1. Die unheimliche Macht der EZB
(handelsblatt.com, Norbert Häring)
Bereits der europäische Rettungsschirm ESM hat eine breite Debatte über die demokratische Kontrolle der Krisenmechanismen ausgelöst, die zur Stunde auch das Bundesverfassungsgericht beschäftigt. Mit ihrem gestrigen Beschluss, bei Bedarf unbegrenzt Staatsanleihen von Krisenländern zu kaufen, weitet sich die Diskussion über die Legitimation der Euro-Politik auch auf die Europäische Zentralbank (EZB) aus. “Es wird deutlich, wie weitreichend die Macht der EZB ist. Sie reicht mindestens so weit wie die des ESM, aber die demokratische Kontrolle ist Null”, schreibt Norbert Häring.
2. Kennt Not kein Gebot?
(faz.net, Holger Steltzner)
Auch FAZ-Herausgeber Holger Steltzner übt scharfe Kritik an der EZB-Entscheidung. Dem Versprechen, dass die Zentralbank Staaten nur dann mit Anleihekäufen helfen werde, wenn Reformauflagen akzeptiert würden, schenkt er wenig Glauben. Die EZB habe sich zum Gefangenen der Politik gemacht: “Indem sie bereitwillig die ihr angetragene Rolle des Ausputzers für das politische Versagen der Euro-Retter spielt, kann sie aus dem Kaufprogramm nicht wieder aussteigen.”
3. “Der Euro war ein romantisches Hirngespinst”
(presseurop.eu, Philippe Coste)
Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman geht mit der deutschen Krisenpolitik hart ins Gericht. Die Deutschen seien immer zur Stelle, wenn es darum gehe, anderen ihre mittelmäßige Tugendhaftigkeit vorzuwerfen. Zwar halte er die “panische Angst vor Inflation” für nachvollziehbar. Dabei scheine das kollektives Gedächtnis der Bundesrepublik seiner Ansicht nach aber auszublenden, wie viel Leid die Deflationspolitik der 1930er Jahre auslöste. “Grundsätzlich befindet sich Europa nicht auf dem absteigenden Ast. Es ist ein produktiver und innovativer Kontinent”, sagt Krugman. “Es hat nur versäumt, dem richtigen Team das Steuerrad in die Hand zu drücken.”
4. Was auch Romney kapieren muss
(ftd.de, Joseph Stiglitz)
Es ist ein Plädoyer für die Soziale Marktwirtschaft, mit dem der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Joseph Stiglitz im US-Präsidentschaftswahlkampf auf sich aufmerksam macht. “Konservative Politiker in den USA unterschätzen die Wichtigkeit öffentlich bereitgestellter Ausbildung, Technologie und Infrastruktur”, schreibt der Nobelpreisträger. Der private Sektor sei zwar für eine moderne Volkswirtschaft von entscheidender Bedeutung, reiche aber für ihren Erfolg allein nicht aus. Deshalb müsse sich an der Staatsfinanzierung jeder angemessen beteiligen – allen voran der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Mitt Romney, der trotz eines großen Vermögens nur geringe Steuern zahle. Eine Marktwirtschaft könne schließlich nur überleben, wenn sie auch als fair wahrgenommen werde.
5. Warum wir irrational handeln, sobald es etwas gratis gibt
(bloomberg.com, Wendy Woloson, englisch)
Gratis-Spielzeug von McDonald’s im “Happy Meal”, kostenlose Kugelschreiber beim Abschluss eines Zeitungsabos oder Bonusmeilen für den Langstreckenflug: Scheinbar an jeder Ecke gibt es etwas umsonst. Marketingstrategen haben seit Jahrzehnten enormen Erfolg, indem sie den Konsumenten Geschenke machen, die eigentlich keine sind. Aber alles hat seinen Preis, auch wenn es vorgeblich umsonst daher kommt. Doch die verborgenen Kosten werden meistens übersehen.
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