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Berlin zahlt, Bayern profitiert: Umverteilungseffekte und Kosten der Energiewende

Die Energiewende hat Auswirkungen auf den Strompreis. Außerdem entstehen deutliche Umverteilungseffekte. Beide Punkte sind Gegenstand einer Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), deren wichtigsten Fakten im folgenden Post dargestellt und bewertet werden.


Energiekosten in der Wirtschaft

Der Anteil der Energiekosten am Bruttoproduktionswert beträgt  im verarbeitenden Gewerbe 2,4 Prozent. Dieser Anteil liegt in anderen Wirtschaftszweigen zum Teil deutlich höher, in der Metallerzeugung und -verarbeitung zum Beispiel bei 8,3 Prozent. Der Bruttoproduktionswert ist der Wert des Produktionsergebnisses einschließlich aller Vorleistungen. Bei der Betrachtung der Bruttowertschöpfung (Wert des Produktionsergebnisses abzüglich Vorleistungen) liegt der Anteil der Energiekosten im Durchschnitt  sogar bei 8 Prozent im Durchschnitt. Davon sind etwa zwei Drittel Stromkosten.

 

Anstieg der Preise und europäischer Vergleich

Seit 2002 sind die Durchschnittserlöse der Stromlieferung für Haushalte und Industrie zwischen 6 und 8 Prozent pro Jahr gestiegen. Die Strompreise für Haushaltskunden lagen im 2. Halbjahr 2010 um 35 Prozent über dem europäischen Durchschnitt. Rechnet man Steuern und Abgaben heraus, liegt der Preis etwa 10 Prozent über dem europäischen Durchschnitt. Nur in Dänemark kostet der Strom die Haushalte noch mehr Geld. Allerdings sind die Durchschnittseinkommen der Dänen auch deutlich höher. Österreicher zahlen 20 Prozent, Schweizer 40 Prozent und Franzosen sogar 45 Prozent weniger für ihren Strom. Die hohen Strompreise resultieren nicht zuletzt aus dem hohen Anteil an Steuern und Abgaben in Deutschland. Dieser Anteil liegt mittlerweile bei fast 50 Prozent am Gesamtpreis, er ist nur in Dänemark höher, wo er sogar über die Hälfte am Strompreis ausmacht.

 

EEG ist größter Posten

Die Strompreise sind in den letzten zehn Jahren um fast drei Fünftel gestiegen. Dabei haben sich in den letzten 15 Jahren Steuern und Abgaben um über 1000 Prozent auf mittlerweile 23,7 Milliarden Euro im Jahr erhöht. Diese Einnahmen sind höher als jene aus der Tabak- und den Kraftfahrzeugsteuern zusammen. Unter den Steuern und Abgaben ist die EEG-Umlage mittlerweile zum größten Posten geworden. Mit der EEG-Umlage werden gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz die erneuerbaren Energien, wie Windenergie, Sonnenenergie etc. subventioniert. Dessen Fördervolumen liegt in diesem Jahr bereits beim neuen Rekordwert von 14,1 Milliarden Euro. Bei der Verzehnfachung von Steuern und Abgaben sehen Experten erst den Beginn einer Entwicklung hin zu weiteren staatlichen Belastungen von Unternehmen und Bürgern.

Erzeugung und Vertrieb verursachen nur etwa ein Drittel der Gesamtkosten. Netzentgelt, Messung und Abrechnung verursachen weniger als ein Viertel der Kosten und der Rest sind Steuern und Abgaben. Der Anteil der Stromkosten am Haushaltseinkommen differiert zwischen 2,1 Prozent in Baden-Württemberg und 3,3 Prozent in Sachsen-Anhalt. In diesem Zusammenhang ist auch eine aktuelle INSM-Studie interessant: Die EEG-Umlage belastet Geringverdiener überproportional. Daher fordern die Autoren der Studie neben einer Senkung der Fördersätze eine Deckelung des Zubauvolumens. Langfristig müsse ein Ausstiegsszenario aus der EEG-Förderung entwickelt werden.

 

Entwicklung der EEG-Kosten

In den letzten Jahren hat insbesondere die Steigerung der EEG-Umlage zur Preiserhöhung des Stroms geführt. Wie kürzlich den Medien zu entnehmen war, könnte die EEG-Umlage von 3,6 auf 5 Cent pro Kilowattstunde im kommenden Jahr steigen. Für einen durchschnittlichen Haushalt, der 3.500 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht entfallen auf die EEG-Umlage 125 Euro im Jahr. Im kommenden Jahr könnten es noch 50 Euro mehr sein. Die EEG-Umlage wird mit dem fortgesetzten Ausbau erneuerbarer Energien weiter zunehmen. Eine Senkung der EEG-Vergütung führt übrigens vorerst zu keiner Senkung der Umlage, da die Sätze für zwanzig Jahre garantiert sind. Der größte Teil der EEG-Vergütung wird von der Photovoltaik in Anspruch genommen und dies wird wohl auch auf absehbare Zeit so bleiben, obwohl ihr Beitrag zur Stromerzeugung mit etwa 3 Prozent eher gering bleibt. Die Windkraft weist hier ein wesentlich besseres Verhältnis auf.

 

Auch Preis für Netzentgelt steigt

Entscheidend für die Stromerzeugungskosten sind neben der Kapazitäts- und Nachfragesituation die Brennstoffpreise und die Kosten für die CO²-Emissionszertifikate. Es wird vermutet, dass die Brennstoffpreise in den kommenden Jahren weiter steigen werden, unter anderem da die Nachfrage der Schwellenländer weiter zunimmt. Die KIT-Studie hat einen Anstieg der Großhandelspreise um bis zu 70 Prozent von 2010 bis 2025 errechnet. Der schnelle Ausbau erneuerbarer Energien erfordert außerdem einen Ausbau der Netze, der erhebliche Investitionen erfordert. Dies erhöht wiederum die Netzentgelte. Würden nur die Erzeugungskosten erneuerbarer Energien betrachtet, führte dies zu einer Unterschätzung der Kosten um mindestens 15 Prozent. Die Bundesnetzagentur rechnet mit einer Steigerung der Netzentgelte um bis zu 30 Prozent bis 2020.

 

Industriestrom-Preis über dem Durchschnitt

Auch für Industriekunden liegen die Strompreise deutlich über dem europäischen Durchschnitt, etwa 10 Prozent. Ohne Steuern und Abgaben liegt der Strompreis im europäischen Durchschnitt. Nur in Malta, Zypern, Italien und der Slowakei sind die Stromkosten für die Industrie höher als in Deutschland. In Frankreich sind diese Kosten 40 Prozent, in Spanien 30 Prozent, in der Schweiz 25 Prozent und in den Niederlanden 20 Prozent niedriger als in Deutschland. Auffällig ist auch hier der hohe Anteil von Steuern und Abgaben, der nur in Italien noch höher ausfällt. Auch hier hat die EEG-Umlage die Preise in den letzten Jahren erhöht.

 

Industrie in Gefahr

Mittlerweile leidet die Industrie erheblich unter den hohen Strompreisen. Besonders betroffen sind hier die Chemie-, Metall- und Papierindustrie, da in diesen Branchen der Anteil der Strom- an den Gesamtkosten besonders hoch ist. Wie das Handelsblatt kürzlich berichtete, beklagen sich zum Beispiel Unternehmen aus der Aluminiumbranche über die steigenden Strompreise. Erste Unternehmen haben jedoch auch schon aufgeben müssen. In der Krise konnte Deutschland von seinem vergleichsweise hohen Industrieanteil profitieren und kam schneller wieder in Tritt als andere Länder. Doch diese starke Industrie ist nun in Gefahr. Wenn die deutsche Industrie international wettbewerbsfähig bleiben soll, muss sie von den Energiekosten entlastet werden. Dies führt allerdings zu einer stärkeren Belastung der anderen Branchen und der Endverbraucher. Der überhastete Umbau der Energieversorgung gefährdet die Industrie in Deutschland.

Zwar weisen Lobbyisten auf kostensenkende Effekte der erneuerbaren Energien hin, wie die Einsparung fossiler Brennstoffe und die Dämpfung der Preise an der Strombörse an sonnen- und windreichen Tagen. Dadurch würde aber nur ein Bruchteil der Kosten, die durch die erneuerbaren Energien entstehen, aufgefangen sind sich Experten einig. Die stark belasteten Unternehmen können jedoch auf Subventionen hoffen, die zumindest einen Großteil der Kostensteigerungen auffangen. Jedoch sind diese Subventionen über den Staatshaushalt und damit durch die Bürger zu bezahlen. Die Abwanderung der Unternehmen ins außereuropäische Ausland würde dem Ziel der Emissionssenkung einen Bärendienst erweisen, da der dort bezogene Strom aus wesentlich ineffizienteren und emissionsreicheren Anlagen stammt.

 

Protest in eigenen Reihen

Mittlerweile erhebt sich sogar unter den Ökostromerzeugern erster Protest gegen die Milliarden-Subventionen. Diese sehen ihre Glaubwürdigkeit in Gefahr und befürchten, dass die hohen Subventionen die Erfolgschancen der Energiewende schmälern könnten. Sie fordern deshalb ein Umdenken, um die Endverbraucher weniger zu belasten. Durch das süße Gift der Subventionen haben viele Unternehmen der Branche schon jetzt ihre Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit verloren.

 

Berlin zahlt, Bayern profitiert

Die EEG-Umlage hat einen erheblichen Umverteilungseffekt zwischen den Bundesländern zur Folge, für den es keine ökonomische Begründung gibt. Für jedes Bundesland ergibt sich ein Saldo zwischen der kassierten EEG-Umlage für den dort aus erneuerbaren Energiequellen produzierten Strom und der durch die Stromkunden gezahlten EEG-Umlage. Bayern (1,1 Mrd. Euro), Schleswig-Holstein (379 Mio. Euro), Brandenburg (363 Mio. Euro) und Niedersachsen (355 Mio. Euro) weisen die höchsten Nettozuflüsse aus der EEG-Umlage auf. Die höchsten Nettoabflüsse weisen Nordrhein-Westfalen (-2,25 Mrd. Euro), Baden-Württemberg (-362 Mio. Euro) und Berlin (-349 Mio. Euro) auf. Legt man diese Nettozu- bzw. -abflüsse aus der EEG-Umlage auf die Bevölkerungszahl des jeweiligen Bundeslandes um, kommt man zu der Nettoumverteilung pro Einwohner, wie sie in der Grafik dargestellt wird. Brandenburg (144,51 Euro/Einwohner), Schleswig-Holstein (133,83) und Mecklenburg-Vorpommern (131,44) weisen die höchsten Nettozuflüsse pro Einwohner und Bremen (-179, 76 Euro/Einwohner), Nordrhein-Westfalen (-126,00) und Hamburg (-117,81) die höchsten Nettoabflüsse pro Einwohner durch die EEG-Umlage auf.

 

Fazit

Durch die Energiewende werden die Strompreise für Verbraucher und Unternehmen in den nächsten Jahren dramatisch steigen. Dies liegt an den steigenden Erzeugungskosten, zunehmenden staatlichen Belastungen, die durch den notwendigen Netzausbau steigenden Netzentgelte, den häufigeren und volatileren Einsatz von Reservekraftwerken und die Notwendigkeit an sonnen- und windreichen Tagen für den Stromexport zahlen zu müssen. Die Energiewende, wie sie derzeit geplant ist, wird Bürger und Wirtschaft schwer belasten. Dies führt zu Wettbewerbsnachteilen und volkswirtschaftlichen Ineffizienzen durch die Belastungen. Der durch das EEG induzierte Umverteilungseffekt ist ein weiteres Argument gegen die derzeitige Förderung der Erneuerbaren, da es eine kaum kontrollierbare und nicht begründbare Einkommensumverteilung verursacht.

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  • M. Haussmann

    - EEG Subventionen in den allg. Haushalt auszulagern hat den Effekt, dass sie kein Investitionsklima schaffen (genau das ist aber der Grund für das EEG)- EEG Subventionen sollen die Preise erhöhen, damit die Konsumenten Strom sparen und effiziente Geräte sich überhaupt auszahlen- die Karte zeigt nicht die Hamburger, die in Mecklenburg Windräder/-anteile besitzen-die deutsche Industrie verkauft nicht billig, sondern Qualität&Innovation&Lösungen. Hohe Strompreise fördern genau diese spill-over Effekte…. von daher tut das EEG genau das was es soll, nur RWE tut nicht was es soll:weniger Lobbyarbeit und mehr Geld in Speicher- & Netzausbau stecken. Der RWE Vorstand hat noch nicht verstanden was “Eisberg voraus” bedeutet. Mit dieser Strategie des weniger, langsamer und schlechter werden sie scheitern … Erfolg wird es nur mit Qualität&Innovation&Lösungen erzielen.

  • Johann Roth

    Wahrscheinlich wird die Energiewende scheitern.

  • Pingback: Milliardengrab Solarförderung: 175.000 Euro jährlich für jeden Arbeitsplatz in der Solarbranche | INSM Blog

Autor

Markus Hessler

ist Diplom-Ökonom und Master of Science (Management). Er forscht und lehrt an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg.

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