28 Ökonomik

Spekulanten schaffen Wohlstand

Eine “Spekulationssteuer” wird Kurschwankungen an den Börsen nicht verringern, sondern vergrößern. Überhaupt verkennen jene, welche eine Finanztransaktionssteuer fordern, das Wesen der Spekulation: Sie ist keine Gefahr, sondern zentral für die Wohlfahrtsmaximierung.


Die Diskussion um eine Finanztransaktionssteuer (FTS) hat in den vergangenen Wochen an Fahrt gewonnen und ist trotzdem immer absurder geworden. Frau Merkel musste sie schlucken, um der Opposition und den Franzosen den Fiskalpakt schmackhaft zu machen. Die Opposition will sie, um die „Verantwortlichen der Krise zu bestrafen“ (Gabriel). Die Länder wollen sie, um die befürchteten Einnahmeausfällen aus der Schuldenbremse auszugleichen. Ökonomen lehnen sie ab, ebenso wie Wirtschafts- und Unternehmerverbände sowie die britische Regierung. Und auch innerhalb der Koalition gibt es kritische Stimmen, vor allem in der FDP.

Im Augenblick liegt ein Vorschlag der EU-Kommission für eine FTS auf dem Tisch, der vorsieht Finanztransaktionen mit einem Steuersatz von 0,01 Prozent für Derivate und 0,1 Prozent für Aktien und Anleihen zu belegen. Die Steuer soll sowohl vom Käufer als auch vom Verkäufer getragen werden. Darüber wird zur Zeit in Berlin, Brüssel und Paris gefeilscht, während man in London und Frankfurt nur die Köpfe schüttelt, über soviel ökonomisches Unverständnis.

Die Grundidee einer wie auch immer gestalteten FTS ist es, die als gefährlich und schädlich wahrgenommen Spekulation einzudämmen, indem ein Teil der Geschäfte einfach unrentabel gemacht werden. Dieser Idee wohnen zwei Fehler inne. Zum einen ist die Prämisse der gefährlichen und schädlichen Spekulation falsch, zum anderen wird man die Volatilität des Marktes durch weniger Geschäfte nicht etwa senken, sondern sogar steigern. Die FTS ist also ein falsches Instrument zur Bekämpfung eines Problems, das gar keines ist.

Zunächst muss man sich darüber klar werden, was Spekulation eigentlich ist. Schon der Begriff ist normativ besetzt und damit eigentlich ungeeignet für die wissenschaftlich positive Analyse. Der richtige – und neutrale – Begriff ist “Erwartungsbildung”. Anhand von Informationen, Erfahrung und Beobachtung des Marktes bilden die Marktteilnehmer mehr oder weniger präzise Erwartungen des zukünftigen Marktgeschehens. Umgangssprachlich „spekulieren“ die Marktteilnehmer mit ihren Investitionsentscheidungen darauf, dass ihre Erwartungen der Zukunft korrekt sind.

Wer jetzt die laute Wall Street mit hektischen Händlern im Kopf hat, liegt nur halb richtig. Zum einen, weil inzwischen Computer die meisten Handel abschließen, zum anderen aber auch, weil jeder Besitzer von Aktien, Lebensversicherungen oder anderen Vermögenswerten ein „Spekulant“ ist. Aktienbesitzer erwarten eine gute Entwicklung des Unternehmens und steigenden Aktienwert und Dividenden. Lebensversicherte erwarten, dass die Zinsen der Lebensversicherung insgesamt höher sind als die Inflation. Und Kreditnehmer erwarten, dass die kreditfinanzierte Investition – z.B. ein Haus – irgendwann mehr wert sein wird als der Kredit samt Zinsen. Ihnen allen ist die Erwartungsbildung unter Unsicherheit über die Zukunft gemeinsam – sie „spekulieren“.

Spekulation ist essentiell für das Funktionieren eines jeden Marktes. Sie ist keine Gefahr, sondern zentral für die Wohlfahrtsmaximierung auf Märkten. Nur dadurch werden kleine Preisdifferenzen ausgeglichen, die durch Informationsasymmetrien entstehen und Möglichkeit zu Arbitrage (risikolose Gewinne) bieten. Die Spekulation hat die Aufgabe die Informationsasymmetrie zu verkleinern und jedem Marktteilnehmer die gleichen Informationen zur Verfügung zu stellen. Das funktioniert um so besser, je liquider der Markt ist. Der Markt ist um so liquider, je mehr Geschäfte gemacht werden, weil dann die Wahrscheinlichkeit steigt, dass ein Verkäufer einen Käufer findet und umgekehrt. Schränkt man die Liquidität ein, wird der Markt ineffizienter, die Arbitragefenster bleiben länger offen und die erwarteten risikolosen Gewinne steigen.

Dazu kommt die eigentlich wahnwitzige Idee durch eine FTS die Volatilität der Finanzmärkte beschränken zu können. Dahinter steht die Idee, dass die Händler die Steuer und damit einen Renditeverlust einfach hinnehmen würden – eine absurde Vorstellung. Jeder Handel wird mit dem Ziel abgeschlossen, Gewinn zu machen oder Verlust zu begrenzen. Eine FTS würde einen Teil der Gewinne abschöpfen. Zusammen mit Transaktionskosten – also z.B. Handelsgebühren, aber auch Opportunitätskosten – wird die FTS dafür sorgen, dass einige Geschäfte nicht mehr lohnenswert sind, also nicht mehr getätigt werden. Soweit ist das von der FTS auch beabsichtigt. Dadurch werden aber insbesondere kleine, also risikoarme Geschäfte vom Markt gedrängt.

Händler, die sich auf diese kleinen Geschäfte spezialisiert haben, werden also vom Markt verschwinden und die Marktstruktur wird sich dahingehend verändern, dass die Zahl der Marktteilnehmer abnimmt und die durchschnittliche Höhe und damit das Risiko der einzelnen Geschäfte zunimmt.

Ein zweiter Effekt betrifft den erwarteten Gewinn, also ein Schätzwert für den durchschnittlichen Gewinn. Weil der Gewinn jedes einzelnen Geschäfts sinkt, muss auch der Durchschnittsgewinn sinken. Die Händler werden also auf Geschäfte ausweichen, in denen die erwartete Rendite – und damit das Risiko – höher ist. Geht ein solches Geschäft dann schief, dann kann weniger des Verlusts durch andere Geschäfte aufgefangen werden, weil der Markt nicht mehr so liquide ist wie vorher. Die Gewinne schwanken also stärker, was die Ökonomen höhere Volatilität nennen. Je höher die Volaitlität, desto höher ist das Risiko. Anstatt das Marktrisiko zu begrenzen, würde eine FTS das genaue Gegenteil erreichen. Größere, riskantere Geschäfte auf weniger liquiden Märkten, mit wenigen, großen Akteuren. Ob das im Sinne der Befürworter einer FTS ist, wage ich zu bezweifeln. Um das Risiko auf Märkten zu begrenzen, müssen Bedingungen geschaffen werden, die einem „perfekten“ Modellmarkt möglichst nahe kommen – und eine FTS führt genau in die falsche Richtung.

Aber die Opposition kann sich das leisten. Die Bundesregierung benötigte eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag und im Bundesrat um den Fiskalpakt zu verabschieden, musste sie Zugeständnisse an die Opposition machen. Diese Gelegenheit ließen sich SPD und Grüne natürlich nicht entgehen, um gegen die Märkte Stimmung zu machen.

Die Opposition schafft damit eine Win-Win-Situation. Schafft sie es als Preis für die Zustimmung zum Fiskalpakt der Regierung tatsächlich eine FTS noch in dieser Legislaturperiode abzutrotzen, gewinnt sie ein gutes Jahr vor der Bundestagswahl politisches Kapital. Schafft sie es nicht, kann sie der Bevölkerung – die mehrheitlich für eine FTS ist – glaubwürdig sagen, dass der Wunsch nach einer FTS von der „marktradikalen, neoliberalen Bundesregierung“ verhindert wurde und man doch besser Rot-Grün wählen solle, um die „Maßlosigkeit der Kasinomärkte“ zu zügeln.

Ich weiß noch nicht, ob diese anti-marktwirtschaftliche Rhetorik echten Vorbehalten entspringt oder politische Taktik ist, um mit der Angst vor anonymen Märkten und Spekulanten Stimmen zu gewinnen. So oder so, dieses Vorgehen ist gefährlich. Entweder, weil die Nutzlosigkeit und Schädlichkeit einer FTS nicht erkannt wird oder aber, weil die Wähler hintergangen werden.

Die Bundesländer, die wegen der Schuldenbremse ab 2021 überhaupt keine Schulden mehr machen dürfen, haben unterdessen ihre ganz eigene Agenda. So erhoffen sich viele Ministerpräsidenten ein Stück vom FTS-Kuchen, als Quick-Fix für ihr Ausgabenproblem. Anstatt die Länderhaushalte zu kürzen, suchen sie nach neuen Einnahmequellen. Eine FTS kommt dabei sehr gelegen. Damit wird allerdings aus einer Lenkungssteuer eine Steuer, um Geld einzunehmen. Eine gefährliche Entwicklung, denn haben sich Regierungen erst einmal an eine Einnahmequelle gewöhnt, geben sie sie nicht wieder auf – unabhängig vom eigentlichen Ziel.
Keinen INSM-Blog-Post mehr verpassen? Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter oder abonnieren Sie unseren RSS-Feed oder Newsletter.

  • http://twitter.com/woksoll Wolfgang Ksoll

    Als wir nach dem Krieg eine Börsenumsatzsteuer hatten lag das BIP-Wachstum der Welt und der OECD-Staaten bei 4-6 Prozent.
    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:WeltBIPWorldgroupOECD.PNG&filetimestamp=20120525150636

    Nun schaffen die NATO-Staaten mühselig ohne Börsenumsatzsteuer gerade 2%. Mehr braucht man zu den empirisch nicht gesicherten Spekulation übe reine angebliche ökonomische Theorie eigentlich nicht zu sagen.

    Von heute von den NATO-Staaten:
    “IMF to trim global growth forecasts”
    http://www.ft.com/intl/cms/s/0/9e12cc5a-c741-11e1-849e-00144feabdc0.html#axzz1zq8WwByN

    Statt der irrationalen Annahmen hier, was ohne Transaktionssstuern, die auch TRansaktionen transparent machen, lohnt ein Blick in die tagesaktuelle Realität:

    “Britischer Zinsskandal Finanzwächter sollen Kontrollen vernachlässigt haben”
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/manipulation-des-libor-kritik-an-britischer-finanzaufsicht-fsa-waechst-a-842893.html

    Diese an den Haaren herbeigezogenen, weltfremden unempirischen Theoriespekulationn schaden dem Ruf der INSM.

    • julius_wvk

       Ich verstehe nicht annähernd, was Sie damit sagen möchten Herr Ksoll. Bitte klären Sie mich auf.

      • http://twitter.com/woksoll Wolfgang Ksoll

        Es gibt seit Jahrzehnten einen Diskurs zwischen den Neoliberalen und den eher Linken, wie eine Umsatzbesteuerung auf Finanzprodukte wirkt. Die Neoliberalen sagen wie hier, dass man der Spekulation freien Lauf lassen soll, weil sie Wohlstand schaffe. Die anderen sagen, dass wie auf andere Produkte auch eine Umsatzsteuer erhoben werden soll, um übermäßige Spekulation auf ein wirtschaftlich verträgliches Maß zu bremsen. Man kann sie Börsenumsatzsteuer, Tobinsteuer oder auch Finanztransaktionsteuer nennen.
        Nach dem zweiten Weltkrieg gab es in allen führenden NATO-Staaten eine Börsenumsatzsteuern. Einher ging damit ein hohes Wachstum.
        Dann wurde in den USA und bei uns die Börsenumsatzsteuer abgeschafft und das Wachstum wurde zeitgleich geringer.

        Wir haben durch die enthemmten Möglichkeiten gesehen, dass jede Rationalität verloren ging. Finanzprodukte wurden aneinandergereiht (jedes Mal mit Umsatzuplift, aber ohne Staat), bis das substanzlose Schneeballsystem in den USA zusammenbrach. Man konnte auch sehen, dass die Banken die meisten Gewinne beanspruchten, die aber nicht mehr für sinnvolle Investitionen sondern zur Umverteilung von unten nach oben genutzt wurde.
        Man wurde so irrational, dass man Investitionsrisiken falsch einschätzte, z.B. die Solvenz in Griechenland. Mit falschen Ratings wurden falsche Kredite gegeben, deren Risiken jetzt von den Banken auf die Staaten übertragen werden (angefangen von der Verstaatlichungen von US-Banken, über Island usw.).

        Wenn man FTS als Kosten hat, überlegt man sich seine Transaktion genauer. Dass ohne FTS mehr Wohlstand geschaffen würde, ist empirisch unbelegt. In China wird derzeit erheblich mehr Wohlstand produziert als in den NATO-Staaten mit enthemmter Spekulation. In Zahlen: in der kommunistischen Diktatur 10% Wachtum, in Spekulantengesellschaften der NATO 2%. Trotz gegenteiligen Dogmas.

        Eine rationale Diskussion mit empirischen Daten wäre nützlicher als die religiöse Beschwörung eines nicht funktionierenden Dogmas. So macht man die Volkswirtschaft unglaubwürdig. Wie Sinn, der 10 Jahre im Aufsichtsrat der Hypovereinsbank saß, unempirische Dogmen verkündete und tatenlos zusah, wie die Hypovereinsbank Milliardenverlusten in Ost-Immoblien machte (trotz “Kaltstart”-Ferndiagnose Sinns der DDR-Wirtschaft aus dem fernen Kalifornien), dann wurden die Risiken der HRE an den Steuerzahler abgegeben (Trotz Dogma, dass man auch Banken pleite gehen lassen müsse) und zum Schluss die Bank (trotz Steuersubventionen von mehreren hunderten Millionen durch Stoiber zur Bankgründung) marode an die Italiener verkauft. So geht es, wenn man den unempirischen Casino-Sprüchen Sinns folgt.

        • Tim

          Werfen Sie mal einen Blick auf historische Entwicklungen von Aktienindizies. Sie werden feststellen, daß sie im Laufe der Jahrzehnte weniger Ausschläge zeigen bzw. glatter geworden sind. Eine angenehme Nebenfolge der komplexer gewordenen Finanzwelt.

          Und wenn Sie schon ein Fan empirischer Daten sind: Der Wohlstand (BIP/Kopf PPP) in China entspricht etwa dem von Rumänien.

          Immer schön auf die Realität schauen, wenn man Empirie betreibt.

          • http://twitter.com/woksoll Wolfgang Ksoll

             Ja, Sie könne sich an Aktienindizes berauschen. Fakt bleibt aber, dass die USA in einer tiefen Depression sind. Die Aktienindizes korrelieren aber nicht mit Wohlstand:
            “Rasanter Wohlstandsverlust bedroht US-Konjunktur”
            http://www.manager-magazin.de/politik/weltwirtschaft/0,2828,842684,00.html

            In China gibt es viele Menschen, die wesentlich ärmer sind als der druchschnittliche Rumäne. Das ändert aber nichts daran, dass China nach 30 Jahren Wachstum mit 10 % nun bald in der Gesamtleistung mit 10 Bio US-$ zu den USA mit 14 Bio US-$ aufgeschlossen hat.

            Die enthemmte Spekulation hat die USA kaputtgemacht. Über 8% Arbeitslosigkeit, die Infrastruktur verrottet, die Banker entziehen für privaten Konsum der Wirtschaft das Geld für Investitionen. In der kommunistischen Diktatur China dagegen sind für über 300 Mio Menschen nach 1980 Wohnungen geschaffen (mehr als Bewohner in den USA leben), Arbeitsplätze gebaut worden, Infrastruktur errichtet. Die Aussenhandelsbilanz ist positiv, die der Zocker in USA negativ. Der Verzicht auf Realwirtschaft durch die Spekulanten hat den Wesetn deklassiert. Die Schuldenkrise schmälert nicht den Wohlstand der Bürger in China, sondern USA, Griechenland und anderen Loser-Staaten, die es zugelassen haben, dass ihre Länder verzockt werden.

          • Surp

            Keiner fragt was ist überhaupt Wachstum?

            Wenn man diese Frage beantwortet, weiß man, dass alles was wir derzeit tun Schwachsinn ist.

          • http://twitter.com/woksoll Wolfgang Ksoll

             Sagen Sie das mal 300 Millionen Chinesen, dass Sie das für Schwachsinn halten, dass die aus armseligen bäuerlichen Verhältnissen in Städte mit fließendem Wasser, Strom, Arbeit, Schulen und vielleicht Urlaub im Ausland ziehen. Ich vermute, Sie werden nicht viele Fans mit Ihrer übersättigten Arroganz finden.

        • julius_wvk

           Jetzt habe ich verstanden, was sie sagen wollten. Dennoch:
          Wir sollen die Börsenumsatzsteuer einführen (oder eine FTS) und wir haben wieder Wachstum? Da gibts noch ein paar andere Variablen, die Wachstum beeinflussen. Ebenso in China. Nur weil die Chinesen es schaffen von einem sehr geringen BIP/Kopf relativ mehr Wachstum zu generieren als wir (ein großer Teil Niveaueffekt, Solow…)heisst das nicht, dass das durch eine Börsenumsatzsteuer kommt.

  • Crazyformary

    Hallo Ihr Gehirngewaschenen, Ihr glaubt doch den Blödsinn nicht selbst oder?!

    • http://www.facebook.com/hubert.daubmeier Hubert Daubmeier

      Ich interpretiere mal die Antwort auf Inhalt:
      “Blödsinn” kann man als Nicht-Zustimmung zu dem Gesagten
      interpretieren. Die Aussage bleibt aber unspezifisch darin welche andere Meinung
      denn “besser” wäre. Also weder hilfreich noch zielführend.

       

      Ich interpretiere mal die Antwort auf vermutliche Geisteshaltung
      beim Schreiben: ” Ihr Gehirngewaschenen” lässt vermuten dass der
      Autor des Kommentars beim Schreiben unterstellt seine eigene Meinung wäre in
      irgendeiner Art besser, höherwertig[er], als die hier im Blogbeitrag
      gelieferte. Da er uns an seiner eigenen Denke in keinster Weise teilhaben
      lässt, sind wir wieder bei der Erkenntnis weder hilfreich noch zielführend.

       

      Man könnte unterstellen dieser Kommentar wäre der [weitere]
      Versuch öffentlich notwendige Diskussionen dadurch im Keim zu ersticken, indem
      man eine nicht-kommunizierte eigene Meinung als ultimative Wahrheit annimmt, um
      zu verhindern dass abweichende Meinungen noch nicht mal ausgesprochen werden.
      Insofern finde ich es gut wenn man den Trollen auch die andere Backe hinhält in
      dem man ihre überheblichen Ansprüche nicht löscht, sondern zur Dokumentation der
      versuchten Meinungsdiktatur steht lässt.

  • Tim

    Alles vollkommen richtig. Es gibt nicht ein einziges empirisches Beispiel dafür, daß eine FTS jemals ein wirtschaftliches Problem gelöst hätte.

    Hinzu kommt, daß zu einer Spekulation natürlich immer zwei Parteien gehören: die, die auf eine positive Wertentwicklung setzt und eine, die auf eine negative Wertentwicklung setzt.Die Politik pickt sich stets nur eine Seite heraus und sagt dann, daß sie böse und unverantwortlich handelt. Die fiesen Spekulanten, die Griechenland-Anleihen verscherbelt haben! Daß diese Anleihen ja von irgendwem gekauft worden sind, kritisiert niemand. Daß es vor allem öffentliche Kreditinstitute waren, kritisieren ebenfalls überraschend wenige. 

    • benjamin_schaefer

      Stimme völlig zu. Frankreich hat eine FTS mal begrenzt in den 1990ern versucht. Der betroffene Markt war innerhalb kürzester Zeit töter als tot.
      Mit der FTS soll auch versucht werden vom Politikversagen abzulenken, dass Staatsanleihen aus politischen Gründen heraus, jahrelang ohne EK-Unterlegung gehalten werden konnten.
      Ich würde mich tierisch wundern, wenn in meiner Lebensversicherung nicht auch Griechenanleihen drin wären. DAS ist das eigentliche Problem: Keiner hat Lust sich damit großartig auseinanderzusetzen oder auch einfach keine Ahnung. Im Prinzip sind wir alle Finanz-Analphabeten – aber eine FTS zu Bestrafung böser Spekulanten lässt sich eben einfacher verkaufen, als Finanzmathe und Finanztheorie in der Schule.

  • http://twitter.com/NorbertBehrmann Norbert Behrmann

    Ich möchte mich ganz herzlich bedanken, für einen der sehr wenigen Aufsätze, die diese unsägliche FTS verstanden haben. Sowohl nach den Motiven ihrer Befürworter (mehr Einnahmen), als auch nach ihren Auswirkungen auf die Märkte  und die Bedeutung von Liquidität und kurzfristiger Spekulation.
    Wer wissen will, wie ein Markt mit mangelnder Liquidität aussieht, kann das schon heute tun, wenn er auf Pennystocks oder manche Rohstoffe schaut.
    Ineffektive, dysfunktionale Märkte, die für jedes Engagement massive Risiken bieten und so immer weiter in ihrer Nische verschwinden.
    Sinnvoll wäre eine Art Aktivitätssteuer, aber ich schätze, das die FTS von den big-playern eher akzeptiert wird, zumal sie ihnen Konkurrenz vom Hals schafft.

  • Robert Jacob

    Dass Spekulation eine wichtige ökonomische Funktion erfüllt, ist kaum zu bezweifeln. Dennoch kann ich nicht allen Argumenten gegen die FTS folgen.

    1. Die Schlussfolgerung, dass durch die FTS “kleine, also risikoarme” Geschäfte vom Markt gedrängt werden, ist keineswegs zwingend. Es werden Geschäfte vom Markt gedrängt, die in der Erwartung eines relativ zum gehandelten Volumens geringen Gewinns abgeschlossen werden. Diese sind nicht per se risikoärmer und kleiner. So ist ein Börsengeschäft, das 1Mio EUR auf eine 0,1%ige Kurssteigerung bis morgen setzt, im erwarteten absoluten Gewinn einer privaten Geldanlage äquivalent, die 10.000 mit einer erwarteten Kurssteigerung von 10% in 1 Jahr einsetzt. Ersteres großes Geschäft wird mit einer FTS tendenziell vom Markt gedrängt, das zweitere kleine Geschäft nicht.

    2. Eine höhere Zahl an Marktteilnehmern und höhere Liquidität führt nicht automatisch zu einem effizienteren Markt. In der ökonomischen Theorie stimmt das fraglos, aber empirisch ist es zumindest zweifelhaft, weil wir es u.a. mit unvollständiger Information, Herdenverhalten, Prinzipal-Agenten/Anreiz-Problemen, automatischen Kaufs/Verkaufsprogrammen zu tun haben, nur um unsystematisch ein paar Stichworte zu nennen. Die heutigen Finanzmärkte sind eben keine “perfekten Modellmärkte” und die Frage, ob eine geringere Zahl von Transaktionen zu gesamtwirtschaftlichen Ineffizienzen führt, bleibt zumindest offen.

    3. Wenn auch nicht direkt formuliert, so ist dem Beitrag implizit, dass es bei wirtschaftspolitischen Maßnahmen wie z.B. der FTS ausschließlich um Wohlfahrtmaximierung ginge. Vielmehr ist die Mehrzahl der Bürger, welche durch die Politiker vertreten werden, nachgewiesenermaßen auch an Verteilungsaspekten und prozeduraler Gerechtigkeit interessiert. Selbst wenn man annimmt, dass die gesamtgesellschaftliche Wohlfahrt abnimmt, könnte eine FTS immernoch von der Mehrheit erwünschte Verteilungseffekte haben. Die Wohlfahrtsverluste sind vermutlich relativ gleichmäßiger auf die Bevölkerung verteilt, die entgangenen Gewinne (bzw. ökonomische Renten) aus vom Markt gedrängten Finanztransaktionen eher nicht.

    • benjamin_schaefer

      Vielen Dank für die Auseinandersetzung auf wissenschaftlicher Ebene. Das ist in Kommentaren leider bei weitem die Ausnahme.

      ad 1. Wenn man Risiko als Volatilität begreift (was eigentlich einigermaßen unstrittig ist), dann ist das Geschäft mit der Million auf eine Kurssteigerung von 0,1% risikoärmer,  da die Schwankung einfach geringer ist. Außerdem ist eine Schwankung von 0,1% deutlich wahrscheinlicher als eine Schwankung um 10%, da die meisten Kurse ziemlich stationär sind. Klar kommt beim Ergebnis dasselbe raus, aber mit der Unsicherheit ist der erwartete Gewinn des ersten, kurzfristigen Geschäfts höher. Dazu kommt, dass die Informationsasymmetrie schneller verringert wird, was ein positiver externer Effekt für den Gesamtmarkt ist.

      ad 2. Stimmt alles. Und dass die Finanzmärkte perfekte Modellmärkte wären, habe ich auch nicht behauptet. Aber alles was die Transaktionskosten erhöht, verringert die Nähe zum perfekten Modellmarkt. Und die Kosten durch die FTS sind nur der erste Effekt. Die zweite Runde hat dann wenige, große Player, vermutlich mit strategischer Interaktion – kaum nahe am Modellmarkt. Aber in der Tat die Anzahl der Transaktion ist nicht so schrecklich wichtig für flexible Märkte. Wohl aber für die Volatilität. Einfaches  Extrembeispiel: Die Volatilität ist enorm hoch, wenn auf einem Markt nur eine einzige großen Transaktion stattfindet, um das optimale Gleichgewicht zu erreichen. Bei vielen kleinen Transaktionen ist die Schwankung über die Zeit verteilt.

      ad 3.  Stimmt auch. Aber das ist eine normative Frage. Und bei Verteilungsabsichten reicht es eben nicht, nur die Erstrundeneffekte zu betrachten, sondern eben auch alle Zweitrundeneffekte. Und da bin ich skeptisch, ob sich ein FTS-Befürworter freut, wenn sein Hauskredit teurer (zu teuer?) wird. Oder, oder, oder… Da eine solche Verteilungsfrage empirisch schwierig auseinderzufusseln ist, stehe ich da auf dem Standpunkt, eher dem Markt zu vertrauen, anstatt zu versuchen mit FTS o.Ä. Korrekturen vorzunehmen, deren Verteilungswirkung potentiell schädlich ist.

      Nochmal Danke für den guten Kommentar!

      • Robert Jacob

         Vielen Dank für die gute und durchdachte Replik. Vom Prinzip her widerspreche ich da nicht, aber doch noch ein paar Anmerkungen, damit wir nicht aneinander vorbei reden.

        ad 1: Es ging mir um die pauschale Aussage, dass “kleine” Geschäfte verdrängt werden. Ob eine Tagesschwankung von 0,1% oder eine Jahresschwankung von 10% wahrscheinlicher ist, lässt sich wahrscheinlich schwer beurteilen; der unterschiedliche Zeithorizont macht auch einen Vergleich des Risikos komplexer.

        Mein Punkt wäre eher, dass sich angesichts stationärer und kurzfristig quasi zufällig oszillierender Kurse schlicht keine rationale Erwartung über eine Tagesschwankung von 0,1% bilden lässt, auch wenn Ökonomen das allen Finanzmarktteilnehmern unterstellen – es handelt sich m.E. schlicht um Würfeln, dem durch Kontrollillusion und Bias Blind Spot ein rationales Antlitz gegeben wird. Ein Großteil der Geschäfte an Finanzmärkten sind aber genau kurzfristige Geschäft mit minimalen Gewinnerwartungen (und, von mir aus, geringen Risiken). Insofern halte ich die dadurch transportierte Information bzw. den Informationsasymmetrieabbau auch für eher begrenzt.

        ad 2: das mit der Volatitliät stimmt fraglos. Es gibt wohl auch Untersuchungen, die zeigen, dass Commodities, für die ein “hochspekulativer” Derivatemarkt existiert, geringeren Preisschwankungern ausgesetzt sind. Ich bin mir nur nicht sicher, ob angesichts der vielen anderen “Volatilitäts-Treiber” der FTS eine besondere Bedeutung zukäme und ob nicht durch die Verdrängung bestimmter Transaktionen vom Markt wg. FTS indirekte Effekte denkbar sind, die wiederum Volatitliät reduzieren.

        ad 3: selbstverständlich ist das eine normative Frage und die lässt sich wissenschaftlich mit der VWL nicht beantworten. Nur sollten sich Ökonomen der Wirkung in der Öffentlichkeit bewusst sein – wer stets (ganz wertfrei) von Möglichkeiten zur Wohlfahrtsmaximierung spricht, wird vom (gar nicht wertfreien) Bürger irgendwann als reiner Wohlfahrtmaximierer wahrgenommen, dem Verteilungsfragen egal sind (sicher zu Unrecht). Irgendwie ist das ein Dilemma, denn wenn Werte eine Rolle spielen (z.B. die Werte “nationales Interesse” und “quid pro quo” bei Sinn&Co in der Euro-Debatte) ist es der Öffentlichkeit auch wieder nicht Recht…

        Zur Verteilungsfrage FTS konkret: Dass starke Finanzmärkte sowohl Wohlstand schaffen als auch enorm schiefe Verteilungen des Wohstand, ist wohl unbestritten. Eine FTS hätte tendenziell die umgekehrte Wirkung, Zweitrundeneffekte hin oder her. Für Ökonomen schwer nachvollziehbar neigen Menschen nun dazu, Wohlfahrtsverluste in Kauf zu nehmen, wenn dafür Verteilungsprozesse oder -ergebnisse fairer sind. Das gilt nicht nur im Ultimatumspiel, sondern häufig auch in politischen Fragen. Ich weiß auch nicht, ob sich der Häuslebauer und FTS-Fan über höhere Zinsen freut, aber – es wäre durchaus möglich, dass er dies gern in Kauf nimmt!

  • http://www.facebook.com/michael.winkler.77398 Michael Winkler

    Mir ist der Titel “Spekulanten schafft Wohlstand” etwas irreführend, weil verkürzt, gewählt.

    Spekulanten wollen in erster Linie Wohlstand für sich, bestenfalls noch für ein paar Shareholder oder sonstige Klienten, doch beim Thema Geld hört die Freundschaft bekanntlich schnell auf.

    Man kann nun gern darüber diskutieren, ob Geld an sich ein Wert ist, doch ein Großteil der Spekulationen (90% ?) sind doch eher Geldgeschäfte. Da geht es nicht um Produktion von irgendetwas.
    Kommt natürlich drauf an, was man persönlich als Wohlstand empfindet. Was hat Ludwig Erhard denn mit “Wohlstand für alle” gemeint? Sicher kaum “Spekulation für alle” oder “Wohlstand für alle Spekulanten”, oder?
    Für mich entsteht Wohlstand immer erst durch Arbeit. Klar gehört da Geld dazu, doch nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel zum Zweck.

    Sei’s wie’s sei … wie ordnen Sie denn die diversen a href=”http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%B6rsenumsatzsteuer#Situation_in_anderen_L.C3.A4ndern”>Modelle der Börsenumsatzsteuer in anderen Ländern ein, Herr Schäfer?

    • Tim

       doch ein Großteil der Spekulationen (90% ?) sind doch eher Geldgeschäfte. Da geht es nicht um Produktion von irgendetwas.

      Jede geschäftliche Entscheidung ist eine Spekulation. Wenn ich morgen einen neuen Mitarbeiter einstelle, ist das eine Wette auf die Zukunft meines Unternehmens.

      Abgesehen davon ist es völlig unmöglich, auf den Märkten zwischen reinen Finanzspekulationen und z.B. Kurssicherungsgeschäften zu unterscheiden. Wieviel “Spekulation” etwa in einer ganz normalen privaten (und langweiligen) Rentenversicherung steckt, fällt von außen oft gar nicht auf. 

      Am besten wäre es, wenn der Begriff “Spekulation” in der Diskussion gar nicht mehr auftaucht und damit auch keine Maßnahmen mehr begründet werden.

      • http://www.facebook.com/michael.winkler.77398 Michael Winkler

        Es ist im Grunde richtig, dass man “auf den Märkten” kaum “zwischen reinen Finanzspekulationen und z.B. Kurssicherungsgeschäften unterscheiden” kann. Unmöglich ist es m.E. nicht.
        Zugebenermaßen bin ich da mit Wissen “etwas schwach au der Brust” ;) , doch das Weiterverkaufen von Derivaten usw., angeblich mitunter bis zu 7 Mal, läuft doch nur auf reine Geldgeschäfte hinaus. Ebenso dürften Leerverkäufe nicht unbedingt ökonomischen Nutzen, im Sinne der Produktion, haben.

        Ich trenne – für mich persönlich – in Investition und Spekulation. Wenn ich bspw. mal 10 Mio. “zuviel” haben würde und ein Unternehmen gut finde, dass ich unterstützen will, dann frage ich doch dort konkret nach, wo ich das Geld investieren kann, bspw. in den Bau einer neuen Filiale oder oder. Oder ich unterstütze eine Werbekampagne. Und dann macht man ‘nen Deal, dass ich nach x Jahren 10 Mio. + Gewinn zurückhaben will.
        Für mich ist das eine Art direkte Investition, da unterstütze ich Firma A oder Unternehmen B konkret und kann sehen, was mit “meinem” Geld geschieht. Im Grunde würde ich dann wohl wie eine Bank agieren, nur das ich zu der Firma gehe und nicht die Firma zu mir kommt.

        Für mich ist eigentlich klar, dass alle Börsengeschäfte rein geldorientiert sind. Zum Beispiel finde ich weder dm noch Rossmann in dieser Liste börsennotierter deutscher Unternehmen. Und die haben Milliardenumsätze. Allerdings scheint Rossmann durch die Hongkonger Hutchison-Wampoa zumindest indirekt stark börsenbeeinflusst, ohne selbst an der Börse notiert zu sein.

        PS: Umso mehr ich drüber nachdenke, desto hirnrissiger finde ich im Übrigen die Aussage “Spekulanten schaffen Wohlstand” (sorry, Herr Autor ;) ) … bestenfalls gilt dies außerhalb der Börse. Wer an der Börse ist und es ihm nicht primär um’s Geld geht (wäre kein Verbrechen, ist halt so), der ist dort falsch … so meine (Laien-)Meinung.

        • benjamin_schaefer

          Wenn Sie 10 Mio. zuviel haben und sie einem bestimmten Unternehmen für einen bestimmten Zweck geben, was machen Sie dann anderes als “Spekulation”? Sie erwarten, dass sich diese Investition auszahlt. Das ist genau die Erwartungsbildung, die ich meine. Aber Sie könnten auch einfach Anleihen des Unternehmens kaufen. Dann müssten Sie sich nicht um die Details der Investition kümmern – was Opportunitätskosten und Informationskosten erzeugt.
          Das ist ja genau der Sinn der Finanzmärkte: Das Bereitstellen von Möglichkeiten, um Investitionen möglichst reibungsfrei (also mit geringstmöglichen Transaktionskosten) durchzuführen.
          Und “reine Geldgeschäfte” ist nicht ganz richtig. Vordergründig geht es klar nur um schnöden Mammon. Aber jeder Kurs und jede Kursschwankung beinhaltet Informationen. Und Informationen haben (genau wie Zeit) einen Wert und werden von der Ökonomik heutzutage als vierter Produktionsfaktor neben Kapital, Arbeit und Boden angesehen. Z.B kann ein Unternehmen aus den Anleihe/Aktienkursen anderer Unternehmen sehen, ob sich ein Geschäft lohnt oder der Partner am Straucheln ist.

          PS: Der Titel kommt von der Redaktion :-) Ich hatte der Artikel ursprünglich “FTS geht am Ziel vorbei” gennant.

          • http://pirat-micha.blogage.de/ Michael Winkler

            Was Spekulation ist bzw. alles sein kann, dürfte wohl ein weites Feld sein. Schon wenn ich 5 Euro auf einem Bankkonto einzahle, spekuliere ich damit, dass die 5 Euro auch morgen noch dort sind bzw. ich sie mittels Bankkarte abheben oder Online-Banking nutzen kann.

            Für mich besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen direkter Investition (meine Sichtweise, Wirtschaftler werden unter “direkter Investition” vermutlich etwas anderes verstehen) und Investition in Börsenwerte. Ich bin in ersterem Fall einfach näher dran, kann ggf. direkt mitbestimmen … sind alles nur Beispiele, dürfte von Fall zu Fall unterschiedlich sein. Wer will schon Mitbestimmung? … obwohl, wenn’s 10 Mio. Euro wären ;)
            Ein Börsenwert ist jedoch immer nur ein abstrakter Wert, der alles und nichts aussagt.

            Ein äußerster hinkender Vergleich: direkte Investionen in Unternehmen verhalten sich zu Investitionen in Aktien wie Kunstsammeln aus Leidenschaft und Kunst als Investitionsgegenstand (Ziel: später teurer weiter “verticken”).

            Zur FTS … ich denke, sie begünstigt große Geschäfte. Bei kleineren dürfte sich der Aufwand für einige dann nicht mehr lohnen .. oder es wird noch mehr computergestützt gearbeitet (wenn das überhaupt noch geht?). Geht jedoch am eigentlichen Problem vorbei.

            Für mich ist die Börse ein auslaufendes Modell, Handel & Investitionen werden irgendwann einmal anders geregelt – effizienter. Ich überlege noch konkret  wie ;)

            Ansonsten kann’s ruhig noch etwas so wie bisher weiterlaufen, da habe ich immer mal etwas zu lachen, wenn ich wieder mal Leute sehe, die kaum, dass sie drei Bürotische und vier Computer haben, sich das Label “Startup” verpassen und den Gang an die Börse machen ;)

            PS: Grüße an die Redaktion … etwas mehr Freiheit für die Autoren dürfte (späteren) Missverständnissen vorbeugen und ebenso – die damit hinfälligen – Erklärungen :)

          • http://www.insm.de/ INSM

            Provokantere Titel schaffen mehr Diskussion – wir lernen dennoch daraus, danke für die konstruktive Kritik.

        • Tim

          das Weiterverkaufen von Derivaten usw., angeblich mitunter bis zu 7 Mal, läuft doch nur auf reine Geldgeschäfte hinaus.Nein, keinesfalls. Um bestimmte Finanzziele zu erreichen (sagen wir doch einfach mal: Wertstabilität in einem Rentenfonds) muß man beinahe zwangsläufig sehr komplexe Finanzprodukte einsetzen.

           Ebenso dürften Leerverkäufe nicht unbedingt ökonomischen Nutzen, im Sinne der Produktion, haben.
          Doch, auch das ist problemlos denkbar und geschieht auch permanent. Wer glaubt, beispielsweise ein Garantiefonds sei mit einfachen Aktiengeschäften problemlos machbar, unterschätzt drastisch die Komplexität der Welt.

          Für mich ist eigentlich klar, dass alle Börsengeschäfte rein geldorientiert sind.
          Das mag so erscheinen, vor allem wenn man sich noch nicht richtig mit den Finanzmärkten befaßt hat – ist aber falsch. Noch ein Beispiel: Für exportorientierte Unternehmen ist es extrem wichtig, mit kalkulierbaren Kosten und Verkaufspreisen rechnen zu können. Nun haben Währungen aber die unangenehmen Eigenschaft, beständig im Wert zu schwanken. Wenn man diese Schwankungen (zumindest teilweise) nivellieren möchte, muß man mitunter sehr komplexe Finanzprodukte einsetzen. “Rein geldorientiert?” Sicher nicht.

           so meine (Laien-)Meinung.
          Ja, das ist ein riesiges Problem. Politiker müssen leider auf Laienmeinungen reagieren. Ich meine es nicht böse, aber die deutlich bessere Strategie wäre doch, daß die Laien sich einfach mit dem betreffenden Thema befassen.

          • michael136

            Nett, dass du/Sie es nicht böse meinst/meinen – wie aufmerksam, rücksichtsvoll und zuvorkommend ;)
            Klingt auch besser als “Troll dich, Laie … lies erst mal Buch X oder beleg Studiengang Y, bevor du hier nochmal den Mund aufmachst” ;)

            Zur Sache … Nicht jeder Experte weiß Bescheid, nicht jeder Laie ist vollkommen unwissend. Mag sein, dass die Welt komplex ist, doch nicht selten wird Einfaches komplex bzw. kompliziert gemacht und umgekehrt.

            Währungsschwankungen schön und gut, doch im innereuropäischen Handel dürfte das fast keine Rolle spielen, abgesehen von UK, Schweden usw. – Euro ist Euro und die Inflation rechnen eh alle mit ein.

            Mal abgesehen davon diskutierst du nicht mit einem Wort die eventuellen nachteiligen Nebenwirkungen von Derivaten, Leerverkäufen etc. Das ist ungefähr so als wenn ich Pharmazeutika ohne Beipackzettel verkaufe und sage “Passt schon. Alles bestens. Das wirkt komplex, weil Sie ‘ne komplexe Krankheit haben. Ja, ja … nein, nein. Keine Bange. Keine Sorge. Alles im Lot.”
            Klar gibt’s genügend Kunden, die das alles nicht interessiert, doch darum ist es eben auch wie es ist bzw. läuft’s eben wie’s läuft.

            - Zitat: “Politiker müssen leider auf Laienmeinungen reagieren.”
            Ach, die armen Politiker – da bekomme ich ja fast Mitleid ;) … ich Dummerchen aber auch, ich dachte immer Politiker werden vom Volk gewählt und werden mitunter auch als “Volksvertreter” bezeichnet. Sorry, war mein Fehler, mea culpa, Asche auf mein Haupt usw. usf.
            Wenn du schreiben würdest “Eltern müssen leider auf Kindermeinungen reagieren.”, dann würde ich das ja ansatzweise noch verstehen, obwohl auch da Eltern theoretisch in der Verantwortung stehen – rein biologisch gesehen, Moral jetzt mal hin oder her.

          • http://www.facebook.com/mark.merren.3 Mark Merren

             Ebenso dürften Leerverkäufe nicht unbedingt ökonomischen Nutzen, im Sinne der Produktion, haben.
            Doch, auch das ist problemlos denkbar und geschieht auch permanent. Wer glaubt, beispielsweise ein Garantiefonds sei mit einfachen Aktiengeschäften problemlos machbar, unterschätzt drastisch die Komplexität der Welt.
            Und in wie weit hat ein Garantiefonds einen “öknomischen Nutzen sim Sinne der Produktion”? Doch keinen, sondern auch ein Garantiefonds ist rein auf Geldmehrung ausgelegt. Und wenn die Garantie mit “einfachen Aktiengeschäften” nicht zu erreichen ist, dann  muß halt die Garantie gesenkt werden.
            Und in Extremfällen ist bei “einfachen Aktiengeschäften” “nur” ein Totalverlust möglich, bei Leerverkäufen kann der Verlust sogar darüber hinsaus gehen.

  • http://twitter.com/woksoll Wolfgang Ksoll
  • Pingback: INSM-Blog: Spekulanten schaffen Wohlstand » Benjamin Schäfer

  • Pingback: Finanztransaktionssteuer: Plädoyer für eine differenzierte Betrachtung | INSM Blog

Autor

Benjamin Schäfer

studiert International Economics and Public Policy (MSc) in Mainz.

Alle Beiträge von