INSM Blog http://blog.insm.de Ökonomie verstehen Tue, 30 Sep 2014 07:55:32 +0000 de-DE hourly 1 5 vor 10: Zombies, Statussymbole, EZB, Bagel, Zigaretten http://blog.insm.de/10339-5-vor-10-zombies-statussymbole-ezb-bagel-zigaretten/ http://blog.insm.de/10339-5-vor-10-zombies-statussymbole-ezb-bagel-zigaretten/#comments Tue, 30 Sep 2014 07:55:32 +0000 INSM Redaktion http://blog.insm.de/?p=10339 weiterlesen]]> Wer damit rechnet, nicht mehr lange zu leben, wirtschaftet anders – wie, beschreiben wir heute in den Linktipps. Außerdem geht es um Statussymbole, staatliche Bad Banks, einheitliche Zigarettenverpackungen und welche deutsche Holding bald das amerikanische Frühstück beherrschen könnte.


1. Wirtschaftliche Isolation in The Walking Dead
(mises.org, Mark Tovey, englisch)
In der US-Serie “The Walking Dead” ist die Erde von Zombies bevölkert und eine kleine Gruppe Menschen kämpft ums Überleben. Mark Tovey hat sich Gedanken darüber gemacht, was das für die kleine Wirtschaft bedeutet. Die Menschen leben und handeln in Isolation. Außerdem ist ihre Zukunft extrem unsicher – wer weiß schon, wann der nächste Zombie um die Ecke kommt.

2. Bahncard statt Dienstwagen
(handelsblatt.com/meinung, Marianne Heiß)
Bloß mit einem hohen Gehalt ließen sich die Talente der jungen Generation nicht mehr locken, erklärt Marianne Heiß, Finanzchefin der Agentur BBDO Germany. Viel wichtiger sei eine angenehme Arbeitsatmosphäre und die Wertschätzung. Statt eines Dienstwagens reiche eine Bahncard 100. Wie können sich die Unternehmen auf die veränderten Bedürfnisse einstellen?

3. Die EZB mutiert zur Bad Bank
(wiwo.de, Hans-Werner Sinn)
Die Politik spiele nicht mit, deshalb müsse sich die Europäische Zentralbank selbst die Hände schmutzig machen, fordert Hans-Werner Sinn. Um die südeuropäischen Staaten fit für die Bankenunion zu machen, kaufe die Zentralbank den Banken nun einige toxische Papiere ab und werde dadurch selbst zur Bad Bank: “Mit den ABS-Käufen werden die absehbaren Abschreibungsverluste der Banken sozialisiert – und es werden Risiken von vielen Hunderten von Milliarden Euro von den Gläubigern dieser Banken auf die Steuerzahler in der Euro-Zone übertragen.”

4. Amerikanisches Frühstück unter deutscher Kontrolle
(qz.com, Max Nisen, englisch)
Die Reimann-Geschwister haben nicht nur einige Kaffeeunternehmen im Portfolio, sie wollen nun auch die größte amerikanische Bagel-Einzelhandelskette kaufen. Quartz beschreibt, wie dann die deutsche Jacobs Douwe Egberts Holding Company das amerikanische Frühstück unter ihre Kontrolle bringen könnte – und welche besonderen Merkmale die Investitionsstrategie der Holding aufweist.

5. Einheitszigaretten für Frankreich
(washingtonpost.com/blogs/wonkblog, Roberto A. Ferdman, englisch)
Die französische Gesundheitsministerin Marisol Touraine will eines der strengsten Anti-Tabak-Gesetze der Welt einführen. Für die Tabakkonzerne würde dies zum Beispiel bedeuten, dass sie ihre Zigaretten künftig in einheitlichen Verpackungen verkaufen müssten. Wieso? Weil es Studien gibt, die zeigen, dass die Konsumenten ein geringeres Verlangen nach Einheitsverpackungen haben. In Australien ist dies bereits umgesetzt, mit Erfolg. Lassen sich die Franzosen auf diese Weise tatsächlich ihr Frühstück – Espresso und Zigarette – abgewöhnen?

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5 vor 10: Krisen, Japan, Putin, Hongkong, Motivation http://blog.insm.de/10336-5-vor-10-krisen-japan-putin-hongkong-motivation/ http://blog.insm.de/10336-5-vor-10-krisen-japan-putin-hongkong-motivation/#comments Mon, 29 Sep 2014 07:55:07 +0000 INSM Redaktion http://blog.insm.de/?p=10336 weiterlesen]]> Wann werden Finanzkrisen eigentlich gefährlich? Wie gravierend ist das Problem der japanischen Währung tatsächlich? Leitet Wladimir Putin Russlands wirtschaftlichen Niedergang ein? Diese Fragen beschäftigen uns heute. Außerdem: Demokratie in Hongkong könnte sich lohnen. Und: So motivieren Sie Ihre Mitarbeiter.


1. Finanzkrisen: Eine kurze Einführung
(blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets, Tobias Straumann)
Es gebe zwei Gruppen von Finanzkrisen, die gefährlich werden könnten: Staatsschuldenkrisen und Bankenkrisen. Tobias Straumann erklärt bei Nevermindthemarkets, nach welcher Systematik diese Krisen funktionieren. Während Bankenkrisen von innen und von außen verursacht werden könnten, entstünden Staatsschuldenkrisen immer von außen. Nämlich dann, wenn ein Land ein großes Wachstumspotenzial aufweist und viele Anleger ihr Geld ins Land stecken. So kann ein Staat billig Schulden machen – bis die Stimmung bei den Anlegern umschlägt.

2. Der Japan-Mythos
(mises.org, Brendan Brown, englisch)
Die Geldentwertung ist in Japan allgegenwärtig: Jahrelang konnten sich die Verbraucher stetig mehr von ihrem Geld kaufen. Selbst der Wirtschaft habe dies – entgegen allen volkswirtschaftlichen Regeln – nicht geschadet. Nun muss sich allerdings was ändern: Die Demografie und die hohe Schuldenlast des Staates könnten der Wirtschaft sonst zu schaffen machen.

3. Russlands wirtschaftlicher Niedergang
(liberalesinstitut.wordpress.com, Detmar Doering)
Es waren offenbar falsche Hoffnungen, die die Wirtschaft in Russlands Präsident Wladimir Putin gesetzt hat. Von dort nämlich hieß es oft, Putin stehe für Stabilität – und deshalb sei er der richtige für den Posten des Staatsoberhauptes. Die “abenteuerliche Außenpolitik” treffe die Unternehmen nun hart. Auch die Rechtskultur und die Eigentumsrechte seien bedroht, das sei das Ergebnis eines aktuellen Papers (pdf) der Heritage Foundation, schreibt Detmar Doering. Doch könnte Putin das Ruder noch rumreißen?

4. Freiheitslabor Hongkong
(faz.net, Heike Göbel)
In der chinesischen Sonderwirtschaftszone Hongkong wird für demokratische Wahlen demonstriert. China aber hat der Forderung nach freien Wahlen im Jahr 2017 eine Absage erteilt. Heike Göbel erklärt in ihrem Kommentar in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wieso sich der Aufbau einer Demokratie für die Wirtschaft lohnen könnte. Schon alleine, weil der chinesische Staat Eigentum nicht achtet.

5. Mit kleinen Eingriffen zu zufriedenen und produktiven Mitarbeitenden
(fehradvice.com/blog)
Die Firmenphilosophie lasse sich nicht durch Vorträge über Werte und Tradition vermitteln, schreiben die Autoren von FehrAdvice. Vielmehr sollten Unternehmen das Arbeitsumfeld so verändern, dass die Mitarbeiter das Gefühl hätten, ihr bestes zu geben. Denn: “Wir alle haben die innere Motivation, das zu tun, was wir am besten können – und wir wollen Anerkennung dafür. Wird diese Motivation unterstützt, sind wir engagierter, produktiver und fühlen uns als Teil des Unternehmens.”

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Regionale Freihandelsabkommen zügig abschließen http://blog.insm.de/10327-regionale-freihandelsabkommen-zuegig-abschliessen/ http://blog.insm.de/10327-regionale-freihandelsabkommen-zuegig-abschliessen/#comments Fri, 26 Sep 2014 14:19:50 +0000 Dr. Susanne Cassel und Dr. Tobias Thomas http://blog.insm.de/?p=10327 weiterlesen]]> Freihandel ist ein umstrittenes Thema, trotz der großen Vorteile die er mit sich bringt. Die internationale Handelsintegration kann über große überregionale Abkommen wie TTIP und TPP neuen Schwung gewinnen, denn umfassende Abkommen wie die Doha-Runde stehen nicht vor einem Abschluss. Ein öffentlicher Diskurs zu Vor- und Nachteilen ist in jedem Falle notwendig.


Dieser Policy Brief entstand auf Grundlage des ECONWATCH-Meetings „Internationale Freihandelsabkommen – Weg zu mehr Wohlstand weltweit?“ mit Prof. Dr. Andreas Freytag (Friedrich-Schiller-Universität Jena) am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).

Internationaler Freihandel ermöglicht Spezialisierung und Arbeitsteilung und sorgt so für eine effizientere Allokation von Ressourcen. Er erhöht den Wettbewerb, so dass Unternehmen einen Anreiz haben, produktiver zu werden und sich stärker an den Wünschen der Konsumenten auszurichten. Dies führt zu mehr Wohlstand und Beschäftigung. Die derzeit 160 Mitgliedstaaten der Welthandelsorganisation (WTO) haben es sich daher zur Aufgabe gemacht, Handelsschranken abzubauen. Multilaterale Freihandelsabkommen zu beschließen, dauert jedoch oft viele Jahre. So wird in der Doha-Runde der WTO bereits seit mehr als zehn Jahren über verbesserten Marktzugang für Agrarprodukte, Industriegüter, Dienstleistungen sowie über Umweltthemen und die weitere Integration der Entwicklungsländer verhandelt.

Auch als Reaktion auf den schleppenden Fortgang der Doha-Runde haben bilaterale bzw. regionale Verhandlungen zwischen einzelnen WTO-Mitgliedern in den vergangenen Jahren zugenommen. Mit ihrer großen wirtschaftlichen Bedeutung und ihrem weiten Anwendungsbereich stellen die so genannten Mega-regionals wie das transatlantische Freihandels- und Investitionsabkommen (TTIP) und das transpazifische Freihandelsabkommen (TPP) einen neuen Ansatz in den globalen Wirtschaftsbeziehungen dar. Diese Abkommen sollten möglichst zügig abgeschlossen werden, denn sie tragen zu mehr weltweitem Handel und verstärkter globaler Arbeitsteilung bei und können damit den weltweiten Wohlstand mehren. Auch könnten sie den multilateralen Verhandlungen in der Doha-Runde wieder neuen Schwung verleihen.

Bilaterale Handelsabkommen wurden lange Zeit als hinderlich für multilaterale Handelsliberalisierung betrachtet, da sie nicht nur zu mehr Handel zwischen den an einem Abkommen Beteiligten führen, sondern auch handelsablenkende Effekte haben und Dritte von den Vorteilen des Freihandels ausschließen. Aufgrund der immer länger werdenden Wertschöpfungsketten und der zunehmenden internationalen Arbeitsteilung sind jedoch heute Handelsbeziehungen mehr und mehr komplementär zu Investitionsströmen – handelsablenkende Effekte treten in den Hintergrund. Bilaterale bzw. regionale Ansätze und multilaterale Verhandlungen werden daher heute als kompatibel miteinander angesehen. Insbesondere die beiden großen derzeit verhandelten regionalen Abkommen TTIP und TPP könnten sich als für die multilaterale Handelsliberalisierung förderlich erweisen. So umfassen sie jeweils viele Länder (im Falle von TTIP die 28 EU-Mitgliedstaaten und die USA und bei TPP 10 Staaten aus Asien und Lateinamerika sowie Kanada und die USA) und gehen über die im Rahmen der multilateralen Doha-Runde vorgesehene Agenda hinaus.

Gemeinsam bilden die EU und die USA den weltweit größten bilateralen Handelsraum. Sie repräsentieren gemeinsam mehr als 40 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts und 30 Prozent des Welthandels. Da die Zölle zwischen beiden Handelsblöcken bereits relativ niedrig sind, stehen bei den Verhandlungen die nicht-tarifären Handelshemmnisse im Vordergrund. Die öffentliche Diskussion über „Chlorhühnchen“ und „Hormonfleisch“ zeigt, wie wichtig und gleichzeitig emotional Fragen von Umwelt und Verbraucherstandards sind. Allerdings geht in der öffentlichen Diskussion bisweilen unter, dass viele Produktvorschriften in den USA viel strenger sind als in Deutschland und damit keineswegs in jedem Fall ein Unterlaufen deutscher oder europäischer Standards droht. Vielmehr besteht die Gefahr, dass unterschiedliche Standards als vorgeschobenes Argument missbraucht werden, um protektionistische Sonderinteressen durchzusetzen.

Eine gegenseitigen Anerkennung der jeweils im anderen Land geltenden Standards hätte gegenüber einer Harmonisierung den Vorteil, dass sie Wettbewerb zwischen verschiedenen Standards ermöglicht, so dass sich der beste Standard herausbilden kann oder bei unterschiedlichen Präferenzen unterschiedliche Standards gleichzeitig bestehen können. Das so genannte Ursprungslandprinzip hat sich im Europäischen Binnenmarkt bereits bewährt. Voraussetzung ist, dass klare Kennzeichnungsvorschriften erlassen werden, so dass Konsumenten informiert darüber entscheiden können, welches Produkt sie kaufen. Drittländern sollte für ihre Produkte erlaubt werden, zwischen den jeweils gültigen Standards zu wählen. So können hohe Produktstandards über die am jeweiligen Abkommen Beteiligten hinaus Gültigkeit erlangen.

In der multilateralen Doha-Runde waren die Fronten insbesondere zwischen den USA und den großen Schwellenländern lange verhärtet. Ende 2013 einigten sich zwar die WTO-Mitgliedstaaten auf Bali auf das erste nennenswerte Abkommen seit Beginn der Doha-Runde 2001, die neue indische Regierung hat dieses jedoch nicht unterzeichnet. Ein Abschluss der Doha-Runde ist damit weiterhin nicht in Sicht. Die aktuellen Verhandlungen zu TTIP und TTP sollten daher als Chance begriffen werden, auf diesem Weg internationale Wachstums- und Beschäftigungsimpulse zu geben. Die zum Teil sehr einseitig in Richtung des vermeintlichen Abbaus von Standards geführte öffentliche Debatte über TTIP hat in Deutschland allerdings zu einem Stimmungswandel geführt. Inzwischen sieht die Mehrheit der Deutschen TTIP kritisch. Daher ist es wichtig, über die Vor- und Nachteile einen öffentlichen Diskurs zu führen und die relevanten ökonomischen Zusammenhänge zu erläutern. Dies ist bislang zu wenig geschehen.

Dieser Artikel erscheint auch als Policy Brief von Econwatch.

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5 vor 10: Stromausfall, Managergehälter, Kapitalerträge, Gold, Keynes http://blog.insm.de/10322-5-vor-10-stromausfall-managergehaelter-kapitalertraege-gold-keynes/ http://blog.insm.de/10322-5-vor-10-stromausfall-managergehaelter-kapitalertraege-gold-keynes/#comments Fri, 26 Sep 2014 07:55:54 +0000 INSM Redaktion http://blog.insm.de/?p=10322 weiterlesen]]> In den Linktipps geht es zum Wochenende um Probleme mit der Energiesicherheit durch die Energiewende, die Frage nach gerechten Managergehältern und den optimalen Steuersatz auf Kapitalerträge. Die weiteren Themen: Warum Gold keine sichere Geldanlage ist und Keynes wieder stark diskutiert wird.


1. Immer am Rand eines großen Stromausfalls
(ef-magazin.de, Klaus Peter Krause)
Der Aluminiumhersteller Trimet aus Essen hat Deutschland bereits zwei Mal vor dem Stromausfall bewahrt. Weil es im Zuge der Energiewende immer wieder zu Spannungsabfällen im Stromnetz kommt, musste das Unternehmen die äußerst energieintensive Produktion bereits zwei Mal herunterfahren. Ansonsten wäre es hierzulande wohl zu einem weitreichenden Blackout gekommen.

2. Reloaded: Was dürfen Manager verdienen?
(wiwo.de)
In der öffentlichen Debatte zeigt sich, dass viele Menschen die Höhe von Managergehältern als ungerecht empfinden. Dabei unterschätzt die Mehrheit sogar, um wie viel ein Top-Manager mehr verdient als einfache Arbeiter im gleichen Unternehmen, zeigt eine neue Studie. Im Schnitt gehen die Befragten von einem Verhältnis 1:30 aus. Tatsächlich verdienen die Chefs mehr als das 300-fache.

3. Das verkannte Theorem
(avenir-suisse.ch, Marco Salvi)
Angesichts der wachsenden finanziellen Ungleichheit in der Bevölkerung vieler Länder wird oftmals gefordert, dass Kapitalerträge höher besteuert werden sollten. Ein Blick in die volkswirtschaftliche Theorie zeigt jedoch, dass das nicht unbedingt zu einer Verbesserung führen würde. Das Theorem von Chamley und Judd liefert sogar Argumente, weshalb Kapitalerträge gar nicht besteuert werden sollten.

4. Die große Gold-Illusion
(zeit.de, Nadine Oberhuber)
Wer einen sicheren Hafen für sein Vermögen sucht, der investiert in Gold. Das Edelmetall sei besonders gut geeignet, Werte dauerhaft zu erhalten, will die Finanzindustrie den Anlegern weismachen. “Nur beweist die Wertentwicklung des Goldes, dass diese Behauptung überhaupt nicht stimmt”, schreibt Nadine Oberhuber.

5. Lord Keynes steigt aus der Gruft und wittert wieder Morgenluft
(diepresse.com, Christian Ortner)
Die Rufe nach mehr Staatsausgaben zur Belebung der Wirtschaft werden in Europa lauter. Von einer „Renaissance des Keynesianismus“ ist in Wirtschaftszeitungen die Rede. Doch mit Keynes’ Lehre hat die Politik nicht viel zu tun, meint Christian Ortner. Er hält die Bezugnahme auf den britischen Ökonomen für eine “pseudowissenschaftliche Legitimierung eines einfachen Fortschreibens jener durch und durch verantwortungslosen Politik des Schuldenauftürmens”.

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Freihandel – ein Garant für Frieden und Wohlstand http://blog.insm.de/10311-freihandel-ein-garant-fuer-frieden-und-wohlstand/ http://blog.insm.de/10311-freihandel-ein-garant-fuer-frieden-und-wohlstand/#comments Thu, 25 Sep 2014 12:35:52 +0000 Carsten Dethlefs http://blog.insm.de/?p=10311 weiterlesen]]> Die Globalisierung ist in aller Munde, und Freihandelsabkommen werden zwischen vielen Staaten und Wirtschaftsräumen geschlossen. Doch hat bisher wohl noch kein Abkommen ein solches Aufsehen erregt wie die geplante Vereinbarung zwischen der Europäischen Union und den USA, dem so genannten TTIP.


Kritiker befürchten einen Ausverkauf von Verbraucher- und Arbeitnehmerrechten sowie wie ein Absinken von Umweltstandards. Schließlich würde jener Handelspartner Vorteile erringen, der günstiger exportiert, und dies ginge nur durch Vernachlässigung von Schutzmaßnahmen. Außerdem würde der Abbau von tarifären Handelshemmnissen (Zöllen) – so die europäischen Kritiker – ökonomisch kaum ins Gewicht fallen. Das mag für bestimmte Güter gelten, für andere nicht. Wichtig schein mir, den Freihandel als Geisteshaltung zu sehen – als Geisteshaltung, die sich nicht vor fremden Kulturen fürchtet.

Darüber hinaus bestehen auf europäischer Seite Bedenken, dass Unternehmen, die noch nicht stark genug für globale Auseinandersetzungen sind, in den harten interkontinentalen Wettbewerb geworfen werden. Friedrich List hatte aus diesem Grund bereits Anfang des 20. Jahrhunderts den so genannten Erziehungszolls konzipiert, wonach Unternehmen für eine gewisse Zeitspanne durch Zölle geschützt sind, um sich für den internationalen Wettbewerb zu wappnen. Die Bedenken greifen allerdings zu kurz, wenn auf beiden Seiten für Unternehmen annähernd gleiche Bedingungen vorherrschen (so wie zwischen den USA und Europa). Dann geht es nämlich um den Wettbewerb der besseren Produkte und Ideen und zwar staatsübergreifend.

Der Verbraucher wird jedenfalls in Zukunft eine noch größere Macht bekommen, nämlich die Macht, sich für oder gegen Produkte vom Handelspartner zu entscheiden.

Außerdem tut sich eine weitere Dimension auf, wenn man Freihandel nicht mehr nur als ökonomisches Konzept begreift, sondern auch als Frieden sichernde Maßnahme. Besitzt ein Land Ressourcen, das ein anderes gerne besäße, um damit zu arbeiten, dann hat das nicht besitzende Land zwei Möglichkeiten: Es kann Krieg führen, um in den Besitz dieser Ressourcen zu kommen oder es kann sich überlegen, welche Dinge es eintauscht, um an die gewünschten Rohstoffe zu gelangen. In diesem Fall kann Freihandel als der wichtigste Grund gelten, um keinen Krieg zu führen.

Nun werden die USA und die Europäische Union wohl so oder so keinen Krieg gegeneinander beginnen. Doch könnte man durchaus darauf hoffen, die Wirtschaaftsspionage und ähnliches durch den unproblematischen Austausch von Waren und Dienstleistungen zu verringern.

Es wäre schön, wenn mehr Menschen Freihandel als Chance sehen würden voneinander lernen zu können, anstatt –  selbst auf dem eigenen Kontinent nicht unumstrittene – Standards gefährdet zu sehen.

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5 vor 10: IHK, Mythen, Mars, Rationalität, Italien http://blog.insm.de/10309-5-vor-10-ihk-mythen-mars-rationalitaet-italien/ http://blog.insm.de/10309-5-vor-10-ihk-mythen-mars-rationalitaet-italien/#comments Thu, 25 Sep 2014 07:55:28 +0000 INSM Redaktion http://blog.insm.de/?p=10309 weiterlesen]]> In den Linktipps von heute geht es um die Zwangsmitgliedschaft in der IHK, die zehn hartnäckigsten Wirtschaftsmythen, Italiens Arbeitsmarkt und Indiens Marsmission. Außerdem gibt es eine Antwort auf die Frage: Sind wir wirklich so irrational, wie uns die junge Ökonomengeneration weismachen will?


1. Braucht es die Zwangsmitgliedschaft in der IHK?
(wirtschaftlichefreiheit.de, Frank Daumann)
Bis auf wenige Ausnahmen ist jedes Unternehmen in Deutschland dazu verpflichtet, Mitglied einer Industrie- und Handelskammer zu sein – und muss entsprechende Mitgliedsbeiträge dafür bezahlen. Widerstand gegen diese Zwangsmitgliedschaft gibt es schon lange und seit April beschäftigt sich auch das Bundesverfassungsgericht mit der Frage, ob die Regelung rechtmäßig ist. Unter einem ordnungsökonomischen Gesichtspunkt kommt Frank Daumann zu dem Schluss, dass “die Zwangsmitgliedschaft in der IHK kaum zu rechtfertigen ist”.

2. Zehn hartnäckige Wirtschaftsmythen
(wiwo.de)
Viele angebliche Gewissheiten über die Wirtschaft stellen sich bei genauerem Hinsehen als großer Irrtum heraus. Die Online-Ausgabe der “Wirtschaftswoche” zeigt die zehn Wirtschaftsmythen, die sich im öffentlichen Diskurs am hartnäckigsten halten: Ist die Ära des Wachstums wirklich vorbei? Waren die Hartz-Reformen der Grund für das deutsche Beschäftigungswunder? Und lässt sich die Schuldenkrise durch Sparen überwinden?

3. Indien sagt “Namaste” zum Mars
(bloombergview.com, Chandrahas Choudhury, englisch)
Nach der ehemaligen Sowjetunion, den USA und den Europäern ist es Indien als vierter Wirtschaftsmacht gelungen, eine Raumsonde in eine Mars-Umlaufbahn zu schicken. Der Subkontinent hat damit sogar den großen Nachbarn China hinter sich gelassen. Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Mission zwar nicht gerade sensationell, unter ökonomischem Blickwinkel aber sehr wohl: Die Reise zum Mars kostete die Inder weniger als die Produktion eines Hollywood-Films. Sie machen damit vor, wie leistungsfähig auch billige Technik mittlerweile sein kann.

4. Gar nicht mal so dumm
(aeon.co, Steven Poole, englisch)
Früher gingen Ökonomen davon aus, jeder Mensch handele rational und maximiere seinen Nutzen. In den vergangenen Jahren gelangten sie aber zunehmend zur Überzeugung, dass das gar nicht stimmt: Menschen treffen laufend Entscheidungen, die eigentlich gar nicht gut für sie sind, lautet die neue These. Politiker nehmen diese Erkenntnisse zum Anlass, um die Bürger trickreich in die vermeintlich beste Richtung zu lenken. Steven Poole sieht diesen Trend mit Skepsis. Er findet: In Wirklichkeit sind wir gar nicht so wenig rational, wie es neuerdings immer heißt.

5. Italiens unproduktiver Arbeitsmarkt
(faz.net, Thomas Piller)
Italiens Arbeitsmarkt steckt in der Krise. Ein Grund: Die Produktivität der Arbeiter ist in den vergangenen Jahrzehnten geschrumpft, während sie in anderen Ländern deutlich zugenommen hat. Gewerkschaften klammern sich dennoch an alten Errungenschaften fest. Ein Fehler, meint Tobias Piller. “Italien braucht umfassendere Lösungen für seinen Arbeitsmarkt”, schreibt er. “Es hilft nicht, den Arbeitssuchenden das Paradies der Unkündbarkeit zu versprechen, wenn kein Arbeitgeber solche Arbeitsplätze mehr schaffen will.”

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5 vor 10: Crash, Investitionen, Subventionen, Ehe, Schweden http://blog.insm.de/10303-5-vor-10-crash-investitionen-subventionen-ehe-schweden/ http://blog.insm.de/10303-5-vor-10-crash-investitionen-subventionen-ehe-schweden/#comments Wed, 24 Sep 2014 07:55:48 +0000 INSM Redaktion http://blog.insm.de/?p=10303 weiterlesen]]> Heute in den Linktipps: Die Bundesregierung versteckt Subventionen und gewissenhafte Ehepartner sind gut für die Karriere. Außerdem: Die lockere Geldpolitik treibt die Preise bei Sachwerten nach oben, Deutschland darf sich nicht zu mehr Investitionen überreden lassen und Schweden ist auch nicht mehr das, was es mal war.


1. “Die Blase wird platzen”
(wiwo.de, Tim Rahmann)
Der Pforzheimer VWL-Professor Hanno Beck warnt vor den Gefahren der lockeren Geldpolitik. Er sieht nicht nur auf dem Immobilienmarkt das Risiko einer Blase, sondern entdeckt auch extreme Preissteigerungen bei Briefmarken, alten Musikinstrumenten, Gemälde und anderen Sachwerten. Für ihn ein deutliches Zeichen dafür, dass die Menschen panisch nach Anlagemöglichkeiten suchen – und dabei automatisch Blasen produzieren.

2. Was Europa wirklich hilft
(capital.de, Timo Pache)
Die ganze Welt fordert von Deutschland mehr Investitionen, um die Nachfrage in Europa anzukurbeln. Die Wahrheit ist: Auch wenn Deutschland viel investierte, würden die Nachbarländer kaum davon profitieren, schreibt Timo Pache. Abgesehen davon war das Ziel einer Investition schon immer, damit einmal Geld zu verdienen – und nicht lediglich, Soldarität zu zeigen. Europa könne sich nur retten, wenn die schwachen Länder wettbewerbsfähiger werden und nicht, wenn Deutschland mehr Geld ausgibt.

3. Wie die Bundesregierung Subventionen kleinrechnet
(pixeloekonom.de, Johannes Eber)
Die Bundesregierung legt dieses Jahr keinen Subventionsbericht vor. Ein Grund mehr, das Thema aufzugreifen findet der Pixelökonom. Zumal die Regierung die Summen permanent kleinrechnet. 2011 veranschlagte sie gerade einmal 22 Milliarden für Subventionen. Doch viele Unterstützungen rechnet sie dabei nicht ein. Das Institut für Weltwirtschaft bezieht in seinem Kieler Subventionsreport deutlich mehr staatliche Hilfen mit ein – und kommt insgesamt auf rund 170 Milliarden Euro.

4. Der Ehepartner als Karriere-Booster
(qz.com, Sonali Kohli, englisch)
Wer mit einem gewissenhaften Ehepartner vermählt ist, hat deutlich höhere Chancen auf eine Beförderung – das ist das Ergebnis einer Studie der Washington University in St. Louis. Die Ehepartner halten einem den Rücken frei, sodass man sich stärker auf den Job konzentrieren kann, vermuten die Forscher. Außerdem schätzen sie, dass man die guten Eigenschaften des Partners übernimmt. Männer profitieren von einer gewissenhaften Gattin ganz besonders.

5. Schweden ist kein Vorbild mehr
(foreignaffairs.com, Bo Rothstein, englisch)
Schweden wird immer wieder als Musterland angeführt. Doch längst ist nicht mehr alles so rosig wie in früheren Jahren, schreibt Bo Rothstein, Politik-Professor an der Uni Göteborg: Die Ungleichheit hat zugenommen, es gibt wenig Arbeitsplätze für schlecht qualifizierte Arbeitnehmer und auch die Toleranz gegenüber Immigranten nimmt ab.

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5 vor 10: Polen, Investitionen, Glühbirne, Kommunen, Energiewende http://blog.insm.de/10297-5-vor-10-polen-investitionen-gluehbirne-kommunen-energiewende/ http://blog.insm.de/10297-5-vor-10-polen-investitionen-gluehbirne-kommunen-energiewende/#comments Tue, 23 Sep 2014 07:55:48 +0000 INSM Redaktion http://blog.insm.de/?p=10297 weiterlesen]]> Heute in den Linktipps: Will Polen jetzt doch den Euro einführen? Muss Deutschland mehr Geld ausgeben, um die Eurokrise zu überwinden? Wie kann eine Glühbirne 113 Jahre lang halten? Außerdem: Wie eine Stadt eine neue Steuer einführt und was sich Deutschland die Energiewende kosten lässt.


1. Polen und der Euro
(faz.net, Sven Astheimer)
Dass man derzeit nicht unbedingt in die Eurozone eintreten will, kann man ja verstehen: Der polnische Zloty, der stark abwertete, half Polen, gut durch die Wirtschaftskrise. Nachdem das Land einen Eurobeitritt lange Zeit kaum forciert hat, heizt die Angst vor Russland die Eintrittsdebatte nun an. Sven Astheimer erklärt, was dem Beitritt noch im Weg steht.

2. Sogar die EZB sagt, Deutschland müsse mehr Geld ausgeben
(washingtonpost.com/blogs/wonkblog, Matt O’Brien, englisch)
So beginne ein verlorenes Jahrzehnt: Negative Leitzinsen und extrem günstige Darlehen für Banken sind einige der Maßnahmen, mit denen die EZB etwas gegen die Krise tun möchte. Es gebe aber kaum noch Spielraum in der Eurozone, um die Wirtschaft tatsächlich wieder anzukurbeln –  außer Deutschland würde mehr Geld ausgeben, schreibt Matt O’Brien im Wonkblog. Benoît Cœuré und Jörg Asmussen, derzeitiges und ehemaliges EZB-Direktoriumsmitglied, hätten erklärt, wie Deutschland das Ruder noch herumreißen könnte.

3. Die mysteriöse Glühbirne
(priceonomics.com, Zachary Crockett, englisch)
113 Jahre lang erleuchtet die Glühbirne schon ein Feuerwehrgebäude in Kalifornien. So lange hält heute keine Birne mehr: Im Schnitt 1.000 bis 2.000 Stunden hält eine herkömmliche heute, die Centennial Light Birne glüht indes schon seit rund 989.000 Stunden. Zachary Crockett hat sich angesehen, wie sich die Glühbirne über die Zeit verändert hat und wieso ausgerechnet diese Birne so lange halten konnte.

4. Not macht die Kommunen erfinderisch
(wiwo.de, Konrad Fischer)
Die Stadt Hagen steckt ziemlich tief in Schuldensumpf. In der Not hat die Stadt die Wettbürosteuer eingeführt – gerade mal vier oder fünf Wettbüros sollen zahlen. Nun zeigen auch andere Kommunen Interesse an dem Modell. Konrad Fischer hat sich angesehen, wie eine Steuer entsteht – so oft wird nämlich gar keine neue eingeführt. Außerdem erklärt er, was dabei schief gehen kann.

5. Teurer Erfolg
(bloombergview.com, Leonid Bershidsky, englisch)
Der deutsche Staat hat sich die Energiewende ganz schön was kosten lassen. Doch trotz all der Subventionen wird Deutschland 2020 vermutlich die Treibhausgasemissionsziele verpassen: zu viel Kohlestrom. Leonid Bershidsky erklärt, wieso er die deutsche Energiepolitik dennoch für einen Erfolg hält.

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Kalte Progression endlich heiß diskutiert! http://blog.insm.de/10287-kalte-progression-endlich-heiss-diskutiert/ http://blog.insm.de/10287-kalte-progression-endlich-heiss-diskutiert/#comments Mon, 22 Sep 2014 12:23:10 +0000 Matthias Warneke http://blog.insm.de/?p=10287 weiterlesen]]> Die kalte Progression – also die Steuermehrbelastung, die dann eintritt, wenn die Eckwerte des Einkommensteuertarifs nicht an die Preissteigerung angepasst werden – kostet die Steuerzahler Milliarden. Die Zeit ist reif für eine Abschaffung, meint Matthias Warneke, der das Deutsche Steuerzahlerinstitut (DSi) des Bundes der Steuerzahler leitet.

Die deutsche Politik entdeckt wieder einmal das Problem der kalten Progression. Der bayerische Finanzminister Markus Söder, hat jetzt sogar einen eigenen Gesetzentwurf angekündigt. Noch im September will er ihn vorlegen.

Das ist gut. Noch besser ist es, dass bereits ein fertiger Gesetzentwurf existiert. Ausgearbeitet hat ihn das Deutsche Steuerzahlerinstitut des Bundes der Steuerzahler. Seit Ende August liegt er den Spitzen der Politik in Bund und Ländern vor.

Kommt endlich Bewegung in dieses Dauerthema der deutschen Finanzpolitik? Die Chancen sind so gut wie nie zuvor. Historisch niedrige Inflationsraten machen den Progressionsabbau für den Fiskus erschwinglich.

Fast historisch ist auch die politische Allianz gegen die kalte Progression. Die Reformstimmen kommen aus allen Lagern; von der CSU bis zur Linkspartei, von der BDA bis zum DGB. Die Medien trommeln ohnehin regelmäßig. Und ihr Ton wird schriller. „Schäuble, rück die Kohle raus!“ fordert die Wirtschaftswoche. Der Spiegel sieht „Belastungen mit Tarnkappe“. „Die eiskalte Progression“ titelt die FAS.

Da stellt sich die Frage, warum die kalte Progression überhaupt so lange überleben konnte und noch nicht längst aus der Welt ist. Nun, für Fiskalisten ist die kalte Progression ein großartiges Geschäft. Es zieht den Steuerzahlern Jahr für Jahr Milliardenbeträge aus den Taschen. Und zwar heimlich, still und leise. Eben weil das Prinzip der kalten Progression im Einkommensteuerrecht für die Betroffenen nicht so leicht zu durchschauen ist.

Man stelle sich vor, die Regierung würde das Prinzip der kalten Progression auf die Mehrwertsteuer anwenden wollen. Jedes Jahr würden dann die Mehrwertsteuersätze steigen; mal mehr, mal weniger, je nach Ausmaß der Inflation. Der Skandal wäre offensichtlich, der öffentliche Widerstand zweifellos massiv. Das gleiche Prinzip angewendet auf die Einkommensteuersätze funktioniert hingegen bestens, weil es im Hintergrund wirkt und für den Einzelnen schwer zu erkennen ist.

Dass die Mehrwertsteuer üblicherweise 19 Prozent beträgt, weiß fast jeder. Aber wer kennt schon seinen persönlichen Durchschnittssteuersatz im Einkommensteuerbereich? Und zwar für sein inflationsbereinigtes zu versteuerndes Einkommen. Und wer schlägt schon im Einkommensteuergesetz nach? Ohne sich nicht gleich wieder abwenden zu wollen. „Nachrechnen leicht gemacht“ ist nicht gerade das Motto des deutschen Einkommensteuertarifs.

Versuchen wir es mit einem Beispiel, um zu verstehen, wie die kalte Progression wirkt. Wer 2010, im Jahr der letzten umfassenden Tarifreform, als Single ein zu versteuerndes Einkommen von 30.000 Euro hatte, zahlte seinerzeit 5.625 Euro Einkommensteuer. Das entspricht einem Durchschnittssteuersatz von 18,75 Prozent. Wer in den Folgejahren inflationsausgleichende Lohnsteigerungen hatte, so dass sein zu versteuerndes Einkommen jetzt bei 32.123 Euro liegt (30.000 Euro zzgl. Verbraucherpreiswachstum 2010-2014), hat in diesem Jahr die gleiche Kaufkraft wie im Jahr 2010. Seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ist also unverändert. Das finanzwissenschaftliche Leistungsfähigkeitsprinzip würde deshalb eine ebenfalls unveränderte Steuerbelastung gebieten.

Doch statt einem dementsprechend konstanten Durchschnittssteuersatz führt die kalte Progression zu steigenden Durchschnittssteuersätzen und damit zu höheren Lasten. In diesem Jahr beträgt der Durchschnittssteuersatz für einen Single mit 32.123 Euro Einkommen nach geltendem Recht 19,42 Prozent statt der finanzwissenschaftlich gebotenen 18,75 Prozent. Er zahlt in diesem Jahr 19,42 Prozent von 32.123 Euro statt 18,75 Prozent, also 6.238 Euro statt 6.023 Euro. Die Differenz von 215 Euro fließt als kalte Progression in die öffentlichen Kassen. (Man stelle sich vor, unser Single hätte im Jahr 2010 für einen Neuwagen 30.000 Euro zzgl. 18,75 Prozent Mehrwertsteuer bezahlt und beim erneuten Autokauf 2014 für den real gleichen Nettopreis von 32.123 Euro 19,42 Prozent Mehrwertsteuer entrichten sollen…)

Hier zeigt sich, dass Einkommenssteigerungen derzeit zu Steuererhöhungen führen, die aus zwei Komponenten bestehen; einer legitimen und einer „illegitimen“. Die Grafik illustriert das. Legitim ist es, die Nominallohnsteigerung (in unserem Beispiel 2.123 Euro, blaues Feld) zu besteuern. „Illegitim“ im Sinne des Leistungsfähigkeitsprinzips ist es hingegen, auf das komplette, real unveränderte Einkommen einen höheren Durchschnittssteuersatz anzuwenden (rotes Feld).

Komponenten einer Steuererhöhung

Diese Zweiteilung macht den Abbau der „illegitimen“ Komponente – der kalten Progression – verfahrenstechnisch etwas kompliziert. Wer die kalte Progression abbauen will, muss die Tarifformel im Einkommensteuerrecht so an die Verbraucherpreisentwicklung anpassen, dass für ein real unverändertes Einkommen der Durchschnittssteuersatz konstant bleibt.
Wie das konkret im Einkommensteuergesetz sichergestellt werden kann, beschreibt der Gesetzentwurf des Deutschen Steuerzahlerinstituts (DSi).

Dort wird ein neuer Einkommensteuertarif für das Jahr 2015 normiert. Als steuerlicher Grundfreibetrag sind beispielsweise 8.571 Euro statt derzeit 8.354 Euro vorgesehen. Auch alle anderen Tarifelemente werden an die Verbraucherpreisentwicklung angepasst. Für die Folgejahre wird ein mathematisch und parlamentarisch detailliertes Verfahren zur Tarifindexierung vorgeschlagen. Die Verbraucherpreisentwicklung des laufenden Jahres, die die Bundesregierung in ihrer Herbstprojektion regelmäßig prognostiziert, wäre hierbei der Referenzwert für die Indexierung des Einkommensteuertarifs des Folgejahres. Etwaige Prognosefehler werden über einen Korrekturmechanismus im darauf folgenden Jahr berücksichtigt. Das stellt sicher, dass die Steuerzahlerentlastung auf Basis aktueller Verbraucherpreisdaten sowohl zeitnah als auch ohne großes Prognoserisiko erfolgt. Zum Jahresende kann dann die neue Tarifformel für das Folgejahr parlamentarisch-routiniert besiegelt werden. Solch ein „Tarif auf Rädern“ würde die kalte Progression dauerhaft beseitigen.

Abgesehen von den technischen Details ist für die öffentliche Debatte noch Folgendes wichtig. Ein Abbau der kalten Progression würgt das Wachstum der Einnahmen aus der Einkommensteuer keineswegs ab. Es wird lediglich angemessen gebremst. Nach den derzeitigen Prognosen steigen die Einkommensteuereinnahmen in den kommenden Jahren ohne Reformen um ca. 5 Prozent p. a. Durch den DSi-Vorschlag, also ohne kalte Progression, würde der Anstieg der Einkommensteuereinnahmen immerhin noch ca. 3,5 Prozent betragen.

Ebenfalls wichtig für die Debatte ist es, dass der Gesetzesvorschlag Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen prozentual besonders stark entlasten würde:

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In der Summe führt der Gesetzentwurf zu Entlastungen der Bürger und Betriebe in Höhe von ca. 8 Milliarden Euro (2015). Die gesamtstaatlichen Steuereinnahmen würden dann im kommenden Jahr nicht bei 666,6 Milliarden Euro liegen, sondern „nur“ bei 658,6 Milliarden Euro. Wer staatlicherseits sparsam haushält, muss also auch ohne kalte Progression nicht ins Schwitzen kommen.

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5 vor 10: Teilen, Spanien, Gier, Crash, Geldpolitik http://blog.insm.de/10283-5-vor-10-teilen-spanien-gier-crash-geldpolitik/ http://blog.insm.de/10283-5-vor-10-teilen-spanien-gier-crash-geldpolitik/#comments Mon, 22 Sep 2014 07:55:42 +0000 INSM Redaktion http://blog.insm.de/?p=10283 weiterlesen]]> Warum die Wirtschaft des Teilens mancherorts recht kompliziert ist, weshalb die Immobilienpreise in Spanien langsam wieder auf einem normalen Niveau sein dürften und wieso uns das Verhalten unserer Mitmenschen auch in der Wirtschaft prägt – diese Fragen beantworten wir heute in den Linktipps. Außerdem geht es heute um das Märchen von der unerwarteten Finanzkrise und um die geplante Abwertung des Euro.


1. Die Wirtschaft des Teilens
(nytimes.com, Raphael Minder and Mark Scott, englisch)
In Portugal wird anders geteilt als in Polen, in Schweden anders als in Griechenland – das Modell der Sharing-Economy wird durch die unterschiedliche Gesetzgebung in den europäischen Staaten zur Herausforderung für die Unternehmen. Wie ließe sich dieses Problem lösen? In einigen Staaten gehen die Unternehmen große Schritte auf den Staat zu – etwa indem sie für ihn Steuern eintreiben.

2. Spanien: Immobilien- und Mietpreise im Vergleich
(querschuesse.de)
Wer sich seit der Jahrtausendwende in Spanien eine Immobilie gekauft hat, dürfte davon nicht viel gehabt haben. In der Analyse von Querschüsse wird deutlich, dass die Preise für Immobilien deutlich schneller gestigen sind als die Mietpreise – ein klassischer Indikator für eine Blase. Auch wenn sich beide Preise inzwischen wieder angenähert haben, zahlreiche Haushalte haben Kredite für Eigentumswohnungen aufgenommen, die letztlich nur ein Bruchteil des versprochenen Werts haben dürften.

3. “Wer Gier beobachtet, wird selber gierig”
(wiwo.de, Nils Heisterhagen)
Wie verhalten sich Menschen in bestimmten Situationen? Dieser Frage geht der renommierte Kölner Ökonom Axel Ockenfels in seiner Forschung nach. Der Professor für Spieltheorie und experimentelle Wirtschaftsforschung erklärt im Interview mit der Wirtschaftswoche, wieso der Homo oeconomicus nicht ausgedient hat, weshalb uns das Verhalten unserer Mitmenschen prägt und warum Anreize für unsere Zukunft wichtig sein könnten.

4. Das Märchen von der unerwarteten Krise
(blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets, Tobias Straumann)
Hat den Crash der Lehman Brothers tatsächlich niemand ahnen können? Tobias Straumann hat da seine Zweifel: Eine neue Untersuchung zum Verhalten der US-Zentralbank Federal Reserve während des Immobilienbooms in den USA gibt ihm Recht. Zu groß sei etwa die Macht der Lobbygruppen und der Glaube an die Ideologie gewesen.

5. Gedanken zu einer umstrittenen Abwertung
(blogs.faz.net/fazit, Gerald Braunberger)
Die Abwertung des Euro – etwa gegenüber dem Dollar – sei nur eine Nebenwirkung der Geldpolitik, die auf die Preisstabilität ausgerichtet sei, das behauptet etwa der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank, Vitor Constancio. Gerald Braunberger beschreibt das gegenteilige Szenario: wie eine zu restriktive Geldpolitik schon die Weltwirtschaftskrise in den Dreißiger Jahren ausgelöst haben könnte. Was aber, wenn der Euro dauerhaft abwerten wird?

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