1 Gesellschaft

Ob das Bevölkerungszahlregulierungsamt irgendwann auch Kidnapper bezahlt? – Ein Wutpost

Regierungen planen gerne. Zum Beispiel, wie sich die Bevölkerungszahl zu entwickeln hat. Dabei geht das – und nicht nur das – die Politik nichts an, sagt Dagmar Schulze Heuling.


Kürzlich habe ich beim Aufräumen ein ganz besonderes Juwel der Planung und Regulierung (wieder)gefunden. Auf einem zerknitterten Blatt Papier las ich:

 An den Schalthebeln sitzen - Wie hoch soll die Geburtenrate sein? Wie viel Zuwanderung brauchen wir? Mit einem Mausklick auf das neue Internetangebot ‘Demograf’ kann jeder spielerisch an den Steuerknöpfen der gesellschaftlichen Entwicklung drehen.

Das ist Gesellschaftsklempnerei, wie es im Klassikerjargon so schön heißt, vom Feinsten. Schlüpfen wir in die Rolle von Regierung und Rentenversicherung und legen das Geburtensoll fest, das die Untertanen zu erfüllen haben. Schließlich gilt es ein System aufrecht zu erhalten, sonst könnte eine individuellere, selbstbestimmtere Alternative an dessen Stelle treten.

Also wehe denen, die außerplanmäßig sterben, ganz gleich, ob freiwillig oder nicht! Leider kann man sie nicht mehr bestrafen, aber man sollte auf jeden Fall etwa vorhandene Vermögen einziehen – zugunsten des Etats des Bundesamts für Bevölkerungszahlregulierung. Denn das muss die Planabweichungen dann korrigieren und die fehlenden Menschen irgendwo auftreiben. Die Höhe der Anreizzahlungen für die Auffüllerinnen und Auffüller steigt und steigt. Schließlich müssen diese ihr Risiko kompensieren, eines Tages einfach wieder rausgeworfen zu werden.

Aber was, wenn auch für Geld und gute Worte nicht mehr genügend Menschen bereit sind, diese Position auszufüllen? Ob das Bevölkerungszahlregulierungsamt irgendwann auch Kidnapper bezahlt? Aber wohin dann im Ernstfall mit den Menschen, wenn der Plan einmal übererfüllt wird? Ach, ich verstehe, das sind gar keine Menschen, das sind nur Zahlen im großen Gesellschaftsplan.

Solche Theorien und Gedankenspiele sind leider nicht neu, ebensowenig wie Versuche ihrer praktischen Umsetzung. Allerdings handelt es sich in diesem Fall weder um die Privatmeinung verirrter Einzelner noch um die verquere Ideologie einer kommunistischen Sekte. Obiges Zitat stammt aus einer, so möchte man meinen, seriösen Quelle: von der Homepage des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Eine Institution, für die Menschen Ziffern, Quoten, Raten im Dienste der Sozialversicherungen und anderer Planzwangssysteme sind.

Ich habe diese Seite erneut aufgesucht. Und siehe da: Wer immer behauptet, Politikerinnen und Politiker seien nicht lernfähig, wird vom Demografen eines besseren belehrt. Denn inzwischen sind die Steuerknöpfe der gesellschaftlichen Entwicklung zumindest von der Startseite des BMAS verschwunden. Ob das Bürgerinnenbeschwerden zu verdanken ist oder letzten Resten intelligenten Lebens im eigenen Hause? Sogar der Ton der Steuermaschine hat sich verändert. Auf www.der-demograf.de lässt sich in den Hintergrundinformationen doch tatsächlich nachlesen, dass sich „in der politischen Realität“ die Geburtenrate nicht „auf Mausklick“ erhöhen lässt. Chapeau, eine wirklich wichtige Einsicht. Nur leider scheint es bis zu der Erkenntnis, dass das Herumdrehen an Geburtenrate, Rentenalter und Lebenserwartung auch gar nicht Aufgabe der Politik ist, noch ein sehr weiter Weg zu sein.

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  • R. Rueboel

    Wenn Politiker sich ein anderes (andersrassiges) Volk wählen, das soll uns nichts angehen?
    Aber bedenkt, deutsche Politiker, die anderen bringen ihre eigenen Politiker mit, und die werden Euch dann in nicht zu ferner Zukunft massakrieren und das zu Recht!

Autor

Dagmar Schulze Heuling

ist Politikwissenschaftlerin. Sie forscht und lehrt an der Freien Universität Berlin.

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