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5 vor 10: Island, Energiewende, Rohstoffe, Wirtschaftsgeschichte, Kapitalflucht

1. Europa sollte sich Island als Vorbild nehmen
(ftd.de, Steingrimur Sigfusson)
Im Herbst 2008 stand Island am Abgrund. Die Finanzkrise hatte den kleinen Inselstaat voll erwischt: Binnen weniger Tage kollabierte das komplette Bankensystem, anschließend verlor die isländische Währung 40 Prozent ihres Wertes – und niemand war mehr bereit, der isländischen Regierung Geld zu leihen. Mittlerweile ist das Land wieder auf einem guten Weg: Die Finanzmärkte haben wieder Vertrauen in das Land, ein Wachstum von rund drei Prozent wird für dieses Jahr erwartet. Islands Wirtschaftsminister Steingrimur Sigfusson findet: Sein Land ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich Krisen meistern lassen.

2. Regierung muss die Energiewende reformieren
(handelsblatt.com, Stephan Kohler)
Wenn der Wind nicht weht und keine Sonne scheint, dann fließt auch keine erneuerbare Energie. Der rasante Ausbau von Windkraft und Photovoltaik bringt das deutsche Elektrizitätssystem deshalb an seine Grenzen: Eine sichere Energieversorgung ist nur noch mit gewaltigen Überkapazitäten möglich. Das kostet viel Geld und sollte der Regierung Anlass geben, die Energiewende zu reformieren, meint der Chef der Deutschen Energie-Agentur, Stephan Kohler: “Die Diskussion über hohe Strompreise sollte allen zu denken geben, die die Energiewende befürworten. Ohne Akzeptanz in der Bevölkerung ist die Energiewende kaum durchzusetzen.”

3. “Auf keinen Fall die Chinesen kopieren”
(sueddeutsche.de, Marc Beise und Thomas Fromm, Video)
Eine gesicherte Rohstoffversorgung ist essentiell für die Wirtschaft. Ein rohstoffarmes Land wie Deutschland muss daher Lieferungen an den Weltmärkten einkaufen. Die chinesische Regierung ist dabei einer der schärfsten Konkurrenten: Sie sichert sich mithilfe der Staatsmilliarden weltweit Zugang zu den Rohstoffmärkten der Zukunft. “Können wir mit Marktwirtschaft dagegen bestehen?”, fragt der Wirtschaftsressortleiter der Süddeutschen Zeitung im Videoblog.

4. Was Ökonomen aus der Geschichte lernen können
(wiwo.de, Ferdinand Knauß)
Europa kann man nur verstehen, wenn man seine Geschichte kennt. Das gilt nicht nur für die Politik, sondern in großem Maße auch für die Wirtschaft. Das zumindest findet Werner Abelshauser. Er ist Wirtschaftshistoriker an der Universität Bielefeld und geht mit Geschichtsvergessenheit seiner Kollegen hart ins Gericht: Weil sie hauptsächlich statistische Merkmale in den Blick nähmen, würden sich die Methoden vieler Ökonomen besser dafür eignen, das Wetter vorherzusagen als die wirtschaftliche Entwicklung. Auch die Euro-Krise lasse sich aus einer historischen Perspektive deutlich besser verstehen, meint Abelshauser.

5. Sollen Unternehmen ihr Geld aus Europa abziehen?
(carta.info, Dirk Elsner)
Die Meldung zog weite Kreise: Anfang des Monats kündigte der Finanzvorstand des Ölkonzerns Shell an, Geldbestände aus dem Euro-Raum ins Ausland zu verlagern. Zu groß sei die Sorge vor einem Crash. “Konzerne ziehen Geld aus dem Euro-Raum ab”, titelte die Wirtschaftspresse. Von breitflächiger Kapitalflucht war die Rede. Die Katastrophenszenarien hätten viele Unternehmen verunsichert, die bislang noch Vertrauen in den Euro hatten, schreibt Dirk Elsner. Er warnt davor, den Untergangspropheten zu sehr zu glauben: “Nach meiner Auffassung ist jetzt für Unternehmen nicht die Zeit, im überhasteten Aktionismus spekulative Positionen in Fremdwährungen einzugehen.”

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