Laut einer Studie im Auftrag von Ministerin Ilse Aigner sind die Zinsen für eine geduldete Kontoüberziehung zu hoch. Wesentlich sinnvoller, als die freiwillig getroffenen Entscheidungen der Menschen unter die Lupe zu nehmen, wäre es, die den Menschen auferlegten Zwänge zu hinterfragen.
Letzten Donnerstag hat Ilse Aigner, Ministerin für die Bevormundung erwachsener Menschen, eine Studie vorgestellt, derzufolge die Zinsen für eine geduldete Kontoüberziehung zu hoch seien.
Frau Aigner hat zwei Experten damit beauftragt, die angemessene Zinshöhe auszurechnen. Dieser damit quasi staatlich empfohlene Preis für Kontoüberziehungen liegt unter dem Marktniveau. Kann daraus etwas anderes geschlossen werden, als dass sich wieder einmal die niederen Instinkte skrupelloser Banker bahn brechen?
Ich fürchte, ganz so einfach schwarz und weiß ist die Realität nicht. Vielmehr liegt m. E. solchen Versuchen, eine „angemessene“ Preishöhe für etwas bestimmen zu wollen, ein Denkfehler zu Grunde. Zunächst einmal gibt es so etwas wie den „richtigen“ Preis nicht. Die Wünsche und Bedürfnisse, die Vorlieben und Abneigungen von Menschen sind höchst unterschiedlich. Daher ist auch höchst unterschiedlich, welche Güter oder Dienstleistungen für Menschen attraktiv sind und welchen Preis sie dafür zu zahlen bereit sind. Der Wert, den Menschen Gütern und Dienstleistungen zuschreiben, ist immer subjektiv und daher von Mensch zu Mensch verschieden. Damit ist aber klar, dass es den einen, richtigen Preis gar nicht geben kann.
Auch der Ansatz, die Kosten als Anhaltspunkt für einen gerechtfertigten Preis anzunehmen, führt nicht weiter. Das lässt sich unmittelbar am Beispiel einer Dienstleistung erkennen. Denn wer, außer der Erbringerin einer Leistung, könnte sagen, wie viel diese Leistung ihre Erbringerin subjektiv kostet?
Es führt also kein Weg daran vorbei: der beste, der gerechteste Preis ist derjenige, der sich in freier Verhandlung zwischen Anbieter und Nachfrager ergibt. Das kleine Wörtchen „frei“ ist dabei entscheidend. Es schließt staatlich empfohlene Preise aus, von festgesetzten ganz zu schweigen.
Der Einwand, dass es auch Monopole oder Anbieter mit großer Marktmacht gibt, ist ebenfalls bedenkenswert. Hier geht er allerdings an der Sache vorbei. Denn neben dem Ausweichen der Kundschaft auf andere Banken besteht auch die Möglichkeit, auf andere Produkte auszuweichen und z. B. einen Kredit aufzunehmen. Oder, ganz einfach, nicht mehr Geld auszugeben, als man hat.
Jeder Mensch, der lesen, schreiben und rechnen kann, kann solche Entscheidungen für sich selbst treffen. Und wenn dabei herauskommt, dass er lieber höhere Zinsen bezahlt, als die Bank zu wechseln, dann ist auch das sein gutes Recht.
Der von Frau Aigner vergebene Auftrag für eine solche Studie beruht also auf ökonomisch und politisch zweifelhaften Prämissen. Viel sinnvoller, als die freiwillig getroffenen Entscheidungen der Menschen unter die Lupe zu nehmen, wäre es, die den Menschen auferlegten Zwänge zu hinterfragen. So zum Beispiel die Höhe der Steuerzahlungen, aus denen das Gehalt von Frau Aigner und überflüssige Studien finanziert werden. Denn, nur zur Erinnerung, anders als bei meiner Bank bin ich beim Staat nicht freiwillig Kundin.
