23 Ökonomik

Ein harter Winter schafft keinen Wohlstand: Eine Antwort auf Paul Krugman

Geldausgeben ist die richtige Medizin gegen Wirtschaftskrisen, sagt Nobelpreisträger Paul Krugman. Dem widerspricht Dagmar Schulze Heuling. Die Produktion zu erhöhen, kann sogar wohlstandsvernichtend sein.   


Kürzlich fragte mich eine Studentin nach dem ökonomischen Hintergrund der Argumentation Paul Krugmans in diesem Handelsblattartikel. Darin preist Krugman manisches Geldausgeben als Arznei gegen Wirtschaftskrisen.

Dahinter steht die keynesianische Theorie, dass Wirtschaftskrisen ein Problem mangelnden Konsums sind und demzufolge durch das Schaffen von Nachfrage überwunden werden können. Im allgemeinen Sprachgebraucht heißt das dann “Ankurbeln der Nachfrage”. Dem liegt eine auf den ersten Blick durchaus attraktive Annahme zu Grunde: wenn mehr nachgefragt wird, muss, um diese Nachfrage befriedigen zu können, die Produktion gesteigert werden. Auf diese Weise soll eine positive Dynamik ausgelöst werden, die zur Überwindung der Wirtschaftskrise führt.

Doch wie jedes Perpetuum Mobile hat diese Theorie einen Haken. Sie ist eine Illusion, die auf dem Papier funktioniert, aber nicht in der Realität.

Wenn jede Form von Nachfrage und jede Art der Produktion ökonomisch vorteilhaft wären, dann würden wir auch reicher, wenn wir z. B. schlechte Autos hätten, die oft kaputt sind und viele Ersatzteile brauchen. Ebenso wäre ein strenger Winter gut, in dem viele Frostschäden entstehen. Überhaupt sollten wir auf möglichst viel Komfort verzichten. Unsere Lasten befördern wir nicht mehr mit Lkw, sondern mit Pferd und Wagen. Das ist viel personalintensiver, bringt also viele Menschen in Lohn und Brot. Oh, noch besser wäre es natürlich, die Wagen nicht von Pferden, sondern auch von Menschen ziehen zu lassen. Der Beschäftigungseffekt wäre gigantisch!

Gigantisch wäre – und ist(!) – leider auch die Wohlstandsvernichtung, die solche Programme mit sich bringen. Denn das ist der Haken: die Lastenzieherinnen wären zwar sehr beschäftigt. Sie würden aber auch nicht mehr transportieren als eine einzige Lkw-Fahrerin in derselben Zeit. Insgesamt ist also kein Zugewinn geschaffen, kein Mehr an Leistung erbracht worden. Unter dem Strich ist die Volkswirtschaft nicht reicher, sondern im Gegenteil ärmer (auch wenn in diesem Beispiel kein Geld geflossen sein und die Lastenzieherinnen nur ihren Schweiß vergossen haben sollten). Und wie nannte man das noch gleich, wenn man deutlich mehr bezahlt als nötig? Richtig, Verschwendung.

Dasselbe Muster erkennen wir bei der Reparatur von Autos und Schlaglöchern. Selbstverständlich werden durch diese Tätigkeiten und die Herstellung der dafür erforderlichen Gerätschaften Menschen beschäftigt, die Lohn für ihre Arbeit bekommen, den sie dann ausgeben können. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn wäre der Winter milder gewesen, Auto und Straße heil geblieben, könnten ebendiese Menschen in der Zeit, in der sie anderenfalls Reparaturen ausgeführt hätten, etwas Neues schaffen.

Statt dem reparierten Auto und der geflickten Straße nach dem harten Winter haben wir nach dem milden Winter also Auto, Straße und das, was zusätzlich produziert wurde.

Um diesen Zusammenhang zu durchschauen, muss man die sogenannten Opportunitätskosten einer Handlung berücksichtigen. Hinter diesem Wort verbirgt sich nichts anderes als der Gewinn, den ich gemacht hätte, wenn ich anders gehandelt hätte (oder in diesem Fall: wenn der Winter weniger streng gewesen wäre). Besonders wichtig ist es, die Opportunitätskosten nicht zu vernachlässigen, wenn der Staat das Geld verteilt.

Ein gutes Beispiel dafür ist die sogenannte Abwrackprämie. Auf den ersten Blick war sie ein Gewinn für Herrn Meier, der sich ein neues Auto kaufen möchte. Der Abschied von seinem zwar durchaus fahrtüchtigen, aber schon etwas in die Jahre gekommenen Fahrzeug wird ihm mit 2.500 Euro versüßt. Das ist schön für Herrn Meier und vermutlich auch für die vielen Hände, die an der Herstellung des neuen Autos beteiligt waren. Doch auf den zweiten Blick wird klar: hier wird Wohlstand vernichtet. Denn das fahrtüchtige Auto landet in der Schrottpresse. Mehrere Jahre zukünftiger Nutzung bereits investierter Arbeit und Rohstoffe werden zerquetscht. Und obendrein die Prämie: das Geld fällt nicht vom Himmel (wenngleich hier nicht unterschlagen werden soll, dass die Geldschöpfung aus dem Nichts höchst problematisch ist), es musste vorher anderen Menschen aus der Tasche gezogen werden. Die 2.500 Euro, die Herr Meier jetzt mehr ausgeben kann, stehen Frau Müller nicht mehr zur Verfügung. Sie hätte vielleicht ein Fahrrad gekauft statt eines Autos, aber wer will sich anmaßen, darüber zu urteilen, ob ein Arbeitsplatz in einer Auto- oder in einer Fahrradfabrik mehr wert ist? Vielleicht hätte Frau Müller das Geld auch gespart und später ihrer Schwester geliehen, die einen Fahrradreifen entwickelt, der keine Löcher mehr bekommt.

Wir werden nie erfahren, was mit dem Geld passiert wäre. Fest steht allein, dass es weder mehr wird noch automatisch „besser“, segensreicher ausgegeben wird, nur weil es zwangsweise umverteilt wird – übrigens ein Zusammenhang, den schon Frédéric Bastiat erkannte und mit spitzer Feder beschrieb.

In seinem Handelsblattartikel lässt Krugman sich auf diese Argumentation aber gar nicht erst ein. Vielmehr führt er ein Scheingefecht, indem er gar nicht hinterfragt, ob die Steigerung der Nachfrage überhaupt ein taugliches Mittel zur Überwindung einer Wirtschaftskrise ist. Die Tauglichkeit seines Konzepts wird diskussionslos gesetzt, diskutiert wird nur noch, ob eine sogenannte “Sparpolitik” (die ja immer noch eine Schuldenpolitik ist) oder eine noch maßlosere Verschuldung besser geeignet sind, den erwünschten Konsum anzuregen. Auch die Antwort von Steffen Kampeter geht vor allem auf die Bedeutung solider Staatsfinanzen ein, versäumt es aber, das grundlegende Mißverständnis hinsichtlich der Nachfrage auszuräumen.

Dabei genügt ein Blick aus dem Fenster, um die Theorie als den Unsinn zu entlarven, der sie ist. Denn solange Sie draußen nicht Ihre Nachbarin sehen, die ihr Haus anzündet, weil man durch die sich daraus ergebende Nachfrage so verdammt reich wird, können Sie getrost auf den gesunden Menschenverstand vertrauen. Demzufolge wird man reich durch Arbeiten, Sparen und Investieren. Das ist vielleicht nicht so attraktiv wie hemmungsloses Konsumieren. Aber dafür wirkt es.

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  • D O

    Was Sie wiederum nicht zu verstehen scheinen ist, dass Menschen die nicht arbeiten weil sie keine Arbeit finden (denn das ist das was in so einer Krise passiert: Arbeitsplätze verschwinden. Und dies nicht, weil die Leute nicht arbeiten wollen) nicht produktiv sind. In dem Fall werden sie also nicht davon abgehalten etwas vernünftiges herzustellen.
    Paul Krugman ist auch dafür, dass der Staat Geld für Dinge ausgibt, die keine hohen Opportunitätskosten haben (Lehrer einstellen, Infrastruktur).
    Und wenn Sie sagen, dass diese Idee nur auf dem Papier funktioniert, dann stellt sich einerseits die Frage, ob Japans derzeitige Situation nur auf dem Papier geschieht, und andererseits ob Spanien und Portugal ihrer Meinung nach ein Beweis dafür sind, dass der gesunde Menschenverstand (vermutlich von schwäbischen Hausfrauen) ausreicht.
    Es ist übrigens kein Perpetuum Mobile wenn auch verstanden wird, dass es Zeiten fürs Geld ausgeben und Zeiten fürs Sparen gibt.

    Ein Weiteres noch: Gerade Ihnen als Politikwissenschaftlerin sollte bewusst sein, dass soziale Kosten auch Kosten sind (die halt in ökonomischen Theorien häufig vernachlässigt werden)

    • julius_wvk

      Zum 1. Argument: Vollkommen richtig. Menschen, die arbeiten wollen, sollen nicht davon abgehalten werden etwas produktives zu tun. Es ist aber nicht am Staat, schuldenbasierte Beschäftigungsprogramme dafür aufzulegen. Denn: Zu ihrem 3. Punkt ist zu sagen, dass seit Beginn der Schuldenmacherei in den Siebzigern kein EINZIGES JAHR ohne Haushaltsüberschuss verlief. Wenn es also keine Zeiten fürs Sparen gibt, dann darf es auch keine Zeiten fürs Geldausgeben geben.

      Ihr 2. Punkt: Eine Ausgabe hat dann, und nur dann, keine Opportunitätskosten, wenn es kein Projekt gibt, dass sich besser auszahlt. Solange es ein besseres Projekt gibt, als Lehrer einzustellen, hat die Neueinstellung von Lehrern Opportunitätskosten. Ebenso die Infrastruktur. Ich befürworte die Investition in Infrastruktur und Bildung immer. Aber zu sagen, dass diese Ausgaben keine Opportunitätskosten haben, es also kein einziges besseres Investment gibt, das traue ich mir nicht zu.

      • http://www.mcrass.de/ Michael Crass

        Es gab seit 1969 kein Überschuss mehr im Bundeshaushalt.

      • d o

        Zu den Opportunitätskosten:
        Wenn jemand als Lehrer ausgebildet wurde ist die Chance hoch, dass ein großer Teil dieser Menschen weit weniger produktiv wären, wenn sie etwas anderes tun, als Lehrer sein. Wichtiger sind in diesem Fall aber die positiven Externalitäten sowohl von Bildung als auch von Infrastruktur.

        Zu dem keine Zeit für Sparen:
        Man kann nicht eine verkehrte Politik in der Vergangenheit mit einer verkehrten Politik in der Gegenwart ausgleichen.
        Dass zuviel und falsch in Zeiten ausgegeben wurde, als es Europa und Deutschland gut ging kann nicht bedeuten, dass wir jetzt zu wenig ausgeben, obwohl wir (Europa) in einer Depression sind. Denn offensichtlich zeigt die Entwicklung der letzten wenigen Jahre (England, Spanien, Portugal), dass es gerade jetzt nicht sinnvoll ist, die Staatsausgaben zu senken.
        Hoffentlich ist es der Politik eine Lehre (Schweden hat sie vor einigen Jahren offensichtlich gelernt), dass es notwendig ist, Schulden zurückzufahren, aber wenn wir genau jetzt damit anfangen, haben wir selbst in Deutschland bald enorme Probleme. Es beginnt jetzt bereits, dass der Trend sich wendet und keine neuen Arbeitsplätze geschaffen werden sollen.

        • ab0032

          Genau so ist es, wie man sehr schön in Spanien sehen kann, mit EU-Subventionen für Infrasturktur haben die Menschen nur gelernt Autobahnen und Flughäfen zu bauen, die falsche Politik in der Vergangenheit eben, und die sollt die Spanier jetzt retten, wenn man sie fortführt, damit sie auch in Zukunft nichts anderes lernen und machen, wo jetzt schon Bauruinen für die nächsten 10 Jahre vorhanden sind?

          Jetzt da noch weiteres Geld hinterherzuschieben, verhindert nur den heilsamen aber schmerzlichen gesundungsprozess. Weil sie angeblich im Bau am Produktivsten sein sollen wegen der Oportunitätskosten, weil sie das ja gelernt haben und deswegen da jetzt am Produktivsten sind? “und die positiven Externalitäten”, das glauben sie ja wohl nicht im Ernst selber, oder? Sind sie Gewerkschafter, oder wer bezahlt sie dafür solchen Mist zu verbreiten?

          • D O

            Wie kommen sie darauf dass Sparen ein “heilsamer aber schmerzlicher Gesundungsprozess” ist? Wo sind die beispielhaften Länder, die durch Sparen eine Krise überstanden haben?
            Das deutet nur auf arrogantes Selbst-Schuld-Denken hin. Aber:
            Spanien hat von 1996 bis 2007 seine Staatsschulden von fast 70 auf unter 40 Prozent heruntergefahren. Und seit sie im Euro sind die Staatsquote nicht verändert.
            Das viele Subventionen unsinnig sind reicht absolut nicht aus, um bei Ländern wie Spanien von Selbstverschuldung zu reden.

            Um es nochmal zu wiederholen: Es geht nicht darum den Staat unnötig groß zu machen, aber zum ersten ist (Bezug zum etwas weiter oben geschriebenen Kommentar) das fehlende Einschreiten politischer Instanzen Mitschuld an der Verlängerung der großen Depression (und der derzeitigen Krise) und nicht die Einschränkung des freien Markts, zweitens ist der freie Markt nicht per Definition gleichbedeutend mit größerer Prosperität, sondern es kommt auf die genaue Konstruktion an. Wäre es so einfach wären große Steuersenkungen überall die Grundlage von größerem Wirtschaftswachstum gewesen, aber das ist nunmal nicht der Fall.

            Merkwürdiger Sarkasmus. Aber natürlich richtig, weil der freie Markt rettet gerade Irland, Spanien und Portugal. Darauf deutet ja alles hin.

          • ab0032

            In Spanien wird der freie Markt gar nichts retten, denn da gibt es keinen freien Markt, genauso wenig wie im Rest Europas der Sozialismus grassiert, hat der Beitritt in die EU die letzte dort noch verbliebene Industrie vernichtet, selbst Orangen werden da nicht mehr angebaut, weil sich Diesel, Wasser, hohe Arbeitslöhne, Dünger nicht mehr lohnen in der EU, jetzt kommen die Orangen eben aus Marokko.

            Die letzten 4 großen Steuersenkungen in den USA im letzten Jahrhundert haben jeweils dazu geführt, dass der Staat bei den Reichen am Ende mehr eingenommen hat, aber wenn Sie die Geschichte nicht kennen, glauben Sie natürlich das es “nunmal nicht der Fall” ist. Und auch bei der großen Depression kennen Sie sich anscheinend nicht aus, schon nach weniger als einem Jahr war die Arbeitslosigkeit unter 10%, dann hat der Staat eingegriffen und die Arbeitslosigkeit ist lange nicht mehr unter 10% gegangen. Glauben Sie einfach weiter, was ihnen die Linken versuchen einzureden.

          • D O

            Im Allgemeinen: Es hat erst einmal nichts mit Links und Rechts zu tun, wenn man für einen aktiven Staat ist in einer Krise, wenn man gleichzeitig unterstreicht, dass in normalen Zeit, die Staatsausgaben so gering wie möglich gehalten werden sollten. Außerdem ist es ziemlich minderwertig wenn sie ökonomische Ansichten mit Erkenntnissen aus konservatien think tanks versuchen zu widerlegen, die keiner genaueren Überprüfung statthalten
            Was die Steuersenkungen anbelangt: Die großen Steuersenkungen, insbesondere Reagan und Bush, haben jeweils zu einem enormen Anstieg der Staatsschulden geführt. Außerdem haben diese Steuersenkungen die ungleiche Verteilung der Einkommen (wie es ja auch nach der Steuersenkung durch Schröder n Deutschland der Fall war) verstärkt. Jetzt können Sie natürlich sagen, dass ist der freie Markt. Aber eine ungleichere Verteilung der Einkommen hängt mit einem geringeren Wirtschaftswachstum zusammen. Wie passt das jetzt in ihre Ideologie? Höhere Schulden, weniger Wirtschaftswachstum?

            Und was meinen Sie mit “der Staat hat eingegriffen” bzgl. der großen Depression? Welcher Staat und wo? Problem damals war wohl eher, dass die Fed nicht genug getan hat.

          • derherold

            “Spanien hat von 1996 bis 2007 seine Staatsschulden von fast 70 auf unter 40 Prozent heruntergefahren.”
            Ich will es Ihnen gerne erklären:
            In Spanien wurden regierungsseits eine gigantische Immobilienblase erzeugt – bejubelt überdies von einem bekannten deutschen “Konjunkturexperten” – indem “in Infrastruktur investiert” und (leerstehende) Wohnungen gebaut wurden.
            Bei Baumaßnahmen gehen direktemang 40% der  Investitionen direkt in die Kassen des Staates, sei es als Mehrwertsteuer, Gebühren, Lohnsteuer, und so wurde in Spanien mit “privater Verschuldung” die “staatliche Verschuldung” verringert. 
            Wenn aber derartige “Investitionen” keine 
            ausreichenden Zahlungsströme auslösen, wird einer zahlen müssen: Ihrer Meinung werden das die Ersparnisse der Europäer sein, die derzeit verbrannt werden.
            Genial !

        • julius_wvk

          Positive Externalitäten gegen die Opportunitätskosten von Lehrern zu rechnen scheint mir etwas gewagt. Mir ging es darum, dass Lehrer sehr wohl Opportunitätskosten haben. Dass es positive Spillovers geben KANN (bei Bildung halte ich das für sehr wahrscheinlich, will mich aber auf keine Rechnerei einlassen) habe ich nicht bestritten. Spillovers sind aber eine andere Diskussion als Opportunitätskosten.

          Ich glaube nicht, dass Deutschland einen Fehler macht, wenn wir nicht mehr Geld ausgeben als geplant. Wir fahren bis jetzt keine satten Einsparungsprogramme in diesem Land, daher scheint mir das Austeritätsrisiko sehr beschränkt. Deutschland ist zudem (noch) nicht in einer Depression. Daher ist die Zeit der billigen Zinsen zu nutzen den Haushalt mit geringstmöglichem “Austeritätsschmerz” auszugleichen, statt neue Schulden zu machen, die niemand zurückzahlen wird. Für mich stellt sich nur die Frage: Wenn nicht jetzt, wann dann. Denn: Keine einzige denkbare Koalition in der nahen Zukunft sieht sich zum sparen berufen. Jetzt ist die einzige Möglichkeit. In der Zukunft bleibt nur Inflation, es sei denn unsere Zentralbank wird wieder tatsächlich unabhängig.

        • derherold

          Vielleicht könnten Sie den Unwissenden mitteilen, wann in Deutschland JEMALS “die Staatsausgaben gesenkt” wurden.
          “Wir (Europa)” sind in keiner “Depression”: in 2011 hatte jedes Land mit Ausnahme von Griechenland Wachstum. 

          Vielleicht könnten Sie uns auch die “positiven Externalitäten” benennen, die dafür sorgen, daß Norwegen und die USA gigantische hohe “Bildungsausgaben” hat aber bei jedem Schul- oder Bildungstest überaus schlecht abschneiden. Oder warum die bestbezahlten Lehrer Europas schlechtere Ergebnisse produzieren als in Nachbarländern oder gar ihre Altvorderen.

  • Michaelis-ulrike

    die allermeisten werden keinesfalls durch arbeit reich so sie welche haben, sondern können sich gerade so von monat zu monat hangeln. die krisen entstehen weil wenige alles an sich reissen , und für den rest nichts bleibt

    • ab0032

      Unsinn, die Krisen werden durch den Staat verursacht, egal ob in Griechenland oder die Hausingbubble in USA 2007, die die sozialistische Bankenrettungen nach sich gezogen hat.

  • Humboldts Kritiker

    Eine Frage bliebe für mich noch: Wie passt die Konsumbegeisterung des Keynesianismus und seiner Erben mit der Konsumkritik derjenigen zusammen, die wirtschaftspolitisch Keynes & Co. vertreten? ;-)

  • Hans

    Ich bitte sie, sie verstehen offenbar weder etwas von Keynesianismus noch Paul Krugman. Nicht-brennende Häuser als Gegenbeweis zu keynesianischen Ideen? Das ist unterstes Niveau.

    Es geht Paul Krugman natürlich nicht darum, wahllos Dinge zu konsumieren, sondern die historisch niedrigen Zinsniveaus in Deutschland und den USA dazu zu nutzen, INVESTITIONEN von staatlicher Seite in Infrastruktur und Bildung mit positiven Renditen anzuschieben. Sie scheinen nicht zu begreifen, dass es durchaus so etwas wie Nachfragelücken gibt und das Geldpolitik an der sog. “zero lower bound” wirkungslos wird und danach lediglich Fiskalpolitik einen Effekt hat. Mein Vorschlag ist, dass sie sich erst einmal intensiv mit der Geschichte ökonomischen Denkens und der großen Depression bzw. der japanischen Malaise und der Asienkrise beschäftigen bevor sie mit einem Blick aus ihrem Fenster meinen, John Maynard Keynes mal eben widerlegen zu können.

    • ab0032

      Das es immer noch Menschen gibt, die glauben, dass der Staat irgendwie produktiver oder effizienter Investieren könnte als die vielen Menschen und Firmen mit ihrem viel größeren geballten Wissen, ist doch sehr verwunderlich, wenn man diesem keynesianischen Modell schon folgen will, wäre es auf jeden Fall richtig die Steuern zu senken um denen, die schon bewiesen haben, dass sie ihr Geld sinnvoll und erfolgreich investieren können, zu lassen.
      Wenn man natürlich Oportunitätskosten nichts versteht scheint es einem Sinnvoll, Geld, Material und Personal in der Erneuerung von Autobahnen zu stecken, die auch noch gut und gerne 10 Jahre so wie sie sind, weiterbefahren werden könnten, als ABM-Maßnahme, anstatt den freien Markt walten zu lassen und so Deutschland produktiver, schlagkräftiger und konkurrenzfähiger werden zu lassen.Und wie Sie ja hoffentlich wissen, Hans, ist durch die Politik, das Leid der Menschen in der großen Depression durch die Politik nur erheblich vergrößert worden, durch die Politik, die es meint besser zu wissen, ist die Krise vertieft und verlängert worden.

      • Hans

        Wollen Sie sagen, dass Infrastruktur kein öffentliches Gut ist? Nach der Theorie der öffentlichen Güter funktioniert es keineswegs, solche Güter durch den Privatmarkt bereitstellen zu lassen, sondern die öffentliche Wohlfahrt muss durch einen zentralen Planer erhöht werden, wenn die Summe der einzelnen Zahlungsbereitschaft hoch genug ist, um das “free rider”-Problem aufzulösen.

        Niemand behauptet, dass der Staat in normalen Zeiten crowding out unterstützen sollte. Aber wir befinden uns nicht in normalen Zeiten wie sie vielleicht an der anhaltenden Malaise im Euroraum und den USA mit der angesprochenen offenbaren Wirkungslosigkeit der Geldpolitik erkennen. Im Gegenteil scheinen sie einer “der freie Markt ist besser”-Ideologie zu folgen. Wenn ich Ihnen richtig folge, sollte der Staat immer die Steuern senken, bis diese auf 0 angekommen sind und somit seine Existenz aufgeben? Wo liegt denn ihrer Meinung nach der optimale Steuersatz, wenn man ihn derzeit senken muss?

        • derherold

          “Mein Vorschlag ist,…” daß Sie sich nicht ganz soweit aus Fenster lehnen. Ohne eine entsprechende ökonomische Ausbildung, die man Ihnen trotz eingestreuter angelesener “Fachbegriffe” anmerkt, wirken Ihre Diskussionbeiträge ein wenig unhöflich.Nachdem es mittlerweile genügend “shovel ready” Projekte geben müßte, dürfte die “Infrastruktur” in den USA glänzen. ;)

          Mehr Lehrer einzustellen und/oder diesen Lohnsteigerungen zukommen zu lassen, nennt man im übrigen nicht “Investition”, sondern “staatlichen Konsum”. Hätte allerdings Krugman gesagt, was er wirklich meint (“mehr Geld für Partei- und Gewerkschaftsmitglieder”), würde sich das nicht so gut anhören.
          Demfolgend sollten Parlamentsabgeordnete zukünftige Diätenerhöhungen “Investition in Demokratie” nennen.  

          • http://www.insm.de/ INSM

            Bitte bleiben Sie doch beide sachlich :) Die Diskussion ist nämlich sehr spannend.

          • Hans

            Ich bin nicht sicher, ob ihr Satz so gemeint ist (die Konstruktion ist etwas verwirrend), aber Sie möchten mir meine Ausbildung absprechen? Dass Sie sie mir absprechen, weil Sie vermutlich glühender Verehrer der Neoklassiker sind, spricht nicht gegen ihre Ausbildung, sondern nur gegen ihre Toleranz, andere Sichtweisen zu akzeptieren. Ansonsten haben Sie sich leider in keinem einzigen Punkt auf meinen Beitrag bezogen, wenn Sie das nachholen, werde ich Ihnen gerne antworten.

          • Dan Chris

            “Ohne eine entsprechende ökonomische Ausbildung”
            Welche soll das im Speziellen sein? Es gibt eine ganze Reihe ökonomischer Lehrmeinungen. In Deutschland ist die Variationsbreite etwas geringer, aber dennoch.

            http://lecture2go.uni-hamburg.de/veranstaltungen/-/v/13869

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  • Dan Chris

    “Wir werden nie erfahren, was mit dem Geld passiert wäre.”

    Nichts, da es extra dafür in Form von Krediten erschaffen wurde.

    “Dabei genügt ein Blick aus dem Fenster, um die Theorie als den Unsinn zu entlarven, der sie ist. ”

    Ihr Fenster scheint schmutzig zu sein. Das einzige Land dessen Nachkrisenpolitik funktioniert hat ist Island. Dort hat man eben nicht gespart. Auch Deutschland hat von den Konjunkturprogrammen profitiert und konnte die Krisenauswirkungen abfedern. Alle Länder die massiv Kürzen haben im Moment massive Probleme mit der Verschuldung (diese steigt, obwohl gekürzt wird) und der Arbeitslosigkeit. Man kann sicherlich über die Art der staatlichen Ausgaben diskutieren. Das sie keinerlei Einfluss haben sollen stimmt so nicht.

    “Denn solange Sie draußen nicht Ihre Nachbarin sehen, die ihr Haus
    anzündet, weil man durch die sich daraus ergebende Nachfrage so verdammt
    reich wird, können Sie getrost auf den gesunden Menschenverstand
    vertrauen. ”
    Genau hier erkennt man warum sie falsch liegen Frau Schulze Heuling. Sie betrachten das falsche Modell. Natürlich macht ein abgebranntes Haus die Frau ärmer. Auch die Volkswirtschaft hat einen Wert verloren. Baut sie das Haus neu auf ist der volkswirtschaftliche Wert tatsächlich höher. Ganz einfach weil das Haus neu ist. Die Frau musste sich eventuell dafür verschulden. Aber das blenden sie eben aus. Sie sehen nicht den Wertgewinn, sondern nur die Schulden.

    Wenn in Krisenzeiten der Staat die Möglichkeit nutzt als Konsument einzuspringen, da alle anderen sparen kann das sinnvoll sein. Ich verweise auf einen guten Vortrag von Heiner Flassbeck diesbezüglich.
    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=q3tp7uS6ezY

    Er zeigt, dass Löhne und Lohnerwartungen (z.B. deren Entwicklung) ganz wesentlich für das wirtschaftliche Wachstum sind. Erwartet man eine Rezession, dann werden die Haushalte sparen. Wenn man nicht weiß ob man weiter Arbeit hat, wird man wohl kaum konsumieren.
    In diesem Fall werden aber auch die Unternehmen nicht investieren. Wozu sollten sie ihre Produktion ausweiten, wenn zu erwarten ist, dass es weniger Nachfrage gibt? Wird weniger verkauft wird man zusätzlich zu den ausbleibenden Investitionen auch noch Personen entlassen. Schließlich müssen diese sich rechnen. Dies alles sind betriebswirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen. Volkswirtschaftlich gesehe gehen sie im schlimmsten Fall mit einer Rezession einher. Das kann man abfedern indem der Staat einspringt. Zu behaupten dies funktioniere nicht ist Unsinn. Der Staat ist einer der größten Arbeitgeber. Alleinde der Bund gibt jedes Jahr über 300 Mrd. Euro aus.

Autor

Dagmar Schulze Heuling

ist Politikwissenschaftlerin. Sie forscht und lehrt an der Freien Universität Berlin.

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