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Wie das Geschäftsmodell “Freie Musik” funktioniert

Lässt sich mit Musik Geld verdienen, die kostenlos weiter verbreitet werden darf? Lässt sich. Der Markt für so genannte Freie Musik wächst, schreibt Benjamin Schäfer. Auch wegen der Unzufriedenheit über die großen Labels.


Wann immer ich mit Menschen über Wirtschaft spreche, dann teilen sich meine Gesprächspartner grob in zwei Lager: diejenigen, die wissen, was ein Markt ist und diejenigen, die Angst davor haben. Dabei ist ein freier Markt so ziemlich die beste Institution, die eine auf Tausch und Arbeitsteilung basierende Gesellschaft haben kann – das wusste schon Adam Smith.

Besonders beeindruckend wird die Kraft des Marktes für mich immer in kleinen Nischen. Wie eine Blume die kleinste Felsspalte nutzen kann, so nutzen auch Märkte jede Möglichkeit ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu schaffen.

Das für mich schönste Beispiel in den letzten Jahren ist der Markt für Freie Musik. Freie Software kennt man inzwischen, doch seit etwa zehn Jahren blüht eine kleine Nische mit Creative-Commons (CC) lizensierter Musik ohne GEMA-Registrierung. Die CC-Lizenzen ermutigen die Konsumenten das Werk unter vom Urheber bestimmten Bedingungen weiterzugeben und mit Freunden zu teilen. Einige dieser Lizenzen lassen auch Bearbeitungen zu – daher die Bezeichnung “Freie Musik”.

Die CC-Lizenzen haben verschiedene Bausteine. So kann der Lizenzgeber entscheiden, ob sein Werk abgewandelt werden darf, ob es kommerziell verwendet werden darf und ob eventuelle Bearbeitungen ebenfalls die Bedingungen der Lizenz des Originals erfüllen müssen (Copyleft-Prinzip). Aus den Kombinationen dieser Lizenzbausteine ergeben sich sechs verschiedene CC-Lizenzen in unterschiedlicher Restriktivität. Von kaum restriktiv (CC-BY) bis hin zu ziemlich restriktiv (CC-BY-ND-NC) ist alles dabei.

Die meiste Musik dieser Art ist nicht nur frei, sondern auch gratis; die Künstler verdienen mit Konzerten. Inzwischen gibt es aber eine immer größer werdende Zahl von Künstlern, die zwar ihre Musik unter eine CC-Lizenz stellen, aber dennoch verkaufen. Und obwohl die Musikkonsumenten vielfach als Anhänger einer “Kostenloskultur” verschrien sind, gibt es tatsächlich einen kleinen Markt für diese Musik. Unzufriedenheit über die Musik der großen Labels und die Eintagsfliegen aus DSDS und Popstars & Co, bringt hier eine Nachfrage hervor, die von Künstlern – zumeist aus der Netaudioszene – befriedigt wird.

In diese Marktlücke, die von den großen Labels hinterlassen wurde, treten Unternehmen wie Bandcamp, Jamendo und Soundcloud, die Freie Musik unter ganz unterschiedlichen Modellen zu verkaufen versuchen. Bandcamp bietet sich als Dienstleister für kleine Indie-Labels an und ist wohl der professionellste dieser Dienstleister. Jamendo dagegen besticht durch eine riesige Sammlung und versucht vor allem über die Lizenzierung für gewerbliche Zwecke, etwa Bar- oder Café-Beschallung Einnahmen für sich und die Künstler zu generieren. Soundcloud versteht sich dagegen eher als virtueller Plattenladen mit dem Fokus auf einzelnen Titeln, anstatt ganzer Alben.

Alle drei Firmen – und die unzähligen anderen – haben es geschafft die notwendige Infrastruktur für Marktgeschehen zu schaffen. Künstler mit neuer, frischer Musik (die den großen Labels zu unsicher ist) treffen auf ein aufgeschlossenes Publikum mit Zahlungsbereitschaft. Dass diese Art des Vertriebs, der Lizenzierung und des Verhältnisses von Künstler, Label und Konsument keine obskure Randerscheinung mehr ist, wie etwa vor etwa zehn Jahren noch, merkt man spätestens daran, dass es Freie Musik auch bei iTunes, Amazon und Co. zu kaufen gibt. Das Spiel der Marktkräfte hat zusammen mit der Geschwindigkeit des Internets dafür gesorgt, dass Angebot und Nachfrage sich getroffen haben, dass die Informationsasymmetrie abgenommen hat und neue Arbeitsplätze und Profitmöglichkeiten entstanden sind. Muss man davor Angst haben? Eigentlich nur, wenn man Aktien eines großen Labels hält.

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Autor

Benjamin Schäfer

promoviert über Geldwirtschaft und Internationale Makroökonomik.

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