 70 Prozent der Chinesen in Städten leben. Die Urbanisierung geht im Reich der Mitte einher mit erheblichen staatlichen Investitionen in die Infrastruktur. Das zieht Industrieunternehmen aus aller Welt an – und sorgt für konstant hohe Wachstumsraten.

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5 vor 10: Wachstum, Amazon, Fracking, Altersvorsorge, Zuwanderung http://blog.insm.de/7511-5-vor-10-wachstum-amazon-fracking-altersvorsorge-zuwanderung/ http://blog.insm.de/7511-5-vor-10-wachstum-amazon-fracking-altersvorsorge-zuwanderung/#comments Thu, 16 May 2013 07:55:33 +0000 INSM Redaktion http://blog.insm.de/?p=7511 weiterlesen]]> Das deutsche Bruttoinlandsprodukt wächst trotz Krise. Steht die heimische Wirtschaft aber wirklich so viel besser da, als die französische, die mitten in der Rezession steckt? Darum geht es heute in den Linktipps. Weitere Themen: Was der Arbeitskampf bei Amazon für die Zukunft des Online-Handels bedeutet, warum die Union beim Thema Fracking kalte Füße bekommt und wie private Altersvorsorge deutlich attraktiver werden könnte.


1. Kleine Unterschiede, große Schlagzeilen
(breakingviews.com, Edward Hades)
Frankreichs Wirtschaft steckt in der Rezession, in Deutschland geht es weiter aufwärts: So lauteten die Nachrichten, die nach der gestrigen Veröffentlichung der europäischen BIP-Daten die Runde machten. Reuters-Redakteur Edward Hades warnt jedoch davor, die Meldungen zu ernst zu nehmen. Schließlich liege nur wenig zwischen dem schwachen Wachstum in Deutschland mit 0,1 Prozent und dem französischen Minus von 0,2 Prozent. Die Fixierung auf das Bruttoinlandsprodukt berge aus seiner Sicht die Gefahr unbedachter politischer Reaktionen.

2. Amazon-Streik: Wegweiser für die Zukunft des Online-Handels?
(handelsblatt.com, Jessica Springfeld, Video)
Amazon wurde oft als das größte Internetkaufhaus der Welt beschrieben. Aber ist das Geschäftsmodell des US-Konzerns wirklich vergleichbar mit klassischem Einzelhandel? Um diese Frage geht es im aktuellen Arbeitskampf in dem Unternehmen. Beschäftigte fordern, nach dem Tarifvertrag für Einzelhändler entlohnt zu werden, Amazon argumentiert: Das Unternehmen sei vielmehr Logistik-Dienstleister – und deshalb auch nur an den Logistik-Tarifvertrag gebunden. Welche Sicht sich durchsetzt, könnte für die E-Commerce-Branche von großer Bedeutung sein: “Man sollte die Verhandlungen genau beobachten”, sagt Jessica Springfeld. “Sie dürften richtungsweisend sein.”

3. Schwarze Umweltpartei
(faz.net, Heike Göbel)
Bei der gestrigen Kabinettssitzung der Bundesregierung fehlte ein Tagesordnungspunkt: Eigentlich wollte die Koalition ein Gesetz auf den Weg bringen, das sogenanntes Fracking – also die Förderung von Öl und Gas aus tiefen Gesteinsschichten – regelt. Die Regierung hätte damit einen Beweis dafür liefern könnten, “dass sie sich einen Rest Fortschrittsglauben und Wirtschaftsfreundlichkeit bewahrt hat”, schreibt Heike Göbel. In letzter Minute wurde das Vorhaben jedoch aus dem Kabinett verbannt: “Die Union hat kalte Füße bekommen.”

4. Deutsche Sparer sind im Hintertreffen
(irefeurope.org, Alexander Fink)
Die Rente ist sicher, aber sie ist nicht genug: Um die Deutschen dazu zu bringen, mehr für die eigene Altersversorgung zu sparen, wurden in den vergangenen Jahren Instrumente wie die Riester- und die Rürup-Rente eingeführt. Doch beide Modelle zur privaten Vorsorge sind höchst unflexibel, meint Alexander Fink. Die Folge: Viele Arbeitnehmer schrecken davor zurück. Ein Blick in die USA zeigt, wie das Sparen attraktiver werden könnte.

5. Zuwanderung – zehn Denkfallen
(oekonomenstimme.org, Reiner Eichenberger)
Angesichts des Fachkräftemangels hat Bundeskanzlerin Angela Merkel diese Woche für mehr Zuwanderung plädiert. Auch die Schweizer Wirtschaft leidet unter vielen offen Stellen und setzt daher auf Fachkräfte aus dem Ausland. Wirtschaftsprofessor Reiner Eichenberger ist skeptisch, ob das dem Land tatsächlich nutzt: “Für die bisherigen Einwohner der Schweiz ist die Zuwanderung aufgrund der Personenfreizügigkeit weit weniger vorteilhaft, als es unsere Regierung bisher behauptet hat”, schreibt er. “Aber sie ist auch viel weniger schädlich, als es zuweilen befürchtet wird.”

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5 vor 10: EU-Vermögensvergleich, Roboter, Eurokrise, Ungleichheit, Münzen http://blog.insm.de/7497-5-vor-10-eu-vermogensvergleich-roboter-eurokrise-ungleichheit-munzen/ http://blog.insm.de/7497-5-vor-10-eu-vermogensvergleich-roboter-eurokrise-ungleichheit-munzen/#comments Wed, 15 May 2013 07:55:49 +0000 INSM Redaktion http://blog.insm.de/?p=7497 weiterlesen]]> Heute in den Linktipps: Ein Top-Ökonom untersucht die umstrittene Studie der EZB zur Vermögensverteilung in Europa und ein Blogger erklärt, warum wir bald von Robotern ersetzt werden könnten. Außerdem: Trotz steigender Aktienkurse ist die Krise noch längst nicht überwunden, Ungleichheit ist Gift für Entwicklungsländer und den Ein- und Zwei-Cent-Münzen droht der Tod.


1. Sind die die Deutschen wirklich ärmer als die Spanier?
(voxeu.org, Paul De Grauwe, Yuemei Ji, englisch)
Vor einigen Wochen sorgte eine Studie der EZB für Aufregung: Die Deutschen gehören laut der Zentralbank zu den Ärmsten in Europa. Der renommierte Ökonom Paul de Grauwe hat sich die Daten jetzt noch einmal angeschaut. Er kommt zu dem Schluss, dass die Deutschen keineswegs arm sind – allerdings konzentriere sich der Reichtum auf vergleichsweise wenig Haushalte. Außerdem sei ein Großteil des Kapitals entweder in der Hand von Firmen oder des Staates.

2. “Herr Roboter, bitte feuern Sie mich nicht”
(motherjones.com, Kevin Drum, englisch)
Die künstliche Intelligenz wird immer schlauer – und wird viele menschliche Arbeitskräfte überflüssig machen. Der Blogger Kevin Drum glaubt, dass wir bereits jetzt die ersten Auswirkungen spüren: Die mechanische Konkurrenz drücke die Löhne und werde sie zukünftig noch stärker drücken. Gesellschaften sollten sich deswegen Gedanken darüber machen, wie sie soziale Ungleichheit bekämpfen wollen. Eine Idee: Jedem Bürger könnten ein paar Roboter zur Verfügung gestellt werden.

3. Die chronische Phase
(blog.tagesanzeiger.ch, Markus Diem Meier)
Die Aktienkurse in Europa steigen – auch im kriselnden Süden. Dabei gibt es laut Markus Diem Meier eigentlich kaum Grund zum Aufatmen. Denn die strukturellen Defizite der Eurozone sind nicht gelöst und der Süden Europas ist noch längst nicht wettbewerbsfähig. Die EU habe keinen Weg gefunden, wie sie die Schwächen ihres suboptimalen Währungsraumes ausbügelt. Die Arbeitslosigkeit werde weiter hoch bleiben, die Konjunktur schwächeln. Die Krise erreiche jetzt ihre chronische Phase, schreibt Meier.

4. Ungleichheit und Wachstum
(wirtschaftlichefreiheit.de, Klaus Gründler)
Beschleunigt Ungleichheit das Wachstum oder bremst sie die Wirtschaft aus? Kommt drauf an, schreibt der Ökonom Klaus Gründler von der Uni Würzburg. In armen Ländern behindere eine ungleiche Verteilung das Wachstum. Gründe hierfür seien beispielsweise politische Unruhen und mangelnde Bildungschancen. Bei reicheren Ländern sei dieser Zusammenhang jedoch nicht mehr festzustellen.

5. EU-Kommission stellt Cent-Münzen in Frage
(faz.net, dpa)
Das Ende der Ein- und Zwei-Cent-Münzen könnte bevorstehen. Seit ihrer Einführung hat die Kommission rund 1,2 Milliarden Euro für die Produktion ausgegeben; die Prägung einer Münze ist sogar teurer als ihr eigentlicher Wert. Jetzt soll billigeres Material verwendet werden – oder man will sich komplett von den Münzen verabschieden.

Gute Kommentare, interessante Hintergründe – jeden Morgen um 5 vor 10 Uhr präsentieren wir auf dem INSM-Blog fünf ausgewählte Links zu interessanten Ökonomie-Blogs und Wirtschaftsseiten.

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5 vor 10: Ökonomiekritik, Notenbanken, Bitcoin, Ernährung, Asien http://blog.insm.de/7485-5-vor-10-okonomiekritik-notenbanken-bitcoin-ernahrung-asien/ http://blog.insm.de/7485-5-vor-10-okonomiekritik-notenbanken-bitcoin-ernahrung-asien/#comments Tue, 14 May 2013 07:55:21 +0000 INSM Redaktion http://blog.insm.de/?p=7485 weiterlesen]]> Heute in den Linktipps: Ein tschechischer Ökonom plädiert für die Humanisierung der Wirtschaftswissenschaften, der Herdentrieb-Blog für die Entmachtung der Bundesbanken und die Welternährungsorganisation möchte, dass mehr Insekten gegessen werden. Zudem geht es heute um den Freihandel in Asien und den wahren Wert des Bitcoins.


1. Interview: “Wir haben die Wirtschaft zum Fetisch gemacht”
(presseurop.eu)
Die Wirtschaftswissenschaften seien stolz darauf, so kompliziert wie irgend möglich zu sein. Dabei hülfen ihnen Denkansätze aus der Philosophie, aus der Kunst und der Religion weiter, sagt Tomáš Sedláček. Er gelte als einer der begabtesten Ökonomen seiner Generation, schreibt Presseurop. Der 36-Jährige Tscheche findet, dass in der heutigen Zeit Wachstum und Fortschritt zu einem Fetisch geworden seien – das sei gefährlich. Sedláček verfolgt zweifelsohne einen kreativen Ansatz, vergleicht er die Eurokrise doch mit dem “Herrn der Ringe”.

2. Entmachtet die Bundesbank!
(blog.zeit.de/herdentrieb, Robert von Heusinger)
Die Idee vom Euro sei nicht konsequent umgesetzt worden, schreibt Robert von Heusinger. Andernfalls hätte man die nationalen Notenbanken abschaffen müssen. Es hätte – ganz nach Vorbild der USA – eine Einteilung über Ländergrenzen hinweg in Notenbankdistrike geben müssen. So könnte die EZB unabhänger agieren. Außerdem sei das Bankensystem der Staaten und ihre jeweilige Staatsschuld unabhängiger von einander – ein Vorteil.

3. Was ist der Bitcoin wert?
(thebigquestions.com, Steve Landsburg, englisch)
Auf und ab – der Kurs der virtuellen Währung Bitcoin unterliegt starken Schwankungen. Steve Landsburg möchte in seinem Blogpost herausfinden, was der Bitcoin wirklich Wert ist. Dazu benutzt er die Formel zur Berechnung, die die Geldmenge, die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und die Nachfrage nach Geld berücksichtigt. Allerdings kommen in der Gleichung auch noch zwei Unbekannte vor.

4. Fünf Gründe, wieso wir alle Insekten essen sollten
(qz.com, Lauren Alix Brown, englisch)
Tiere mit mehr als vier Beinen zu essen, das finden die meisten Leute in unseren Breitengraden abstoßend. Anders sieht das in Asien und Afrika aus – hier gilt der knusprige, eiweißreiche Snack als Delikatesse. Die Welternährungsorganisation möchte nun, dass alle Leute mehr davon essen. Bis 2050 muss die produzierte Menge an Nahrungsmitteln verdoppelt werden, ohne Insekten sei das kaum zu stemmen. Der Quartz-Blog hat aufgeschrieben, wieso das eine gute Idee ist. Zum Beispiel, weil Insekten weniger Treibhausgase erzeugten, sie zu füttern billiger und sie gesünder als Fleisch seien. Außerdem: Es gibt sie überall.

5. Kann der Freihandel die “Werkbank Asien” voranbringen?
(voxeu.org, Jayant Menon, englisch)
Freier Handel hat in Asien seit den achtziger Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Jayant Menon, Ökonom der Asiatischen Entwicklungsbank ADB, hat die Handelsströme in der Region untersucht und festgestellt: Meist sind die Länder noch auf Zulieferungen aus anderen Teilen der Welt angewiesen. Die bisherigen Freihandelszonen seien sehr kleinteilig gewesen und hätten daher keine nennenswerten positiven Effekte auf die Wirtschaft gehabt. Ein zollfreier Handel im großen räumlichen Stil allerdings könnte das ändern.

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Warum die Währung Bitcoin scheitern wird – und warum das nicht schlimm ist http://blog.insm.de/7471-warum-die-wahrung-bitcoin-scheitern-wird-und-warum-das-nicht-schlimm-ist/ http://blog.insm.de/7471-warum-die-wahrung-bitcoin-scheitern-wird-und-warum-das-nicht-schlimm-ist/#comments Mon, 13 May 2013 15:14:53 +0000 Daniel Fallenstein http://blog.insm.de/?p=7471 weiterlesen]]> Bitcoin stiegBitcoin fiel und alle schauten hin. Die digitale Währung hat es in den letzten Wochen endgültig in die Medien geschafft. Doch was ist dieses Krypto-Geld, abgesehen von einer interessanten Spielerei für währungstheoretisch interessierte Hacker?


Zunächst eine Bemerkung zur Technik. Bitcoins faszinieren kryptographisch und geldtheoretisch Interessierte gleichermaßen. Der Grund ist das Verfahren, über das sie erzeugt werden. Es unterscheidet sich grundlegend vom so genannten Knopfdruck, mit dem Zentral- und Geschäftsbanken Giralgeld aus der Luft greifen.

Um Bitcoins auszugeben, muss man seinen Computer hochkomplexe mathematische Rätselaufgaben lösen lassen, deren Ergebnis nicht vorhersehbar ist. Die Lösung muss bestimmte vorgegebene Bedingungen erfüllen, damit das Netzwerk der Bitcoin-Nutzer den Erzeuger anerkennt. Dann kann er seine neu erzeugten Münzen in Umlauf bringen (oder aufbewahren). Die Transaktionen zwischen Nutzern der Währung werden in einem verwandten Prozess durch die Knoten des Netzwerks bestätigt. Die Gesamtheit der erzeugten Bitcoins und ihrer Transaktionsgeschichte ist in der “Blockchain” öffentlich nachvollziehbar.

1. Bitcoin ist (inzwischen) echtes Geld

Geld soll, so die Definition, leicht aufzubewahren, zu teilen, zu transferieren und knapp sein. Bitcoin erfüllt diese Bedingungen. Eben weil es diese Eigenschaften erfüllt, wird es inzwischen weltweit von vielen Menschen als Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel akzeptiert. Damit rückte es auch in den Fokus der Zentralbanken, die sich im vergangenen Monat schließlich für zuständig erklärten. Erklärtermaßen, um möglicher Geldwäsche vorzubeugen. Doch auch die offene Kampfansage der Bitcoin-Community an das Zentralbankwesen als solches dürfte den EZB- und FED-Strategen nicht entgangen sein. Den Entwicklern und vielen Nutzern ist die Zentralverwaltungswirtschaft im Geldwesen so suspekt, wie Obrigkeit im Allgemeinen.

2. Bitcoin ist digitales Gold

Der ursprüngliche Entwickler der Bitcoins, Satoshi Nakamoto, konzipierte sie nach dem Vorbild des Goldes. Die Charakteristika des Edelmetalls sind im Digitalgeld so gut wie möglich abgebildet. Gewiss läßt sich manche Eigenschaft nicht abbilden, aber die Ähnlichkeit ist beabsichtigt und sie funktioniert.

Damit Bitcoins überhaupt zirkulieren können, müssen sie erst durch ein aufwendiges
kryptographisches Verfahren “geschürft” werden. Passenderweise heißt der Vorgang “Mining“. Jedes Teilstück der Gesamtmenge ist immer nur einem “Wallet” zugeordnet, so wie ein Goldstück sich immer nur an einem Ort befinden kann. Außerdem können Bitcoins unter den richtigen Bedingungen transferiert werden, ohne, dass die Privatsphäre beeinträchtigt wird.

In einem Apekt sind sie dem Gold sogar überlegen. Während rein theoretisch beliebig viel Gold durch technische Verfahren auf molekularer Ebene hergestellt werden könnte, ist die Mathematik unerbittlich. Die Menge der bitcointauglichen Zahlen ist unverrückbar begrenzt.

3. Bitcoin ist politisch

Satoshi Nakamoto wusste, was er tat. Ein Geld dessen Menge vom “Mining” durch seine Nutzer abhängt, ist nicht nach dem Gusto der Notenbank veränderbar. Ja, es ist nicht mal theoretisch für die Inflationsbegehrlichkeiten der “nachfrageorientierten” Politiker zu gewinnen. Damit ist es ein sicherer Hafen für jene, die eine Sphäre der monetären Selbstbestimmung suchen. Zumindest vorübergehend. Schon Ende 2008 postulierte er den Anspruch, mit Bitcoin einen vorübergehenden Freiraum gegen Regierungswillkür zu schaffen:

Wir können einen wichtige Schlacht im Wettrüsten gewinnen
und für einige Jahre einen neuen Raum der Freiheit
gewinnen.

Gut möglich, dass das Zeitfenster sich bereits wieder dem Ende zuneigt. Bitcoin steht schon seit Monaten im Visier der Behörden, die sich zuständig wähnen.

4. Bitcoin ist nicht einfach anonym

Ein Vorurteil ist weit verbreitet bei Freunden und Feinden des digitalen Geldes. Kaum eine Beschreibung kommt ohne den Hinweis aus, dass Bitcoin Anonymität ermögliche. Das ist falsch. Die Nutzer sind pseudonym. Jeder Knoten des Netzwerks ist unter seiner BTC-Adresse bekannt und trägt damit einen Namen, ein Pseudonym. Wo Behörden die BTC-Adresse mit weiteren Daten verknüpfen können, ist es vorbei mit der Pseudonymität. Von Anonymität ganz zu zu schweigen.

Wer also glaubt, durch Bitcoins allein finanziell unsichtbar zu werden, sollte sich zunächst mit den Aspekten echter Privatsphäre im Internet auseinandersetzen.

5. Bitcoin wird vermutlich scheitern

Die Fans setzen große Hoffnungen in die Technologie. Doch längst nicht alles deutet darauf hin, dass sich die Währung flächendeckend durchsetzt. Da ist zunächst das systemische Misstrauen staatlicher Stellen gegen Technologien, die den Raum bürgerlicher Freiheiten vergrößern. Die Unterstellung kursiert bereits, Bitcoin finanziere Terrorismus und organisierte Kriminalität. Doch nicht nur eine ausgeweitete Überwachung gefährdet die Währung. Im Gebrauch offenbaren sich immer wieder Konstruktionsfehler, die bei der Planung des Projekts unvorhersehbar waren. Gerade in Krisensituationen, wenn es auf die Verfügbarkeit von Bargeld ankommt, wird Bitcoin nutzlos, sobald Strom- oder Datenleitungen gekappt werden.

Die Transaktionen dauern vergleichsweise lang. Sie gelten erst als bestätigt, wenn die “Blockchain” ungefähr alle zehn Minuten durch einen neuen Block ergänzt wird. Je populärer Bitcoin wird, desto unbedarfter sind die durchschnittlichen Nutzer. Sie fallen leichter Betrügern zum Opfer, als die versierten “early adopter”. Mit all diesen Stolpersteinen ist es durchaus denkbar, dass Bitcoin scheitern wird.

6. Bitcoin ist ein Leuchtturm

Nüchtern betrachtet sind die Risiken und Nebenwirkungen von Bitcoin dennoch erstaunlich gering. Die Spezifikation ist wohl durchdacht. Es mag schon sein, dass die unvorhersehbaren Probleme Bitcoin letztendlich scheitern lassen, wie manche unken. Verschiedene Projekte existieren bereits, die sich vornehmen, die einzelnen Fehler Bitcoins auszumerzen; sei es durch Erweiterung, sei es durch komplett neue Spezifikationen.

Doch der eigentliche Verdienst Nakamotos ist es nicht, die Antwort auf alle Währungsfragen gegeben zu haben. Seine durchaus imperfekte Antwort eröffnet einen viel größeren Horizont, nämlich die Idee, dass Individuen in Eigenverantwortung und ohne Staat Geld erzeugen können. Die Konkurrenz neuer Währungsmodelle zum staatlich sanktionierten Zahlungsmittel hat das Potential, die Zentralbanken einem disziplinierenden Konkurrenzdruck zu unterwerfen, den Friedrich August von Hayek in der “Entnationalisierung des Geldes” forderte. Das scheint bitter nötig in Zeiten, in denen die Zentralbanken außer Geldmengenausweitungen nichts mehr kennen.

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