10 Gesellschaft

Befreien wir uns von den Ängsten! Drei Wünsche zu Weihnachten

Die Zeit um Weihnachten ist eine Zeit, in der es üblich ist, sein Herz mehr zu öffnen als während des übrigen Jahres. Man wird persönlich, man teilt seine Wünsche und Sehnsüchte mit. Die dürfen dann auch mal über eine Märklin-Eisenbahn oder eine neue Krawatte hinausgehen. Ich habe auch drei Wünsche…


Ich wünsche mir, dass der Protektionismus ein Ende nimmt!

Die westliche Welt schottet sich nach wie vor massiv ab gegen andere Teile der Welt. Allein im EU-Haushalt des laufenden Jahres entfallen 40,8 Prozent – also gut 60 Milliarden Euro auf Agrarsubventionen und Beihilfen im Bereich der Landwirtschaft. Schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts wusste man, wie schädlich diese Hilfen gerade für die weniger Wohlhabenden unter den Verbrauchern sind. Das Argument, man dürfe sich bei lebenswichtigen Gütern nicht zu sehr in Abhängigkeit von anderen Ländern begeben, wird nicht nur durch die Exportbilanzen der europäischen Landwirtschaft Lügen gestraft, sondern auch durch den dauerhaften Erfolg eines relativ rohstoffarmen Landes wie Deutschland.

Eine Öffnung der Märkte für andere Länder würde nicht nur dem einheimischen Verbraucher nutzen, sondern würde gerade auch weniger entwickelten Ländern Wachstums- und Entwicklungschancen bieten, die jede Entwicklungshilfe in den Schatten stellen würde. Dabei muss man nicht darauf warten, mühselige Abkommen auszuhandeln. Der Verzicht auf Einfuhrbeschränkungen und Zölle kann sofort einseitig beschlossen werden. Der Abbau von Handelsbeschränkungen könnte das Wirtschaftswachstum der Welt um bis zu drei Billionen Dollar steigern. Verlierer bei dieser Entscheidung wären jene Unternehmer, die als „crony capitalists“ (Etwa: Vetternwirtschaftliche Kapitalisten) heute versuchen, sich durch staatliche Maßnahmen wie Subventionen und Zölle ihre marktbeherrschende Stellung zu sichern. Gewinner wären alle Verbraucher– vor allem aber die Armen.

Ich wünsche mir, dass der Krieg gegen die Drogen aufhört!

Seit Jahrzehnten versuchen sich die meisten Staaten dieser Welt in einem verzweifelten Kampf gegen Drogen. Ungeheure Geldmengen sind damit vernichtet worden, die Gefängnisse, namentlich in den USA, platzen aus allen Nähten – und es ist nichts erreicht worden, wie eine aktuelle Schätzung über den Drogenmissbrauch zeigt. Allein in Mexiko sind in den vergangenen fünf Jahren etwa 60.000 Menschen dem Drogenkrieg zum Opfer gefallen. Die mit dem illegalen Drogenhandel verbundene Kriminalität, die bis hin zur Finanzierung von Terrorgruppen reicht, steigt und steigt. Ebenso steigt aber der Drogenkonsum.

Die mit Kofi Annan, Javier Solana, Mario Vargas Llosa und Alexander Kwasniewksi nicht nur prominent, sondern auch seriös besetzte „Global Commission on Drug Policy“ hat kürzlich den Drogenkrieg als gescheitert bezeichnet und dazu aufgerufen, neue Lösungen zu finden. Legalisierung und Aufklärung lautet ihr Konzept zur Bekämpfung von Drogensucht. Denn den Abhängigen wird nicht geholfen, indem man sie kriminalisiert. Das Ende dieses aussichtslosen Kampfes würde uns vieles ersparen: die grotesken Szenen von Polizisten, die Haschisch-Konsumenten durchsuchen; den volkswirtschaftlichen Schaden, der sich mindestens im zweistelligen Milliardenbereich bewegt; Versorgung und Wachstum krimineller Kartelle und terroristischer Gruppierungen; und vor allem zehntausende Tote jedes Jahr. Prohibition hilft nur den Kriminellen, nicht den Süchtigen.

Ich wünsche mir, dass wir unsere Grenzen für Einwanderer öffnen!

Ende Oktober zogen einige Asylbewerber die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich, die vor dem Brandenburger Tor in den Hungerstreik traten, um für eine besser Behandlung zu protestieren. Während wir mittlerweile in allen Bereichen des Arbeitsmarktes auf Menschen angewiesen sind, die zugewandert sind oder von Zugewanderten abstammen, behandeln wir Asylbewerber nach wie vor wie potentielle Straftäter.

Die Lebenswirklichkeit des 21. Jahrhunderts ist längst über das Nationalitätskonzept hinweggegangen: Auslandsaufenthalte während Ausbildung und Beschäftigung gehören ebenso zur Normalität wie transnationale Ehen und Beziehungen. Gerade die Europäische Union, wo zum Glück spätestens Ende des kommenden Jahres Personenfreizügigkeit voll gewährleistet wird, zeigt den großen Vorteil einer migrationsfreundlichen Politik. Doch sollte sich diese Politik nicht allein auf unsere unmittelbaren Nachbarn beziehen.

Die Warnung, eine großzügige Einwanderungspolitik würde dazu führen, dass „Ausländer“ unsere Sozialsysteme ausnutzten, lässt insbesondere Rückschlüsse zu auf die Warnenden. Warum sollte das erste Ziel eines Menschen Bequemlichkeit sein und nicht die Chance zu Leistung? Oder umgekehrt gefragt: Warum hat die Ghanaerin oder der Indonesier nicht so viel Solidarität verdient wie die Frau aus Koblenz und der Mann aus Bremerhaven?

In der Tat ist der Wohlfahrtsstaat wohl das größte Hindernis auf dem Weg zu einer weltweiten Personenfreizügigkeit. Doch selbst wenn man auf dieses Charakteristikum westlicher Gesellschaften nicht verzichten wollte, gäbe es immer noch viele pragmatische Lösungen, Immigration zu vereinfachen. Noch mehr als die Öffnung der Märkte würde eine Öffnung der Grenzen den weltweiten Wohlstand signifikant steigern. Millionen könnten ihre Lebenssituation verbessern: nicht nur, indem sie am Arbeitsmarkt der alternden westlichen Gesellschaften partizipieren, sondern auch, indem sie gut ausgebildet in ihre Heimatländer zurückkehren und dort investieren. Der einheimische Arbeitsmarkt würde – vom Niedriglohnsektor bis hinauf in die obersten Manageretagen – von der Energie und Innovationsfreude ambitionierter junger Menschen profitieren.

Alle drei Wünsche mögen naiv klingen. Doch liegt das vielleicht weniger an den Wünschen selbst als vielmehr daran, dass wir oft gefangen sind in unseren Denk- und Handlungsgewohnheiten. Wir lassen uns vorschnell von irrationalen Ängsten treiben, die uns nicht selten von den kleinen Interessengruppen bildreich ausgemalt werden, die hier von den Restriktionen profitieren. Die zugrunde gehenden Bauernhöfe und Kleinbetriebe sind ebenso Schreckgespenster wie die Drogenmassen, die unsere Schulhöfe überschwemmen würden, oder die unüberschaubaren Mengen von Afrikanern, die dann das Mittelmeer überqueren und wie Heuschrecken über Europa herfallen würden. Wesentlich wahrscheinlicher ist, dass der weltweite Wohlstand durch diese Maßnahmen erheblich gesteigert und damit die Situation aller Menschen verbessert werden könnte.

Weihnachten ist das Fest der Besinnung. Nutzen wir diese Besinnung auch dazu, uns aus unseren angstgeleiteten Denkmustern zu befreien, einen Schritt zurückzutreten und aus dem Abstand der Vernunft und insbesondere auch des Verantwortungsbewusstseins auf diese drängenden Fragen zu schauen. Das letzte Wort soll Václav Havel gebühren, der 1991 bei der Entgegennahme des Karlspreises sagte: „Meiner Ansicht nach müssen wir alle uns aus der Befangenheit in verschiedensten partikularen Interessen und gedanklichen Stereotypen befreien und in uns selbst den Mut zu schnellen, unkonventionellen und manches Mal auch riskanten Schritten finden, die so weit wie möglich kurzfristige und Teilinteressen den langfristigen und Gesamtinteressen unterordnen.“

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  • http://www.facebook.com/eul.chen.3 Eul Chen

    das mit den drogen ist wohl wahr, und was könnte man steuern einnehmen wie bei Alkohol und Zigaretten, und was verboten ist hat noch mehr reiz…

  • Pingback: Befreien wir uns von den Ängsten! Drei Wünsche zu Weihnachten | Acton's Heir

  • Florian Pollok

    Einzig die Gewinne werden privatisiert, Verluste Sozialisiert. Das nutzt weder der Gesellschaft, noch den Verbrauchern/-innen, noch den Armen. Es nutzt einzig den Sponsoren/Finanziers der INSM.

  • http://www.facebook.com/heinz.quercioli Heinz Quercioli

    Sage Nur Dazu erst Stirbt die freie Marktwirtschaft und dann die Demokratie,N.W.O-Bedeutet(Neue Weltordnung)

  • Alex

    Mir scheiß egal….

  • Andre Krumnau

    Danke schön und euch auch eine besinnliche Zeit. Konstruktivismus verbinde Thema 1 und 3 so kann man sich mittels Kräftekonzentration Thema 2 widmen.

  • David Glöckler

    Ja wo führt uns diese Entwicklung hin? Dr. Thilo Bode hat da auch einige Kernaussagen mit dem Nagel auf den Kopf getroffen (www.weltenwandler.tv)

  • Philipp

    …und der Professor wird lebenslang grosszügig von der Allgemeinheit alimentiert, fordert aber gleichzeitig den ungebremsten Kapitalismus. Von wem wird er denn suventioniert?

  • hab ich

    Der Autor fordert die Freigabe der Drogen. Kann ich mir gut vorstellen, denn nur im Vollrausch kann man solch einen Blödsinn wie diesen Artikel verfassen. “Die Warnung, eine großzügige Einwanderungspolitik würde dazu führen, dass „Ausländer“ unsere Sozialsysteme ausnutzten, lässt insbesondere Rückschlüsse zu auf die Warnenden. Warum sollte das erste Ziel eines Menschen Bequemlichkeit sein und nicht die Chance zu Leistung?” Weil es in 80% der Fälle nunmal so ist. Das sieht man allerdings nicht im warmen Elfenbeinturm, sondern nur im realen Leben, wenn man die Augen offen hält. Doch als von der arbeitenden Bevölkerung gepamperter Doktorand kann man ja großzügig sein…

    • Clemens Schneider

      Sie scheinen den Verfasser gut zu kennen, wenn Sie so bildreich beschreiben, wie er “im warmen Elfenbeinturm” sitzt und “gepampert” wird.

Autor

Clemens Schneider

Clemens Schneider ist Mitbegründer des freiheitlichen Think Tanks "Prometheus - Das Freiheitsinstitut" und arbeitet in Katholischer Theologie an einer Dissertation über den englischen Historiker Lord John Acton.

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