Die Energiewende hat ihr Gutes: Der Ausbau der Erneuerbaren Energien sichert die Stromversorgung der Zukunft. Aber es gibt auch Schattenseiten. Eine Auflistung der Probleme.
1) Netzausfälle
Deutschland ist bereits im letzten Winter nur knapp katastrophalen Netzausfällen entgangen, wie die Bundesnetzagentur feststellte. Diese Entwicklung wird sich weiter verstärken, da weitere konventionelle Kraftwerke durch unsicheren Sonnen- und Windstrom ersetzt werden. Auch die größten Ausbaumaßnahmen bei den Erneuerbaren können die konventionellen Kraftwerke vorerst nicht ersetzen, da diese immer einspringen müssen, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Die Versorgungssicherheit hat abgenommen.
2) Export von Arbeitsplätzen
Die Energiewende bewirkt einen Export von Arbeitsplätzen auf mehreren Ebenen. Da Deutschland zunehmend auf Stromimporte angewiesen ist und weniger Strom exportiert als zuvor, werden Arbeitsplätze in den Kraftwerken zunehmend in die umliegenden Länder verlagert.
Durch den Atomausstieg werden Menschen arbeitslos, die zuvor in diesen Kraftwerken gearbeitet haben. Hier muss insbesondere auf den Wert des exportierten und importierten Stroms und weniger auf die Mengen Bezug genommen werden, da Deutschland vor allem dann Strom exportiert, wenn die Preise aufgrund des Überangebots Erneuerbarer sehr niedrig sind.
Außerdem führen steigende Strompreise zur Verlagerung industrieller Produktion ins Ausland. Dies kann durch Ausnahmeregelungen etwas abgemildert werden.
Der Kaufkraftentzug durch die EEG-Umlage führt darüber hinaus zu geringerem Konsum und Investitionen, da den Unternehmen und Privathaushalten, weniger Geld zur Verfügung steht. Dies führt zu einer geringeren Binnennachfrage und eventuell auch zu einer Verlagerung oder einem Verlust von Arbeitsplätzen in den Branchen, die von geringerer Nachfrage betroffen sind.
Alle so arbeitslos gewordenen Bürger zahlen weniger Steuern als zuvor und nehmen staatliche Transfers in Anspruch. Die Unternehmen können weniger Einnahmen und weniger Gewinn durch den Atomkraftausstieg verbuchen und führen somit ebenfalls weniger Steuern an den Staat ab. Durch den Ausstieg bedingt steigen die Strompreise und die Versorgungssicherheit sinkt, was entweder zu höheren Preisen der Endprodukte führt, zur Abwanderung der Unternehmen ins Ausland oder zur Schließung. Dies droht die industrielle Basis und das mittelständische Gewerbe in Deutschland zu gefährden.
3) Falsches Fördermodell
In einem Interview äußert sich der Ökonom Christoph Schmidt, Wirtschaftsweiser und RWI-Direktor, zu der Energiewende. Er kritisiert das Festhalten an zwei Zielen, der Senkung des Treibhausgasausstoßes und dem Ausbau erneuerbarer Energien, trotz des Ausstiegs aus der Atomkraft. Will man aus der Atomkraft aussteigen, so wäre es einfacher, zuerst als Ersatz der Kernkraft die Kohlekraftwerke auszubauen. Will man die Treibhausgasemissionen senken, hätte man demzufolge erstmal auf den Atomausstieg verzichten sollen.
Um die Energiewende kostengünstiger zu erreichen, so der Ökonom Christoph Schmidt, Wirtschaftsweiser und RWI-Direktors, sei es außerdem besser, auf effizientere Technologien bei der Verfeuerung fossiler Energieträger und auf Quoten zur Nutzung erneuerbarer Energien zu setzen. So würden durch den Wettbewerb die günstigsten und effizientesten Technologien eingesetzt.
Diese Form der Regelung wäre im Gegensatz zum EEG technologieneutral. Die Erzeugung von Strom aus Sonneneinstrahlung kostet etwa achtmal so viel wie konventionell produzierter Strom. Anderen erneuerbaren Energieträgern, die ein besseres Preis-Leistungs-Profil aufweisen, werden wesentlich geringere Subventionen zugestanden.
Es geht bisher somit nicht darum, ein bestimmtes Ziel, zum Beispiel eine bestimmte Menge produzierten Stroms aus erneuerbaren Energien, effizient mit geringstmöglichem (finanziellem) Einsatz zu erreichen, sondern auch kostenungünstige Technologien zu fördern. Aus dieser ineffizienten Förderungen ergibt sich auch das Phänomen, dass fast die Hälfte der EEG-Milliarden in die Solarenergie fließen, obwohl diese nur einen Bruchteil des Stroms aus erneuerbaren Energien liefert.
Demgegenüber besteht das technologieneutrale Instrument des Emissionshandels, das die Treibhausgasemissionen effizient senkt. Dieses Instrument wäre nach Schmidt auszubauen. Auch die Befragten des Ökonomen-Barometers unterstützen mehrheitlich einen Ersatz des EEG durch eine Ökostromquote.
Gerade die Kombination verschiedenster Fördermaßnahmen führt zu einer sehr teuren, wenig effizienten Förderung, zum Beispiel zu einem extremen Aufbau der Solarenergie in einem sonnenarmen Land. Ein Problem ist auch, dass mehr Pumpspeicher nötig werden, als in Deutschland derzeit gebaut werden können.
4) Netzausbau nicht effizient
Das Netz muss intelligenter und ausgebaut werden. Dies kostet Milliarden, die die Steuerzahler und Stromkunden bezahlen müssen. Allein für den Netzausbau – die Anbindung von Windparks im Meer eingeschlossen – werden 60 Milliarden Euro veranschlagt. Wichtiger und volkswirtschaftlich sinnvoller als ein schneller Aufbau der erneuerbaren Energien sind der Ausbau der Netze und die weitere Forschung an den erneuerbaren Energien, damit diese effizienter und wirtschaftlicher werden.
Fazit: Schlechte Noten
Im aktuellen Ökonomen-Barometer erntet die Energiepolitik der Bundesregierung dementsprechend schlechte Noten. Besonders plakativ bringt dies Prof. Raffelhüschen (Universität Freiburg) zum Ausdruck, er bezeichnet den Atomausstieg als eine „populistische Panikentscheidung“. Prof. Löchel (Frankfurt School of Finance) ergänzt, die Politiker haben die Energiewende „überhastet und aus opportunistischen Gründen“ begonnen, ohne dabei Maßnahmen zu überdenken, die den „Anstieg der Energiekosten bremsen könnten“. Die Ökonomen erwarten einen Anstieg des Strompreises um 30 Prozent bis 2017.
Professor Haucap, Mitglied der Monopolkommission und Direktor des Düsseldorf Institute for Competition Economics, bringt dies auf den Punkt, indem er sagt, die „dicke Rechnung kommt noch“.
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