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Energiewende: “Wir können Milliarden sparen”

Die Energiewende verschlingt Milliarden. Das Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat die Kosten errechnet und schlägt ein Alternativ-Modell zum Erneuerbaren-Enrergien-Gesetz (EEG) vor, womit der gleiche Ausbau der erneuerbaren Energien deutlich billiger möglich wäre. Die gesamte Studie, die im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) erstellt wurde,  findet sich hier. Hier auf dem Blog ein Interview mit dem Studien-Ersteller, Prof. Dr. Manuel Frondel.


Das Interview im Fließtext:

“Die Energiewende ist nach meinem Dafürhalten der Ausstieg aus der Kernenergienutzung – die große Mehrheit der Bevölkerung sieht in der Energiewende allerdings den Ausbau der erneuerbaren Energien. Begonnen hat der Ausbau der erneuerbaren Energien mit dem Stromeinspeisegesetz von 1991, dieses geht auf die CDU, ich glaube sogar auf Helmut Kohl zurück. Fortgesetzt wurde das Stromeinspeisegesetz im Jahre 2000 mit dem heute sehr bekannten Erneuerbare-Energien-Gesetz. Dieses sieht vor, dass jede Technologie, unabhängig von ihrer Wettbewerbsfähigkeit einen bestimmten Vergütungssatz bekommt, beispielsweise Photovoltaik, oder die Solarstromerzeugung, erhält bislang die höchsten Vergütungssätze mit im letzten Jahr noch 25 Cent pro Kilowattstunde Solarstrom und so gibt es Vergütungen für jede einzelne Technologie, die im EEG, im Erneuerbaren-Energien-Gesetz, festgelegt sind.”

Das Klima zu retten kostet Geld. Was bringt denn das EEG für den Klimaschutz?

“Entgegen der landläufigen Meinung, sorgt das deutsche EEG nicht dafür, dass mehr Klimaschutz erfolgt. Tatsächlich ist durch die Koexistenz  mit dem Emissionshandel, dem von Umweltökonomen präferierten Klimaschutzinstrument, die Klimaschutzwirkung des EEG Null.  Der Grund ist, dass zwar durch das EEG im deutschen Stromerzeugungssektor CO2-Emissionen, also Kohlendioxidemissionen, eingespart werden. Dies senkt aber gleichzeitig den CO2-Preis im Zertifikathandel und sorgt dafür, dass eben Klimaschutzmaßnahmen in anderen Ländern billiger werden und entsprechend mehr an CO2-Emissionen in anderen Ländern in Europa ausgestoßen wird. Im Endeffekt ist die Klimaschutzwirkung des EEG dadurch Null. Es wird genau das erreicht, was als Obergrenze im europaweiten CO2-Zertifikatehandel  erlaubt ist.”

Dem Klima bringt das EEG also nichts. Und was ist mit den Kosten?

“Durch die Förderung von sehr teuren Technologien, insbesondere von der Photovoltaik, also die Herstellung von Solarstrom, ist das deutsche EEG sehr teuer. Die Stromverbraucher mussten in der Vergangenheit von der Einführung des EEG im Jahr 2000 bis zum Ende des Jahres 2011 in der Summe bereits rund 52 Milliarden Euro zahlen. Wir haben ausgerechnet, dass bei einer Beibehaltung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes bis zum Jahr 2020 auf den Stromverbraucher weitere Zahlungsverpflichtungen in Höhe von rund 60 Milliarden Euro zukommen. Mit einer anderen Förderlösung wie beispielsweise dem Quotenmodell könnten wir diese Förderung auf rund sechs Milliarden Euro begrenzen. Wir könnten also 54 Milliarden Euro an Kosten sparen, wenn wir das EEG zugunsten eines kosteneffizienten Fördersystems aufgeben.”

Das Quotenmodell ist also deutlich billiger als das EEG. Wieso eigentlich?

“Das Quotenmodell wie der Name bereits sagt, schreibt den Stromversorgern eine bestimmte Quote an erneuerbaren Energien vor, die die Stromversorger einhalten müssten. Das können sie dadurch tun, dass selbst in erneuerbare Energietechnologien investieren, oder aber sogenannte grüne Zertifikate von Produzenten von grünem Strom einkaufen, die für die Stromerzeuger dann den grünen Strom produzieren. Wichtig ist, dass man die Wahl hat selbst in diese Technologien zu investieren oder aber Zertifikate im Zertifikathandel zukaufen kann und so mit Hilfe der Zertifikate dann die Quote einhalten kann. Diese Flexibilität sorgt dafür, dass das Quotenmodell gegenüber dem jetzigen EEG-System kostengünstiger sein kann. Darüber hinaus gibt es weitere Vorteile. Man hat als Erzeuger von grünem Strom den Anreiz in diesem Quotenmodell nur dann grünen Strom einzuspeisen, wenn auch entsprechend ausreichend große Nachfrage dafür da ist. Beim jetzigen System, dem EEG, kann immer eingespeist werden, auch wenn keine Nachfrage da ist und es wird generell vergütet, mit dem festgeschriebenen, meist hohen Vergütungssatz. Ein weiterer Vorteil des Quotenmodells ist, dass das Quotenmodell nicht auf Deutschland begrenzt sein müsste. Man könnte es ausweiten auf die europäische Union. Dann würden im Rahmen so eines harmonisierten Quotenmodells die Technologien dort installiert werden, wo es besonders vorteilhaft ist. Beispielsweise würde die Photovoltaik vorzugsweise in südeuropäischen Ländern errichtet werden, wo viel die Sonne scheint. Es würden nicht vor allem in Deutschland die meisten Kapazitäten von Photovoltaikanlagen errichtet werden, sondern in Griechenland, Italien oder Spanien, wo viel die Sonne scheint.”

Die Zahlen, die in diesem Interview genannt werden, sind Ergebnisse der Studie „Marktwirtschaftliche Energiewende: Ein Wettbewerbsrahmen für die Stromversorgung mit alternativen Energien“ des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung. Die Studie und mehr Informationen erhalten Sie unter www.insm.de/EEGstoppen

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