1. Amerika wächst, Europa spart
(tagesspiegel.de, Christoph von Marschall)
Die Vereinigten Staaten würden Konjunkturpolitik machen, ohne sich um die Schulden zu kümmern; Europa betreibe Bugetsanierung, als müsse es sich um das Wachstum nicht kümmern, kommentiert Tagesspiegel-Korrespondent Christoph von Marschall aus Washington. Schon zu Beginn des nächsten Jahres könnte das amerikanische Wachstum in Rezession umschlagen – und die teuren Steuergeschenke wären noch weniger finanzierbar. Es brauche endlich kreative Krisenkonzepte, doch selbst althergebrachtes wie weniger Bürokratie und der Abbau von Wettbewerbshemmnissen würde helfen.
2. Unterschätzt: Handel mit Dienstleistungen
(www.voxeu.org, Aaditya Mattoo, Ingo Borchert und Batshur Gootiiz, englisch)
Dienstleistungen machen mehr als 50 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung aus – ein unterschätzer Markt. Die Datenbank “Services Trade Restrictions Index” (STRI) weiß, welche Dienstleistungssektoren wie Telekommunikation oder Transport in welchen Ländern vom Staat beschränkt werden. Ausgerechnet in den Golfstaaten und in den schnell wachsenden asiatischen Ländern sei die Politik sehr restriktiv. Gibt es in diesen Märkten nur deshalb einen höherern Konzentrationsgrad und niedrigere Löhne?
3. Soll Griechenland gar nicht saniert werden?
(handelsblatt.com, Norbert Häring)
Themen, die einflussreichen Gruppen besonders wichtig seien, würden in offiziellen Texten einfach weggelassen oder nur kurz erwähnt und ähnlich sei es bei den Absichtserklärungen der griechischen Regierung, beobachtet Norbert Häring. Ein solcher Posten sei etwa der griechische Militärhaushalt: An ihm soll ebenso viel eingespart werden, wie an Medikamenten. “Gäbe Griechenland relativ zur Wirtschaftskraft nur ähnlich viel für sein Militär aus wie der EU-Durchschnitt, wäre seine Finanzlage heute tragfähig, teure Rettungsprogramme nicht nötig”, schreibt Häring.
4. Finanzmarkt: Regulierung auf dem richtigen Weg?
(wirtschaftswunder.ftd.de, Thomas Fricke)
Wie beurteilen führende Ökonomen die Maßnahmen zur Regulierung des Finanzmarktes, dieser Frage geht das aktuelle Zeitgespräch (PDF) des Leibniz-Informationszentrums Wirtschaft nach. So schreibt Max Otte, Professor für Unternehmensanalyse an der Karl-Franzens-Universität Graz, dass sich die Situation des Finanzmarktes seit Ausbruch der Krise nicht verändert habe. Grund dafür sei eine “Finanzmarktoligarchie”. Die “Herrschaft der Wenigen” innerhalb des Finanzsektors habe nur ein Ziel: die “Unterwerfung der Realwirtschaft unter die Dominanz der Spekulationswirtschaft”.
5. EZB darf IWF nicht blind folgen
(ftd.de, Wolfgang Proissl)
Es sind allerhand gute Ratschläge, die der Internationale Währungsfonds zur Eurorettung parat hat. Es geht um Staatsanleihenkäufe oder Liquiditätsspritzen für Banken. “Doch würde die Euro-Notenbank den Washingtoner Ratschlägen Wort für Wort folgen, würde sie sich noch weiter von ihrem Kerngeschäft entfernen, das sich ihrem Mandat zufolge auf Geldpolitik und Preisstabilität konzentriert”, kommentiert FTD-Autor Proissl. Über eines müsse sich die EZB klar sein: Ihre Notmaßnahmen nähmen den Druck von den Regierungen, schwierige Reformen umzusetzen oder auf Souveränitätsrechte zu verzichten.
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