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Sparen für die Bildung – Eine gute Idee?

Bildung kostet. Wer soll sie bezahlen? Soll individuell bezahlt werden, wer Bildung in Anspruch nimmt, oder die gesamte Gesellschaft? Von der FDP kommt jetzt der Vorschlag, das individuelle Ansparen für Bildungszwecke zu subventionieren.  Eine gute Idee – aber nicht zu Ende gedacht. 


Bevor sie in ihrem Elternhaus laufen lernen, haben viele Kinder schon die Grundlagen für ihr eigenes Heim gelegt. Genauer gesagt, sie wurden gelegt. Der Bausparvertrag ist immer noch eines der beliebtesten Geschenke, das Eltern und Großeltern ihrem Nachwuchs in die Wiege legen. Das Eigenheim ist tief verankert im deutschen Bewusstsein. Wer ein Haus baut, verdient Respekt.

Eng angelehnt an diese Idee hat die FDP den Vorschlag eines Bildungssparvertrages gestaltet. Patrick Meinhardt, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, stellte die Idee auf dem Kongress „Bildungssparen – eine neue Säule der Bildungsfinanzierung“ zur Diskussion. Eltern oder Großeltern sollen für den Nachwuchs ein Bildungskonto einrichten, das dann staatlich gefördert wird. Im Koalitionsvertrag ist ein Startguthaben in Höhe von 150 Euro vereinbart – denkbar ist aber auch ein Modell nach österreichischem Vorbild mit einer Prämie auf einen festgelegten Sparbetrag. Genutzt werden soll das Geld für Ausbildungs- oder berufliche Weiterbildungsmaßnahmen. Der Charme der Idee liegt darin, dass jeder selbst entscheidet, wann investiert wird und in welche Bildungsmaßnahme das Geld fließt.

Die Idee hat aber Schwächen. Die Offensichtlichste: Wofür soll gespart werden? Bildung bis zum Hochschulabschluss ist in Deutschland weitestgehend kostenlos. Studiengebühren sind nur wenige Jahre nach der Einführung wieder auf dem Rückmarsch. Jüngst wurden in NRW die Studiengebühren wieder abgeschafft. Und für die Lebenshaltungskosten lohnt sich ein Bildungssparvertrag nicht, die schultern die Studierenden seit jeher. Mit dem Bafög tritt der Staat hier auch schon als Förderer auf.

Der Vorschlag der FDP ist eher ein Aufruf für einen Paradigmenwechsel. Bildung soll nicht mehr nur aus öffentlichen Steuermitteln finanziert werden, sondern auch direkt aus privater Tasche. Also eine Entwicklung in Richtung eines Modells, das in vielen Ländern – vor allem den angelsächsischen – bereits gang und gäbe ist. Das impliziert Studiengebühren.

Deutschlands Staatshaushalt ist im Moment noch relativ solide, aber mittelfristig kommen auch wir nicht um Ausgabensenkungen herum. Wenn eine private Beteiligung im Hochschulbereich die staatliche Finanzierung ergänzt, könnten die öffentlichen Haushalte entlastet werden.

Parallel muss dazu auch ein anderes Verständnis von Bildung Einzug halten. Ausbildung ist eine Investition in sich selbst. Oder ökonomisch ausgedrückt: Bildung lohnt sich, denn sie wirft eine hervorragende Rendite ab. Andreas Schleicher von der OECD, bekannt als PISA-Papst, rechnete auf dem FDP-Kongress vor, dass der private Ertrag eines Studiums bei 150.000 Dollar pro Person liegt. Da ist es nur fair, wenn die, die direkt profitieren – also die Studenten – auch direkt an den Kosten beteiligt werden.

Natürlich profitiert nicht nur der Einzelne, sondern auch die Gesellschaft von der Investition in Akademiker. Neben den Vorteilen einer hochqualifizierten Arbeitskraft fließen die höheren Steuerzahlungen ins Staatssäckel. Laut Andreas Schleicher liegt der Fiskalertrag eines Akademikers bei rund 90.000 Dollar. Vor diesem Hintergrund ist es richtig, eine vernünftige Mischung aus privater und öffentlicher Finanzierung des Studiums zu finden. Für ein Bildungssystem in diesem Sinne erscheint das Bildungssparen attraktiv. Bislang wird das Studium nachgelagert finanziert, über Steuern. Der Vorschlag der FDP zielt auf eine vorgelagerte Finanzierung. Man kann 15-20 Jahre lang Kapital aufbauen, um sich nicht während des Studiums Gedanken um die Finanzierung machen zu müssen.

Generell gilt: Bildung muss aufgewertet werden. Dieser Impuls muss ganz besonders bei den Gruppen ankommen, die Bildung bislang nicht wertschätzen. Kinder aus sozial schwachen Familien oder Kinder mit Migrationshintergrund tendieren eher dazu, die Schule abzubrechen und damit aus dem Bildungssystem herauszufallen. Das zu verhindern braucht Überzeugungsarbeit und viel Engagement, um den Wert von Bildung bei diesen Gruppen zu vermitteln.

An dieser Gruppe geht der Vorschlag der FDP vorbei. Denn gerade Menschen aus sozial schwachen Verhältnissen können es sich kaum leisten, Geld zur Seite zu legen für ein Bildungskonto. Wenn das Bildungssystem in Richtung mehr finanzieller privater Beteiligung umgestaltet würde, ist mehr Förderung für finanziell schwache Mitbürger unverzichtbar. Sonst geht die Schere zwischen Akademikern und Nicht-Akademikern immer weiter auseinander.

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Autor

Philipp Lürwer

hat Volkswirtschaftslehre an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster studiert.

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