3 Linktipps

5 vor 10: Zentralbanken, Aufsichtsräte, Unternehmenssteuern, Managergehälter, Kreditzinsen

Themen  der heutigen Linktipps: Notenbanken sind weniger unabhängig als es scheint; Politiker in Aufsichtsräten stehen in der Kritik und hohen Managergehältern in der Schweiz droht bald das Ende. Außerdem: Wie Europa immer weiter auseinander driftet – sowohl bei den Unternehmenssteuern als auch bei den Kreditzinsen.


1. Das Märchen von der unabhängigen Zentralbank
(wallstreetjournal.de, Simon Nixon)
Müssen Zentralbanken wirklich unabhängig sein? Äußerungen von Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz haben eine breite Debatte über die Zukunft der Notenbanken entfacht. Er stellte fest, dass sich Länder mit weniger unabhängigen Zentralbanken wie Indien, China oder Brasilien im Vergleich wirtschaftlich deutlich besser entwickelt haben. Gleichzeitig stellen Beobachter fest, dass sich auch die Währungshüter in Europa und den USA immer weniger gegen politische Einflüsse wehren können.

2. Zu viele Parteisoldaten
(faz.net, Joachim Jahn)
Das Debakel um den neuen Berliner Großflughafen wirft ein schlechtes Licht auf die Rolle von Politikern in Aufsichtsräten von Unternehmen der öffentlichen Hand. “Eine völlige Verbannung von Ministern, Staatssekretären oder Abgeordneten aus den Aufsichtsgremien ist aber auch nicht die Lösung”, findet Joachim Jahn: Wenn der Staat Geld gebe, müsse er auch Kontrolle ausüben. Umso wichtiger sei es aber, fachkundige Volksvertreter zu entsenden – und nicht altgediente Parteisoldaten.

3. Wie Europas Steuerwelt auseinander fällt
(blog.zeit.de, Marlies Uken)
Wie groß die Kluft zwischen den Volkswirtschaften der Europäischen Union ist, zeigt ein Blick auf die enormen Unterschiede bei den Unternehmenssteuern in den einzelnen Ländern. Während Bulgarien, das ärmste Land Europas, Unternehmen mit Steuersätzen von unter zehn Prozent lockt, müssen Firmen in Ländern wie Deutschland und Frankreich das dreifache bezahlen. Die Flucht von Unternehmen in Steueroasen will Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mit einer neuen Initiative verhindern.

4. Schweiz stimmt über Managermillionen ab
(diewunderbareweltderwirtschaft.de, Dieter Meyeer)
Mit einem Jahreseinkommen von 15,7 Millionen Franken erreichte Novartis-Chef Joe Jimenez zuletzt Rang eins unter den Spitzenverdienern der Schweiz. Derart hohe Managergehälter sind dem Schweizer Kleinunternehmer und Parlamentsabgeordneten Thomas Minder ein Dorn im Auge – seine Initiative zur Begrenzung von Gehältern steht Anfang März zur Abstimmung. Der Vorstoß verzichtet jedoch auf absolute Höchstgrenzen. Stattdessen will Minder den Aktionären mehr Rechte geben.

5. Wenn doch diese fiesen Zinsen nicht wären…
(weitwinkelsubjektiv.com, André Kühnlenz)
Mit unbegrenzten Käufen von Staatsanleihen wollte die EZB das Auseinanderdriften der europäischen Volkswirtschaften verhindern. Doch die Maßnahmen helfen nur wenig, wie sich jetzt zeigt. Die kurzfristigen Kreditzinsen für mittelständische Unternehmen klaffen in der Eurozone derzeit so weit auseinander wie noch nie seit der Einführung der gemeinsamen Währung. “Von einheitlicher Geldpolitik ist der Euro-Raum noch immer meilenweit entfernt”, schreibt André Kühnlenz.

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  • http://www.facebook.com/klaus.bloemeke Klaus Blömeke

    Ich frage mich, in wie weit Steuern auf Unternehmen überhaupt sinnvoll sind.
    Gewinne, die Unternehmen machen, werden ja letztendlich immer an irgendwen ausgezahlt (Unternehmer, Aktionäre etc.) D. h. ohne Unternehmenssteuern würden entweder die Besitzer der Unternehmen mehr Steuern zahlen, oder die Produkte würden billiger, dann kaufen die Verbraucher eben anderswo weitere Produkte von dem übrigen Geld und schaffen damit für andere Menschen Jobs und Einkommen, die besteuert werden.

    Oder sehe ich das zu trivial?

  • http://www.facebook.com/people/Stefan-Wehmeier/1631104166 Stefan Wehmeier

    Es ließe sich darüber streiten, ob ein Herr Reithofer, Topmanager bei BMW, für seine 6,2 Mio. Euro Jahresgehalt genug gearbeitet hat, doch wenn es sich für BMW rechnet, sei es ihm gegönnt. Allerdings lässt sich nicht darüber streiten, dass die Familie Quandt, Hauptaktionär bei BMW, für ihre 650 Mio. Euro Rendite, die sie 2011 abkassierte, gar nicht gearbeitet hat. Es steht außer Frage, dass diese 650 Mio. Euro nicht verdient, sondern gestohlen wurden – gestohlen von vielen anderen Menschen, die für ihre jeweilige Arbeitsleistung unter normalen Umständen einen höheren Lohn verdient hätten. Wie konnte der Familie Quandt dieser Raubzug in aller Öffentlichkeit gelingen, ohne dafür angeklagt und von manchen sogar noch bewundert zu werden?

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/01/mammons-tempel.html

    • julius_wvk

      Hallo Herr Wehmeier. Sie wollen also beurteilen können, was “normale Umstände” sind? Und unter “normalen Umständen” wäre mit dem Geld genau was passiert? Wem genau wurde denn das Geld gestohlen? Den Mitarbeitern von BMW? Den Menschen in Bayern? Dem deutschen Staat? Werden Sie doch bitte konkret.

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